{"id":5473,"date":"2026-09-21T15:06:09","date_gmt":"2026-09-21T13:06:09","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=5473"},"modified":"2026-09-21T15:17:31","modified_gmt":"2026-09-21T13:17:31","slug":"5473","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2026\/09\/21\/5473\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>EN PASSANT \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir leben in Zeiten, da w\u00fcrde man meinen, die Meinung von Sozialpsychologen w\u00e4re ein gesellschaftlich gefragtes Gut.<\/p>\n<p>Ist aber augenscheinlich nicht der Fall. \u00a0Die Gesellschaften des westlichen Kulturkreises befinden sich in einem Zustand zunehmender Spaltung und Fragmentierung. Die einen sehen nur noch Nazis am Werk, andere wieder k\u00f6nnen den &#8222;links-gr\u00fcn versifften Gutmenschen&#8220; nicht mehr riechen. Alle glauben noch immer daran, dass wir mehr oder minder rationale Wesen sind, die folgerichtig auch rational denken, diskutieren und handeln. Nun sind einige, allerdings wenige, der ketzerischen Meinung, dass das ein Mythos sei. Eilfertige Philosophen glaubten und glauben an die Vorherrschaft der Ratio im Denken und Handeln des modernen Menschen. Nicht wenige Sozialpsychologen widersprechen: Intuition und insbesondere Emotionalit\u00e4t beherrschten seit jeher die K\u00f6pfe aller Generationen. Also auch die K\u00f6pfe der Zeitgenossen. Was s\u00e4mtliche Generationen seit der europ\u00e4ischen Aufkl\u00e4rung als Rationalit\u00e4t nannten, war und ist lediglich ein rhetorisches Mittel, um irrationale Meinungen und Handlungen im Nachhinein vern\u00fcnftig dastehen zu lassen. Sei&#8217;s drum. Lassen wir das erst mal sacken \u2026<\/p>\n<p>Heute spielt die &#8222;Moral&#8220; eine \u00fcberaus gro\u00dfe Rolle im gesellschaftlichen Miteinander. Dem politischen und ideologischen Gegner begegnet man nicht mit Argumenten. Ihm begegnet man mit moralischer Haltung. Weil wir in der Epoche des Moralismus leben und der Ersatzreligion der Selbstgerechtigkeit fr\u00f6nen.<\/p>\n<p>Echte Moral ist eine dem\u00fctig-stille Angelegenheit. Die Moral sagt: &#8222;Ich versuche, ein anst\u00e4ndiger Mensch zu sein.&#8220; Moralismus ist dagegen laut und verfemend: &#8222;Ich bin ein besserer Mensch als du, und deshalb habe ich das Recht, dich zu \u00e4chten.&#8220;<\/p>\n<p>Moralismus ist unzweifelhaft der Feind der Demokratie. F\u00fcr den Moralisten gibt es nur eine Wahrheit, seine eigene. Demokratie aber hei\u00dft, &#8211; und das wei\u00df jeder, der den Begriff Demokratie buchstabieren kann! &#8211; dass keiner die Wahrheit besitzt. In einer authentischen und glaubw\u00fcrdigen Demokratie wird nach der Wahrheit gesucht, zusammen, im offenen Gespr\u00e4ch, nat\u00fcrlich auch im Streit von Rede und Gegenrede. Der Moralist aber duldet keinen Widerspruch und er ist in seinem Denken ungemein nahe &#8211; ohne sich dessen bewusst zu sein! &#8211; an tyrannischem und totalit\u00e4rem Gehabe. Moralismus ist Prinzipienreiterei und ein Schauprozess, in dem der Moralist \u00fcber andere zu Gericht sitzt, um sich selber zu erh\u00f6hen. Der moralische Mensch k\u00e4mpft f\u00fcr das Gute, auch wenn er dabei schlecht aussieht. Der Moralist will nicht Gutes tun, er will nur gut scheinen.<\/p>\n<p>Das sind die heutigen ungeschminkten bundesrepublikanischen Realit\u00e4ten. Der Weg aus diesem geistigen Schlamassel wird sich unweigerlich als eine Herkulesarbeit entpuppen. Erforderlich w\u00e4re daf\u00fcr statt der inzwischen peinlich gewordenen moralischen Besserwisserei eine R\u00fcckbesinnung auf die heilsame Zugkraft unverstellter intellektueller Demut.