{"id":5162,"date":"2026-06-21T16:49:27","date_gmt":"2026-06-21T14:49:27","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=5162"},"modified":"2026-06-21T16:49:27","modified_gmt":"2026-06-21T14:49:27","slug":"5162","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2026\/06\/21\/5162\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>Neue Facetten einer uralten Angelegenheit (letzter Teil)<\/p>\n<p>Die christliche Lesart kann ohne die Erw\u00e4hnung einiger Eckpunkte j\u00fcdischer Geschichte nicht auskommen. Beginnen wir &#8211; zur Einstimmung &#8211; mit einem nachdenklichen Wort aus dem Alten Testament:<br \/>\n&#8222;Wer euch antastet, der tastet meinen Augapfel an&#8220;. Gott wendet sich hier durch seinen Propheten Sacharja an die Juden aber haupts\u00e4chlich an die anderen V\u00f6lker der Erde. Gott setzt hier am Ende des Alten Testaments ein klares Ausrufezeichen. Er verk\u00fcndet, dass er ziemlich empfindlich sei, wie die Welt mit den Juden umgeht.<br \/>\nSo nebenbei sei bemerkt: Wenn man das Volumen eines Augapfels mit der Gr\u00f6\u00dfe Israels auf Erden vergleicht, kommt man zu einem erstaunlichen Ergebnis. Das Land Israel braucht auf der Erde genauso viel Platz wie unsere beiden Augen in unserem K\u00f6rper: 0,016\u00a0%. Uns Menschen ist es nicht egal, ob jemand unser Auge &#8222;ber\u00fchrt&#8220; oder z. B. unseren Fu\u00df. Bei Gott ist das offenbar auch so&#8230;<br \/>\nHier nun kurz die geschichtlichen Eckpunkte, die dazu dienen sollen, unser Verh\u00e4ltnis zu den Juden und insbesondere zu dem Staat Israel im Lichte Gottes zu pr\u00fcfen:<br \/>\n2000 Jahre vor Christus kauft Abraham von den Hethitern ein paar Quadratmeter Land f\u00fcr ein Grab. Die notarielle Best\u00e4tigung findet sich bis heute in 1. Mose 23.<br \/>\n1000 Jahre sp\u00e4ter erreicht Israel unter K\u00f6nig David die von Gott vorgegebenen Grenzen. Diese Tatsache ist von enormer Bedeutung, weil seit der Gr\u00fcndung des Staates Israel das verleumderische Narrativ bedient wird, dass der Judenstaat ununterbrochen expandieren will. Die schlichte Wahrheit ist eine andere: Israel war nie auf weitere Vergr\u00f6\u00dferung des Landes aus. Gott hat vor 3000 Jahren seine Grenzen festgelegt.<br \/>\nWeitere 1000 Jahre sp\u00e4ter, also eine Generation nach Jesu Tod und Auferstehung, zerst\u00f6ren die R\u00f6mer im Jahr 70 n. Ch. Jerusalem und den Tempel. Von diesem Zeitpunkt an ist den Juden ihre staatliche Existenz und ihr geistliches Zentrum genommen.<br \/>\n\u00dcber 1900 Jahre nach diesem Ereignis leben Juden nun zerstreut in allen L\u00e4ndern der Welt. Sie werden Spanier, Franzosen, Holl\u00e4nder, Deutsche, Russen, Afrikaner, Polen, Rum\u00e4nen, Magyaren usw.<br \/>\nHier bitte ich, kurz innezuhalten: All diese Zeiten summieren sich zu verbl\u00fcffenden 4000 Jahren Geschichte. 