{"id":4974,"date":"2026-04-04T20:56:29","date_gmt":"2026-04-04T18:56:29","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=4974"},"modified":"2026-04-06T11:46:17","modified_gmt":"2026-04-06T09:46:17","slug":"4974","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2026\/04\/04\/4974\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>Wird es eine &#8222;Renovatio Europae&#8220; geben? (Teil 2)<\/p>\n<p>Der identit\u00e4re europ\u00e4ische Patriotismus spielt in Engels Gedankenkonstrukt unbestritten die erste Geige. Der Historiker hat diesem neuen politischen Konzept auch einen Namen gegeben:<br \/>\nHesperialismus.<br \/>\nIhm schwebt ein Mittelweg vor zwischen einem k\u00fcnftigen neu erwachten Geist des jeweiligen europ\u00e4ischen Nationalstaates und dem anma\u00dfend korsettierenden EU-Zentralismus.<br \/>\nDie Ideologie der Br\u00fcsseler Zentralbeh\u00f6rde ist in vielen Hinsichten antieurop\u00e4isch. Sie leugnet weitestgehend die nationalen und zivilisatorischen Besonderheiten unseres alten Kontinents. Aus der vielschichtigen Geschichte Europas wird mit gro\u00dfem Gepr\u00e4nge von der Br\u00fcsseler Beh\u00f6rde lediglich Rationalismus, Individualismus, Globalismus und universale Menschenrechte hervorgehoben, deren absonderliche Mutation zum Wokismus alles andere denn ein Zufall ist. Die EU ist keineswegs der Ausdruck einer gemeinsamen Willensbildung, sondern seelenloses, technokratisches Gebilde mit sehr begrenzter Legitimation.<br \/>\nAndererseits w\u00fcrde souver\u00e4nistisches Gedankengut als Gegenkonstrukt zur EU zu einer erneuten wirtschaftlichen und politisch-milit\u00e4rischen Fragmentierung unseres zivilisatorischen Gro\u00dfraums f\u00fchren, die eine Beschleunigung des geopolitischen Niedergangs Europas mit sich bringen w\u00fcrde. Viele Jahrhunderte gemeinsamen Glaubens, gemeinsamer Bestrebungen und beneidenswerter, facettenreicher Interaktionen haben aus Europa eine einmalige Schicksalsgemeinschaft geformt. Ja, eine Familie, in der nicht selten gestritten und unz\u00e4hlige blutige Fehden ausgetragen wurden.<br \/>\nAber es siegte jedes Mal der zur Auss\u00f6hnung bereite europ\u00e4ische Geist. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts h\u00e4tte auch niemand diese gemeinsame Identit\u00e4t auch nur ansatzweise infrage gestellt. Dann aber lockte der Gang der Geschichte die Europ\u00e4er in einen arglistigen Hinterhalt: Der viel gepriesene Geist des Liberalismus hat die Europ\u00e4er peu \u00e0 peu dazu verleitet, ihre eigene kollektive Identit\u00e4t mit derjenigen der gesamten Menschheit zu verwechseln. Das hat Europa &#8211; wir alle erfahren das hautnah &#8211; alles andere denn gutgetan!<br \/>\nEs m\u00fcsste somit eine R\u00fcckbesinnung auf das stattfinden, was uns Abendl\u00e4nder ausmacht. Der Weg dorthin wird steinig sein und kampfbetont. Ein Kampf also um die kulturelle und institutionelle Hoheit gef\u00fchrt von nationalen Patrioten aus s\u00e4mtlichen europ\u00e4ischen Staaten, die die willf\u00e4hrig beiseite geschobenen europ\u00e4ischen Traditionen in ihre jeweiligen politischen Visionen integrieren und in engste Partnerschaft miteinander treten m\u00fcssen. Ohne Reibungen und auch ohne eine gewisse &#8222;rationale Gewolltheit&#8220; wird das gewiss nicht ablaufen, aber es ist gegenw\u00e4rtig das einzige historisch vertretbare Muster, um den v\u00f6lligen Zusammenbruch zu verhindern.