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Nichts ist heute in unserem Lande offensichtlicher als die Selbstblockade einer hilflos polarisierten Gesellschaft. Deutschland leidet unter einer alle gesellschaftlichen Bereiche durchdringenden Krise. Das Vertrauen der B\u00fcrger in die Politik ist im Keller.\u00a0 Den regierenden Parteien wird zunehmend unverhohlen vorgeworfen, dass sie sich den wahren Herausforderungen nicht stellen, sondern die Krisensituation verwalten. Wir werden von einer Regierungsriege gef\u00fchrt, die glaubt, sie m\u00fcssten blo\u00df regieren und schon seien dadurch alle wirtschaftlichen, sozialen und politischen Errungenschaften einer Demokratie gesichert.<\/p>\n<p>Weit gefehlt!<\/p>\n<p>Demokraten sind naiv, wenn sie glauben, solange der Staat nur in ihrer Hand sei, w\u00fcrden Ordnung, Recht und Freiheit garantiert. Oft lassen sich Demokraten dazu verleiten, Stimmungen im Lande zu ignorieren. Sie bilden sich ein, dass es damit getan ist, wenn &#8222;die Richtigen&#8220; regieren. Die B\u00fcrger hingegen wollen etwas anderes: dass die Regierenden das Richtige tun. Eine der wesentlichen Schw\u00e4chen der Demokratie liegt darin, dass Demokraten behaupten, die Demokratie in ihren H\u00e4nden w\u00e4re automatisch ein Garant guten Regierens. Auf diese Weise kann eigenes Versagen sch\u00f6ngeredet werden.<\/p>\n<p>Nun dr\u00e4ngt sich die Frage auf, ob die &#8222;regierenden Demokraten&#8220; lediglich naiv sind oder eher verantwortungslos, wenn sie z. B. dar\u00fcber hinwegschauen, dass in der Geschichte die Bedrohung der Demokratie nicht selten vom Staat ausging. Ja, tats\u00e4chlich, auch dann, wenn der Staat in der Hand der Demokraten war! Die parlamentarische Demokratie erweist sich nach wie vor als die beste unter s\u00e4mtlichen fehlerhaft-unvollkommenen Regierungsformen. Sie birgt eigentlich nur zwei ernstliche Gefahren in sich: die \u00fcberm\u00e4\u00dfige Verschwendung der Finanzen und die zunehmende Beschr\u00e4nkung der pers\u00f6nlichen Freiheit.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr, dass eine Demokratie scheitert, gibt es zahllose Gr\u00fcnde und Voraussetzungen. Sie sind unterschiedlich von Epoche zu Epoche, von Land zu Land. Aber unumst\u00f6\u00dflich ist die historische Lehre aus dem Scheitern einer jeder Demokratie, ob antik oder neuzeitlich:<\/p>\n<p>In diesem Versagen steckte jeweils der Keim der k\u00fcnftigen Diktatur.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>P.S. Obige Zeilen habe ich vor den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern verfasst. Ich bin genauso verst\u00f6rt wie viele andere B\u00fcrger unseres Landes auch. Es kommt mir alles vor wie in einem schlechten Film. Die Partei von Adenauer und Kohl torkelt der selbstverschuldeten und vermutlich nicht umkehrbaren politischen und gesellschaftlichen Bedeutungslosigkeit entgegen, wogegen die kommunistische Volksfront in der deutschen Hauptstadt zu den orientalischen Kl\u00e4ngen des Hayaltanzes und unter dem \u00f6ffentlich-ostentativen Beifall des Chefs des Remmo-Clans ihren Wahlsieg ausgelassen feierte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich hatte einst ein sch\u00f6nes Vaterland.<\/p>\n<p>Der Eichenbaum<\/p>\n<p>wuchs dort so hoch, die Veilchen nickten sanft-<\/p>\n<p>es war ein Traum.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das k\u00fc\u00dfte mich auf deutsch, und sprach auf deutsch<\/p>\n<p>(man glaubt es kaum,<\/p>\n<p>wie gut es klang) das Wort: &#8222;Ich liebe dich.&#8220;<\/p>\n<p>es war ein Traum.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(Heinrich Heine &#8211; Originaltext)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>EN PASSANT \u2026 &nbsp; Wir leben in Zeiten, da w\u00fcrde man meinen, die Meinung von Sozialpsychologen w\u00e4re ein gesellschaftlich gefragtes Gut. 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