4000 Jahre. Das ist kein Pappenstiel und deshalb w\u00e4re ein Kommentar dazu mehr als \u00fcberfl\u00fcssig. Vor 4000 Jahren hat also ein Greis eine Grabst\u00e4tte in der N\u00e4he von Hebron f\u00fcr 400 Schekel Silber gekauft. Wer eine Grabst\u00e4tte f\u00fcr eine solche Summe kauft, will in dieser Gegend Wurzeln schlagen und hier Zukunft gestalten. Sein Sohn Isaak, Stammvater der Israeliten, und Isaaks Nachfolger haben Ernst gemacht mit dieser Verhei\u00dfung. Die Welt hat das weitestgehend immer und immer wieder zu verhindern versucht\u00a0\u2026 Sie &#8211; die Welt &#8211; hat diese Rechnung aber ohne den Wirt gemacht\u00a0\u2026<br \/>\nDie Juden leben fortan &#8211; nach dem Jahr 70. n.Ch. &#8211; zerstreut in aller Welt. Doch \u00fcberall \u00fcber zwei Jahrtausende bricht an Passah jeder j\u00fcdische Hausvater das Brot und sagt: &#8222;Dieses Jahr hier, n\u00e4chstes Jahr in Jerusalem&#8220;. \u00dcber die Jahrhunderte kehren Einzelne ins Land zur\u00fcck. Der Grund ist fast immer Druck, Diffamierung, Verfolgung in ihren Heimatl\u00e4ndern. Durch diese st\u00e4ndige abwertende Ausgrenzung und die unz\u00e4hligen Angriffe gegen die Juden wird ihnen gegen Ende des 19. Jahrhunderts schlie\u00dflich klar: Wir Juden m\u00fcssen f\u00fcr eine rechtlich gesicherte Heimat sorgen, damit diese wiederholten Angriffe endlich ein Ende finden. Das und nichts anderes ist die zionistische Idee.<br \/>\n1933-1945 folgt schlie\u00dflich jenes barbarische Ph\u00e4nomen, was wir Holocaust nennen, der Versuch, das Judentum auszul\u00f6schen.<br \/>\nDas ist mit einfachen Strichen der historische Hintergrund f\u00fcr die Proklamation der staatlichen Unabh\u00e4ngigkeit Israels am sp\u00e4ten Nachmittag des 14. Mai 1948. (Zur Erinnerung: Einige Stunden sp\u00e4ter befand sich der junge Staat bereits im Krieg. Angriff von allen Seiten seitens der Nachbarstaaten.)<br \/>\nSelbst jene, die mit christlichem Glauben nichts am Hut haben, kommen um die Tatsache nicht herum, dass die Juden und ihr Land durch die Bibel in ein besonderes Licht gestellt sind.<br \/>\nEs gibt in der Geschichte der Menschheit kein anderes Volk, das 2000 Jahre verstreut war in alle Welt und dann wieder in die alte Heimat zur\u00fcckkehrt.<br \/>\nZun\u00e4chst l\u00e4sst sich also Folgendes sagen: Der Staat Israel ist ein Erinnerungszeichen daf\u00fcr, dass ein Zusammenhang besteht zwischen den Juden heute und dem auserw\u00e4hlten Volk der Bibel. Israel und das von Gott begrenzte Land des j\u00fcdischen Volkes waren immer mit Gottes Geschichte mit dieser unserer Welt verbunden. Israel, die Juden und ihr Staat sind Werkzeuge in Gottes souver\u00e4ner Hand. Darum bleibt dieses Volk f\u00fcr die Welt immer ein Stachel, auch dann, wenn es selbst nicht an seinen Gott glaubt. Die Welt w\u00fcrde ihren Gott und Sch\u00f6pfer schnell vergessen, g\u00e4be es dieses Volk nicht. Durch die Juden erinnert Gott alle V\u00f6lker, ER ist der Herr \u00fcber alle und alles. Es gibt von Jesus und seinen Aposteln klare Worte, die sagen, dass Gott seinen Knecht Israel im Dienst beh\u00e4lt und nicht gek\u00fcndigt hat.