{"id":5020,"date":"2026-04-17T11:30:51","date_gmt":"2026-04-17T09:30:51","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=5020"},"modified":"2026-04-17T11:49:12","modified_gmt":"2026-04-17T09:49:12","slug":"5020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2026\/04\/17\/5020\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>                                                     Scharf wie Paprika:<br \/>\n                                 Sind die ungarischen politischen Dissonanzen wirklich so?<\/p>\n<p>Die meisten Reaktionen der Welt auf das ungarische Wahlergebnis sind meines Erachtens in ihrer Schwarz-Wei\u00df-Malerei in unmittelbarer N\u00e4he hysterischer Drolligkeit zu verorten.<br \/>\nAuf Teufel komm raus wird seit Montag, 13. April, dar\u00fcber spekuliert, was nun die Beseitigung Orb\u00e1ns von der Macht f\u00fcr die Welt bedeuten k\u00f6nnte. Vergebens sucht man in den Beitr\u00e4gen &#8211;  welches politischen Spektrums auch immer &#8211;  eine n\u00fcchtern-dezente Ausgewogenheit in der Analyse der Ereignisse.<br \/>\nEs ist nat\u00fcrlich nicht leicht, k\u00fchlen, unvoreingenommenen Kopf zu bewahren, wenn es um das heutige Ungarn und um Viktor Orb\u00e1n geht.<br \/>\nEntweder ist man daf\u00fcr oder dagegen.<br \/>\nEs ist auch hier \u00e4hnlich wie mit der Israel-Frage: daf\u00fcr oder dagegen.<br \/>\nGrau- und Zwischent\u00f6ne: Fehlanzeige.<br \/>\nGlaubt man den weltweit vorherrschenden Medien, hat Orb\u00e1ns Wahlniederlage regelrechte Schockwellen verursacht. Dabei ist lediglich etwas Selbstverst\u00e4ndliches passiert: nicht mehr und nicht weniger als der Ausgang einer normalen demokratischen Wahl.<br \/>\nWer mit redlicher Ernsthaftigkeit das Ergebnis der Wahl betrachtet, f\u00fcr den hat eine n\u00fcchterne Bewusstmachung der Umst\u00e4nde dieses politischen Aktes oberste Priorit\u00e4t.<br \/>\nEine schlichte und schn\u00f6rkellose Betrachtungsweise gebietet, den &#8222;Tats\u00e4chlichkeiten in ihrer Gegebenheit&#8220; Rechnung zu tragen.<br \/>\nInfolgedessen gilt als fundamentale Voraussetzung, um Orb\u00e1nsche Vergangenheit und Magyarsche Zukunft richtig einordnen zu k\u00f6nnen, eine detaillierte Kenntnis der Geschichte Ungarns. Und hier ist haupts\u00e4chlich ein vertieftes Wissen um die Geschehnisse der letzten 120 Jahre vonn\u00f6ten.<br \/>\nDas 20. Jahrhundert war f\u00fcr das ungarische Volk insbesondere ab dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 bis zum Jahr 1989 eine einzige Katastrophe. Ein nahezu apokalyptisches Desaster, das sich tief in die Seele der Nation eingebrannt hat. Auf diese klaffend-schmerzhafte Wunde im tiefsten Inneren der nationalen Seele haben alle Politiker der letzten 100 Jahre &#8211; ob links, rechts, kommunistisch oder demokratisch &#8211;  zwanglos und gr\u00f6\u00dftenteils unverkrampft R\u00fccksicht nehmen m\u00fcssen.<br \/>\nDas wird auch Magyars politisches Schicksal mit allen daraus resultierenden politischen Konsequenzen bestimmen.<br \/>\nViele Zeitgenossen haben das politische Programm des k\u00fcnftigen starken Mannes in Budapest nicht sorgf\u00e4ltig genug interpretiert. Das hat sie dazu verleitet, den politischen Kampf zwischen Magyar und Orb\u00e1n zu einer Auseinandersetzung zwischen demokratischen Ideen und populistischem Gehabe hochzustilisieren. Ja, noch mehr: zu einem Kampf zwischen Progressivismus und Konservatismus.<br \/>\nMit Verlaub, das war er mitnichten!<br \/>\nMagyar hat in seinem gegen Orb\u00e1n frech und eiskalt gef\u00fchrten Kampf kein einziges ma\u00dfgebliches ungarisch-konservatives Ideal verleugnet. Da war nirgends die Rede von einem Politikwechsel betreffend offene Grenzen, Gender-Lehrpl\u00e4ne, EU-Migrationspakt oder Regenbogenpolitik. Die familienpolitischen Eckpunkte der Orb\u00e1nregierung, von Steuererleichterungen f\u00fcr kinderreiche M\u00fctter bis zu Wohnbauf\u00f6rderung, will er nicht antasten. Er will sie ausweiten.<br \/>\nDie Grenzanlagen. Sie bleiben.<br \/>\nDie Ablehnung verpflichtender Umverteilungsquoten der in Europa ankommenden Migranten? Die Ablehnung bleibt bestehen.<br \/>\nDie Skepsis gegen\u00fcber den monet\u00e4ren Hilfeleistungen f\u00fcr die Ukraine und einem schnellen EU-Beitritt des im Krieg befindlichen Landes?<br \/>\nMagyar bekr\u00e4ftigt diese Skepsis.<br \/>\nP\u00e9ter Magyar f\u00fchlt und denkt wie ein Ungar. Das wiederum ist im Falle eines genuinen ungarischen Politikers gleichbedeutend mit: patriotisch.