{"id":773,"date":"2017-05-09T20:40:54","date_gmt":"2017-05-09T17:40:54","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=773"},"modified":"2017-05-09T20:40:54","modified_gmt":"2017-05-09T17:40:54","slug":"773-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2017\/05\/09\/773-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p><del><\/del>Unsere Nachbarn,\u00a0 die Grande Nation,\u00a0 haben nun ihr neues Staatsoberhaupt.\u00a0 Frankreich ist jetzt in aller Munde. Ein Hauch von kennedytypischer Jugendhaftigkeit wird durch den \u00c9lys\u00e9e-Palast wehen.\u00a0 Allerdings wird Jackys unnachahmlich-juveniler Charme aus leicht nachvollziehbaren Gr\u00fcnden fehlen.<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ische Moderne ist ohne Frankreich und ohne 1789 nicht denkbar.\u00a0 Die franz\u00f6sische Intelligenz ist seit jeher vom Prinzip der Polarit\u00e4t durchdrungen:\u00a0 die meisten von ihnen dr\u00e4ngeln sich nicht in der Mitte,\u00a0 sie beziehen unmissverst\u00e4ndlich eine klar ausgeleuchtete Stellung,\u00a0 sie suchen &#8222;Heil und Erl\u00f6sung&#8220; in Positionen,\u00a0 die oft weit abseits der Einheitsbr\u00fche des Mainstreams zu orten sind.<\/p>\n<p>Irgendwie sp\u00fcren wir alle,\u00a0 dass\u00a0 sich die westeurop\u00e4ische Zivilisation auf dem absteigenden Ast befindet.\u00a0 Die Dekadenz unseres Kulturkreises,\u00a0 den franz\u00f6sische und deutsche Aufkl\u00e4rer im 18. Jahrhundert so nachhaltig und zukunftsf\u00e4hig gestaltet und wovon bis zum heutigen Tage s\u00e4mtliche europ\u00e4ischen Generationen entscheidend profitiert haben,\u00a0 ist ein Faktum.<\/p>\n<p>Der Franzose hat kein Problem damit,\u00a0 dieses Faktum unumwunden zu benennen.\u00a0 Frankreich hat heute Philosophen wie Michel Onfray,\u00a0 Alain Finkielkraut oder Pascal Bruckner,\u00a0 es hat Schriftsteller wie Michel Houellebecq,\u00a0 die es alle m\u00fchelos schaffen,\u00a0 tief in die Textur unserer bereits bauf\u00e4llig-br\u00fcchigen Zivilisation einzudringen,\u00a0 diese Gesellschaft zu entzaubern,\u00a0 den schrankenlosen Kapitalismus,\u00a0 den Verlust der Metaphysik,\u00a0 das v\u00f6llige Ignorieren des Tanszendentalen,\u00a0 den Niedergang der Sch\u00f6nheit,\u00a0 des Stils und des Anstandes in deutlichen aber zugleich w\u00fcrdevollen Worten zu beklagen.<\/p>\n<p>Es ist und war eine stete Herausforderung an die Philosophie der Geschichte,\u00a0 zu erkl\u00e4ren,\u00a0 warum menschliche Gesellschaften immer wieder mit haneb\u00fcchener Leichtigkeit auf Irrwege hereinfallen.\u00a0 Viele dieser Irrwege f\u00fchrten in sinnlose blutige Gemetzel und grausame Katastrophen.\u00a0 Andere Irrwege haben kaum Blutspuren hinterlassen aber gewi\u00df immer eine oder mehrere von sozialem und \u00f6konomischem Leid gezeichnete Generationen.<\/p>\n<p>Der Neoliberalismus ist ein Beispiel eines solchen erneuten Irrwegs,\u00a0 im Moment der letzte in der langen Liste \u00f6konomisch-sozialer und politischer Irrungen.\u00a0 Der Neoliberalismus ersetzt die alte Narration von gesellschaftlicher Zusammenarbeit und Zusammenhalt durch eine Geschichte,\u00a0 die von Narzissmus triefenden Individuen handelt.\u00a0 Es ist durchaus vorstellbar,\u00a0 dass unter dem Druck der Globalisierung und ihres Adlatus,\u00a0 dem Neoliberalismus,\u00a0 die sozialen und die liberalen Werte,\u00a0 die Menschenrechte und die Rechtsstaatlichkeit zusammenbrechen k\u00f6nnten.\u00a0 Es ist vorstellbar,\u00a0 dass der k\u00fcnftige globale Kapitalismus xenophob,\u00a0 oligarchisch und nationalistisch sein k\u00f6nnte. Irrsinn?<\/p>\n<p>Allen historischen Irrwegen gemeinsam ist die Tatsache,\u00a0 dass sie sich die grenzenlosen M\u00f6glichkeiten menschlicher Verf\u00fchr- und Manipulierbarkeit zu Nutze machen.\u00a0 Kant schrieb von der selbstverschuldeten Unm\u00fcndigkeit des Menschen,\u00a0 der sich seiner Vernunft nicht bedienen kann.\u00a0 Gro\u00dfe Worte eines gro\u00dfen Mannes der von menschlicher Vernunft Gro\u00dfes hielt.\u00a0 Der Lack br\u00f6ckelt aber schon lange an diesem naiven Glauben.<\/p>\n<p>Selbst wenn die Vernunft versagt:\u00a0 die Menschen konnten und k\u00f6nnen sich niemals herausreden.\u00a0 Es gibt seit mehr als hundert Menschengenerationen &#8211;\u00a0 f\u00fcr jedermann leicht zug\u00e4nglich &#8211; die Niederschrift eines immer g\u00fcltigen Wertesystems und somit das Angebot klarer normativen Strukturen und Systeme,\u00a0 deren Einhaltung die Gefahr der Befolgung von Irrwegen,\u00a0 zu allen Zeiten von Gauner und Rattenf\u00e4nger propagiert,\u00a0 zumindest erheblich erschweren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz \u00fcben Irrwege eine offensichtliche Anziehungskraft auf die Menschen aus.\u00a0 Das B\u00f6se &#8211; eine auch von Philosophen und nicht nur von Theologen anerkannte Kategorie &#8211;\u00a0 ist als eindeutiger Urheber s\u00e4mtlicher Irrungen so alt wie die Menschheit selbst. Goethes Faust l\u00e4sst gr\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wir Menschen sind leider mit einem Schl\u00fcssel-Schlo\u00df-Prinzip ausgestattet,\u00a0 woran das B\u00f6se in unendlich mannigfachen Gestalten im Laufe der gesamten menschlichen Geschichte unentwegt andocken konnte.\u00a0 Es ist einer Verw\u00fcnschung gleich.<\/p>\n<p>Ist es aber nicht.<\/p>\n<p>Es ist ein dem Mensch-Sein immanenter Zustand und ihm somit nicht entrinnbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Nachbarn,\u00a0 die Grande Nation,\u00a0 haben nun ihr neues Staatsoberhaupt.\u00a0 Frankreich ist jetzt in aller Munde. Ein Hauch von kennedytypischer Jugendhaftigkeit wird durch den \u00c9lys\u00e9e-Palast wehen.\u00a0 Allerdings wird Jackys unnachahmlich-juveniler Charme aus leicht nachvollziehbaren Gr\u00fcnden fehlen. 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