{"id":582,"date":"2017-04-12T17:13:45","date_gmt":"2017-04-12T14:13:45","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=582"},"modified":"2017-04-12T17:13:45","modified_gmt":"2017-04-12T14:13:45","slug":"582-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2017\/04\/12\/582-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>Bewundert und hochgeachtet \u00fcberall in der Welt sind die Nobelpreistr\u00e4ger. Meistens zu Recht. Am Ende eines jeden Jahres warten wir alle gespannt auf die Entscheidungen, die in Stockholm und Oslo gef\u00e4llt werden.<\/p>\n<p>Nun, wir blicken zur\u00fcck in das Jahr 2002.<\/p>\n<p>Imre Kertesz, ungarischer Schriftsteller j\u00fcdischer Herkunft, erh\u00e4lt in jenem Jahr den Nobelpreis f\u00fcr Literatur. Sein &#8222;Roman eines Schicksallosen&#8220; z\u00e4hlt zu den eindrucksvollsten Werken \u00fcber den Holocaust \u00fcberhaupt. Er und sein Gesamtwerk wurden in Deutschland damals gro\u00df gefeiert.<\/p>\n<p>Gefeiert wurden allerdings nur Ausschnitte, nur Bruchteile von Kertesz` Werk und Pers\u00f6nlichkeit.<\/p>\n<p>An Imre Kertesz` Rezeption in Deutschland kann man gut die Art und Weise studieren, wie in unserer heutigen Welt Fakten verbreitet, Wahrheiten generiert, Informationen zu Propagandazwecken eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Ver\u00f6ffentlichte Fakten sind immer das Produkt von Selektion, die immer auch anders h\u00e4tten ausfallen k\u00f6nnen. Zugegeben: in unserem westeurop\u00e4ischen Kulturkreis wird nicht zensiert. Gleichwohl sind in den \u00f6ffentlichen Medien seit geraumer Zeit beunruhigende Tendenzen auszumachen. Eine oft verbl\u00fcffend ungenierte Selbstzensur, die Tendenz zur sogenannten &#8222;wei\u00dfen L\u00fcge&#8220; und insbesondere der Hang zum Verschweigen.<\/p>\n<p>Das Verschweigen im Namen einer vermeintlich hehren Idee.<\/p>\n<p>Kertesz` Holocaustwerk wurde von der deutschen Kulturszene euphorisch gefeiert. Es passte so gut in das Schema des &#8222;verklemmten deutschen Selbsthasses&#8220;, wie Botho Strau\u00df das treffend bezeichnete. Nichts hat der Deutsche davon erfahren, dass Kertesz auch andere, unsanftere T\u00f6ne anschlagen konnte.<\/p>\n<p>Kertesz der Holocaust-\u00dcberlebende, Kertesz der europ\u00e4ische Jude, der Nobelpreistr\u00e4ger schleudert uns auch Worte entgegen, die in den Augen der Mainstream-Ideologen unter den Teppich gekehrt werden mussten, weil sie einfach nicht in das Ideologie-Schema des Gutmenschen passten.<\/p>\n<p>Seine verzerrte und befangene Rezeption in Deutschland ist ein Musterbeispiel davon, was Political Correctness eigentlich ist: eine vernunftwidrige, oft peinliche Sprachhygiene, selbstgerechter Moralismus, Heuchelei und eine infantile Perversion des Toleranzgedankens.<\/p>\n<p>Und das sind die Worte des tief, sehr tief in der europ\u00e4ischen Kultur und dem europ\u00e4ischen Geist verwurzelten ungarischen Juden, der Auschwitz und Buchenwald \u00fcberlebt hat.<\/p>\n<p>Etwas Vorsicht ist allerdings geboten:\u00a0 seine Worte ergeben<strong> nur dann Sinn,<\/strong> wenn man den historischen Bogen \u00fcber die letzten 14 Jahrhunderte europ\u00e4ischer und nordafrikanischer Geschichte spannt. Ansonsten ist alles f\u00fcr die Katz.<\/p>\n<p>&#8222;Zur Politik w\u00e4re noch das eine oder andere zu sagen, aber das w\u00e4re wirklich unn\u00fctze und langweilige Zeitverschwendung. Es ginge darum, wie die Muslime Europa \u00fcberschwemmen und in Besitz nehmen, direkt gesagt, zerst\u00f6ren werden, darum, wie Europa das alles handhabt, es ginge um selbstm\u00f6rderischen Liberalismus und die Dummheit der Demokratie. Das ist stets das Ende. <strong>Die Zivilisation erreicht einen \u00fcberz\u00fcchteten Zustand\u00a0<\/strong>(meine Unterstreichung),\u00a0 in dem sie nicht nur nicht mehr f\u00e4hig, vielmehr auch nicht mehr willens ist, sich zu verteidigen, in dem sie, unverst\u00e4ndlicherweise, ihre eigenen Feinde verherrlicht. Und dazu kommt, dass man das alles nicht \u00f6ffentlich sagen darf. Wieso nicht? Die Frage w\u00fcrde mich nicht beunruhigen, wenn ich nicht inzwischen zur &#8222;\u00f6ffentlichen Person&#8220; geworden w\u00e4re. Ich fange an, den Zwang zu begreifen, aus dem die allgemeine gro\u00dfe L\u00fcge sich speist: Es ist einfach unm\u00f6glich, gegen diesen Zwang anzuk\u00e4mpfen, f\u00fcr den Politiker deshalb, weil er seine Popularit\u00e4t verliert, und f\u00fcr den Schriftsteller ebendeshalb. Die L\u00fcge und die totale Selbstaufgabe geh\u00f6ren zu den guten Manieren.&#8220;(Aus den &#8222;Tageb\u00fccher 2001-2009&#8220;).<\/p>\n<p>F\u00fcrwahr: sind diese beunruhigenden S\u00e4tze das resignierte Res\u00fcmee des tief im europ\u00e4ischen Geist Verwurzelten oder Ausfluss der gern paraphrasierten\u00a0 j\u00fcdischen &#8222;Paranoia&#8220;? Oder von beidem etwas?\u00a0 Oder&#8230;.<\/p>\n<p>P.S. Kertesz` S\u00e4tze k\u00f6nnten \u00fcbrigens genauso gut von einem anderen &#8222;Ver-r\u00fcckten&#8220; stammen. Von einem Franzosen namens Michel Houellebecq.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bewundert und hochgeachtet \u00fcberall in der Welt sind die Nobelpreistr\u00e4ger. Meistens zu Recht. Am Ende eines jeden Jahres warten wir alle gespannt auf die Entscheidungen, die in Stockholm und Oslo gef\u00e4llt werden. Nun, wir blicken zur\u00fcck in das Jahr 2002. Imre Kertesz, ungarischer Schriftsteller j\u00fcdischer Herkunft, erh\u00e4lt in jenem Jahr den Nobelpreis f\u00fcr Literatur. 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