<br \/>\nEs ist schon auff\u00e4llig: Die Tatsache, dass sich die V\u00f6lker im Laufe der Geschichte immer an den Juden gerieben haben und noch heute am Staat Israel reiben, deutet gerade auf das &#8222;Geheimnis&#8220; Israels hin. In der Geschichte taucht st\u00e4ndig ein anderes Volk auf, das sich zum Ziel setzt, den Juden einen &#8222;entscheidenden Schlag&#8220; versetzen zu m\u00fcssen. Die Spanier um 1492, die Russen um 1881, Deutschland 1933, derzeit die arabische Welt und der Iran, das ehemalige Perserreich. Adolf Hitler hat die restlose Vernichtung der Juden damit begr\u00fcndet, dass sie die Menschheit seit Jahrtausenden mit dem Begriff der S\u00fcnde verseuchen und so verhindern, dass sich der Mensch entfalten kann.<br \/>\nMenschen wollen nichts h\u00f6ren von ihrer S\u00fcnde, von ihrer Rebellion gegen Gott, von ihrem zutiefst verdorbenen Herzen, auch dem frommen verdorbenen Herz. (&#8222;Die Linie zwischen Gut und B\u00f6se verl\u00e4uft quer durch jedes Menschenherz&#8220;, hat mal Solschenizyn dazu gesagt). Die Menschen wollen Siegesbotschaften: &#8222;Das schaffen wir. Du bist stark, du bist gut&#8220;. Aber dieses Volk und seine Geschichte erinnern pausenlos: Wir h\u00e4ngen viel tiefer in der S\u00fcnde, als wir uns je eingestehen. Ja, es stimmt, Israel hat Jesus als seinen K\u00f6nig nicht angenommen und nicht erkannt. Jesus war zu niedrig, zu sanftm\u00fctig, zu erfolglos, zu leidend. Er befreite sie nicht von den R\u00f6mern, machte ihr Leben nicht bequem, passte nicht in ihr Bild von Gott. Sie erwarteten einen anderen Messias. Sie haben sich schuldig gemacht. &#8222;Israel, du bist ein Feind Gottes geworden, du bist nichts als silbrig gl\u00e4nzende Schlacke&#8220;, mahnte schon Jesaja Jahrhunderte vor Jesus.<br \/>\nAber: Haben wir Christen es in unserer Geschichte etwa besser gemacht?  Haben wir im neuen Bund (dem Bund der Gnade) den Schatz im Acker besser beh\u00fctet als Israel in seiner Geschichte? In den Kirchen und Gemeinden heute wird \u00fcber Gottes Wort gerichtet, anstatt dass Gottes Wort uns richtet. Die Geschichte des christlichen Abendlandes ist im Lebenswandel keinen Deut besser als die Geschichte Israels.<br \/>\nDie Gr\u00fcndung des Staates Israel ist eine Antwort Gottes auf alle Versuche, seinen Anspruch an uns aus der Welt zu schaffen. In einem gewissen Sinn ben\u00f6tigte Gott f\u00fcr 2 Jahrtausende das Land Israel nicht f\u00fcr sein Volk. Aber seit ein paar Jahrzehnten braucht er es wieder. Aus Gottes Sicht hat Israel offensichtlich immer noch &#8211; geistlich gesehen &#8211; eine strategische Bedeutung. Es gibt \u00fcberhaupt keine Religion, die auch mit einer Landverhei\u00dfung verbunden ist. Die ganzen Schwierigkeiten um das Judentum und den Staat Israel zwingen Juden wie Nichtjuden zu der Erkenntnis, dass Gott seine Hand auf Israel gelegt hat, um seinen Anspruch auf alle V\u00f6lker kund zu tun. Gott will sich durch dieses Volk und Jesus, der aus diesem Volk kommt, als den einzigen Herrn und Erl\u00f6ser aller Menschen offenbaren.<br \/>\nJa, f\u00fcr uns Menschen ist vieles unverst\u00e4ndlich. Gott hat nie zugelassen, dass man ihm in die Karten schaut.<br \/>\nWenn wir ihn verstehen w\u00fcrden, w\u00e4re er nicht Gott.<br \/>\nSchaut man in die Bibel, dann widerspricht der gegenw\u00e4rtige Staat der Juden v\u00f6llig den Vorgaben in Gottes Wort. Die Mehrheit in Israel glaubt gar nicht an den Gott Israels. Ein Israel, das nicht an den Gott Israels glaubt, hat biblisch gesehen keine Existenzberechtigung.