<br \/>\n(Ja, etwas merkw\u00fcrdig, aber diesen Begriff gibt es immer noch!)<br \/>\nAlso: Zuerst immer proungarisch. Unentwegt auf Achse, aber stets mit der Nationalflagge in der Hand. Dann erst folgen in angemessenen Abst\u00e4nden die anderen zahlreichen &#8222;Pros&#8220;.<br \/>\nDas ungarische Volk hat am 12. April einen Machtwechsel auf eine bemerkenswert demokratische Weise erwirkt. Es hat aber keineswegs einen Riss in dem ungarisch-patriotischen Grundtenor verursacht, der als roter Faden die eigene, oft tragisch markierte Geschichte des Landes durchzieht.<br \/>\nDer Grundtenor des ungarischen Nationalgef\u00fchls war und ist ein konservativer. Magyar ist klug genug: Er wird diesem Grundgef\u00fchl die ihm geb\u00fchrende Bedeutung niemals verwehren. Die Ungarn haben mitnichten ihrem intrinsischen Konservatismus einen Korb verpasst. Nein, sie haben blo\u00df einem ganz speziellen Konservatismus, dessen Zeit offensichtlich abgelaufen ist, den R\u00fccken gekehrt. Die Mehrheit des Volkes hat die Erm\u00fcdungserscheinungen des Orb\u00e1nschen Systems registriert und das System auf eine sehr m\u00fcndige Art und Weise beseitigt.<br \/>\nMacht korrumpiert, auch dann, wenn sie mit den besten Absichten antritt. Das ist eine ewig geltende Aussage \u00fcber die menschliche Natur, die keiner weiteren Beweisf\u00fchrung bedarf.<br \/>\nDas System Orb\u00e1n ist nicht an seinen Idealen gescheitert, sondern an deren Erosion durch die in solchen historischen Epochen nicht beherrschbaren und nicht ausmerzbaren G\u00fcnstlingswirtschaft. Und ja, der Erosion durch eine in solchen F\u00e4llen nicht selten auftretenden anma\u00dfenden \u00dcberheblichkeit.<br \/>\nP\u00e9ter Magyar scheint den ungarischen konservativen Geist anders zu denken.<br \/>\nEs zeichnet sich jetzt schon ab: Gegen\u00fcber der EU-Zentrale wird er anders auftreten. Artig und umsichtig. Und geschmeidig. Mit gez\u00fccktem Schwert &#8211; das hat er vorbildlich internalisiert &#8211;  kann man Br\u00fcssel nicht einnehmen. Ihm er\u00f6ffnet sich jetzt die reelle Chance, die typisch ungarischen konservativen Zielsetzungen der letzten zwei Jahrzehnte mit jungem, unverbrauchten Personal und gef\u00e4lligen politischen Methoden zu verfolgen.<\/p>\n<p>Abwarten und Tee trinken &#8211; was die Zukunft Ungarns betrifft, w\u00e4re das ein sinnvolles Gebot der Stunde.<\/p>\n<p>P.S. Selbstverst\u00e4ndlich kursieren bereits auf verschiedenen Informationskan\u00e4len in und au\u00dferhalb Ungarns die obligatorischen und unvermeidlichen verschw\u00f6rungstheoretischen Einlassungen. Die hierbei am h\u00e4ufigsten anzutreffende Sichtweise ist jene, dass ein abgekartetes Spiel der beiden Protagonisten eine Perpetuierung des Orb\u00e1nschen Machtgef\u00fcges gew\u00e4hrleisten soll.<br \/>\nDas, was nach &#8222;Revolution&#8220; aussieht, ist also nichts anderes als ein subtiler, mephistophelisch gut durchdachter Schritt, die von Orb\u00e1n in jahrelanger Kleinstarbeit aufgebauten Machtmechanismen zukunftstauglich am Laufen zu halten.<\/p>\n<p>Nun ja, die Welt ist bekanntlich voller Wunder und die Wege des Herrn sind sowieso unergr\u00fcndlich\u00a0\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Scharf wie Paprika: Sind die ungarischen politischen Dissonanzen wirklich so? Die meisten Reaktionen der Welt auf das ungarische Wahlergebnis sind meines Erachtens in ihrer Schwarz-Wei\u00df-Malerei in unmittelbarer N\u00e4he hysterischer Drolligkeit zu verorten. Auf Teufel komm raus wird seit Montag, 13. April, dar\u00fcber spekuliert, was nun die Beseitigung Orb\u00e1ns von der Macht f\u00fcr die Welt bedeuten&hellip; <a href=\"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2026\/04\/17\/5020\/\" class=\"more-link\">Weiterlesen <span class=\"screen-reader-text\"><\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[59],"class_list":["post-5020","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-orban"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5020","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5020"}],"version-history":[{"count":55,"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5020\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5076,"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5020\/revisions\/5076"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5020"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5020"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5020"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}