<br \/>\nNichtsdestotrotz: Alle Wege dieses Volkes kreuzen alle Stra\u00dfen der Welt und sie deuten damit aus jeder Richtung auf das Kreuz Christi.<br \/>\nHier in Israel, am Kreuz und Mittelpunkt der Erde, h\u00e4uft sich die Schuld, die Schuld Israels und die Schuld s\u00e4mtlicher V\u00f6lker. Die Israeliten sind schuldig vor Gott und alle, die Israel begegnen, sind an diesem Volk schuldig geworden.<br \/>\nDas Dasein Israels ist die gro\u00dfe St\u00f6rung unter den V\u00f6lkern.<br \/>\nGott hat Israel auserw\u00e4hlt, die unendliche Schuld des Menschen vor Gott aufzudecken.<br \/>\nIsrael ist die wunde Stelle am K\u00f6rper der Menschheit. Gott selbst h\u00e4lt die Wunde offen. Er zeigt, dass sie nur heil wird durch Jesus, den Christus Israels.<br \/>\nIm Blick auf die Schuld unterscheidet sich Israel nicht von anderen V\u00f6lkern.<br \/>\nIsrael m\u00fcsste erkennen, dass Gottes Antwort und Heil in seiner eigenen Mitte geboren ist und die Welt m\u00fcsste erkennen, dass die Antwort in dem Christus liegt, der Israel verhei\u00dfen war.<\/p>\n<p>P.S. Obigen Gedanken zu folgen, ist f\u00fcr unsere s\u00e4kulare Welt eine Herausforderung. Die hier vertretenen Ansichten sind fraglos auf schriftliche Gedanken bekannter und manch unbekannter Theologen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Erw\u00e4hnung finden sollen hier der Schweizer Theologe Wilhelm Vischer (1895-1988), der sich eingehend mit der Staatsgr\u00fcndung Israels 1948 im Lichte der Bibel befasst hat und ein befreundeter emeritierter Pastor einer Freien Evangelischen Gemeinde in N\u00fcrnberg.<br \/>\nUnd zum Schluss Worte in eigener Sache:<br \/>\nJeder von uns versucht, die Vergangenheit und die Gegenwart zu deuten, um so das Ergebnis dieser Lesart in ein eigenes, unverwechselbares Gedanken- und Wertesystem einzugliedern.<br \/>\nIch pers\u00f6nlich habe in den vergangenen Jahrzehnten einige Deutungswerkzeuge herangezogen, um &#8222;zu verstehen&#8220;. Den Gang der Geschichte verstehen. Verstehen, wie &#8222;die Welt&#8220; tickt.  Keines dieser Werkzeuge hat letztendlich \u00fcberzeugt. Bis ich auf Augustinus von Hippo gesto\u00dfen bin. Auf den Mann, der aus seiner eigenen, zerm\u00fcrbenden Unruhe die gr\u00f6\u00dfte Ruhe gefunden hat &#8211; in Gott.<br \/>\nUnd dessen Ausspruch &#8222;Ich glaube, um zu verstehen&#8220;, meine alten Werkzeuge, die mich zur Erkenntnis f\u00fchren sollten, etwas in den Schatten gestellt hat.<br \/>\nDie alten Werkzeuge wurden dabei nicht \u00fcberfl\u00fcssig gemacht. Ihr Wirkungsbereich und -bilanz wurden aber substantiell und wegweisend erweitert.<br \/>\nDie Betonung liegt auf: wegweisend. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue Facetten einer uralten Angelegenheit (letzter Teil) Die christliche Lesart kann ohne die Erw\u00e4hnung einiger Eckpunkte j\u00fcdischer Geschichte nicht auskommen. Beginnen wir &#8211; zur Einstimmung &#8211; mit einem nachdenklichen Wort aus dem Alten Testament: &#8222;Wer euch antastet, der tastet meinen Augapfel an&#8220;. 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