<br \/>\nAb diesem Punkt geht Engels dann in die Vollen. Er muss sich schlie\u00dflich &#8222;outen&#8220; und das institutionelle Modell benennen, das ihm als historisches Beispiel vorschwebt, eine solche Wende in Europa herbeif\u00fchren zu k\u00f6nnen. Er zeigt keinerlei Hemmungen, wenn er in diesem Zusammenhang in geschichtsphilosophisch draufg\u00e4ngerischer Weise an das Heilige R\u00f6mische Reich des europ\u00e4ischen Mittelalters denkt.<br \/>\nDie Europ\u00e4ische Union ist macht- und kraftlos, wenn es darum geht, europ\u00e4ische Interessen in der Welt zu vertreten. Gleichzeitig wird sie von Jahr zu Jahr immer autorit\u00e4rer, wenn es darum geht, den Nationalstaaten ihre Entscheidungen aufzuzwingen. Die EU ist unf\u00e4hig, sich gegen China oder Trumps Amerika zu behaupten, aber sie kann mit bew\u00e4hrter Effizienz einem ganzen Kontinent das Verbot von Plastikstrohhalmen vorschreiben. In diesem Zusammenhang m\u00fcssen die &#8222;Lass-mich-dran-Deckel&#8220; der Einwegflaschen als Beweisst\u00fcck einer epochalen technischen Erneuerung ebenfalls l\u00f6bliche Erw\u00e4hnung finden&#8230;<br \/>\nEurop\u00e4ische Erb\u00e4rmlichkeit.<br \/>\nDieser Trend in Richtung geopolitischer Bedeutungslosigkeit muss umgekehrt werden: St\u00e4rke und Stolz nach au\u00dfen, Freiheit und Subsidiarit\u00e4t nach innen. Daf\u00fcr stand \u00fcber Jahrhunderte das Heilige R\u00f6mische Reich. Es gelang ihm, seine Grenzen erfolgreich zu verteidigen und gleichzeitig die Freiheit und Vielfalt unz\u00e4hliger K\u00f6nigreiche, Herzogt\u00fcmer, St\u00e4dte und F\u00fcrstbist\u00fcmer von den Pyren\u00e4en bis nach K\u00f6nigsberg und von den D\u00fcnen der Niederl\u00e4nder bis ins Herz Italiens zu gew\u00e4hrleisten. Erst als die Einheit der christlichen Welt durch Protestantismus, Renaissance und schlie\u00dflich Nationalismus zerbrach, begann der Niedergang des stolzen Reiches. Dabei sollte man nicht au\u00dfer Acht lassen: Napoleon hat in der Tat das Reich zerschlagen, aber dieses \u00fcberlebte noch &#8211; zumindest im Prinzip &#8211; bis 1918 in Form &#8222;Kakaniens&#8220; (R. Musil), also seines \u00f6sterreich-ungarischen Ausl\u00e4ufers.<br \/>\nEuropa muss wieder den Weg zu den Wurzeln seiner eigenen Geschichte freischaufeln, es muss zu einer neuen positiven Haltung gegen\u00fcber den gro\u00dfen Ideen seiner keineswegs lumpigen Vergangenheit finden. Wiederbesinnung auf das Christentum und die Reichsidee.<br \/>\nDaf\u00fcr ist das Sacrum Imperium das ideale Vorbild.<br \/>\nAngesicht von Globalisierung und Multikulturalismus ist der Souver\u00e4nismus als R\u00fcckbesinnung auf jene Werte, die Europa gro\u00df gemacht haben, nur verst\u00e4ndlich. Aber die k\u00fcnftigen Herausforderungen an Europa sind g\u00e4nzlich anderer Natur als z.B. in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts, als unser Kontinent auf dem H\u00f6hepunkt seiner Macht stand.<br \/>\nEuropa ist bedroht. Von allen Seiten. Sowohl von innen als auch von au\u00dfen. Auf dem Spiel steht nichts weniger als das \u00dcberleben des Abendlandes und all dessen, wof\u00fcr es einst stand. Weder der Geist des Zentralismus noch der Freiheitshauch der souver\u00e4nistischen Ideen werden imstande sein, dem kranken Kontinent neue Lebenskr\u00e4fte einzuhauchen.<br \/>\nEs mag paradox klingen aber nur auf den ersten Blick:<br \/>\nDenn wenn die europ\u00e4ischen V\u00f6lker ihre nationalen Identit\u00e4ten und somit IHR EUROPA retten wollen, m\u00fcssen sie ihren christlich-abendl\u00e4ndischen Patriotismus wieder entdecken und sich zu einer eigenen souver\u00e4nen Supermacht entwickeln.<\/p>\n<p>Und nun, zu guter Letzt: Wie stehe ich pers\u00f6nlich zu all dem?<br \/>\nEs gab einstens in der deutschen Geschichte einen Engels, der zusammen mit seinem b\u00e4rtigen Busenfreund aufwiegelnd verk\u00fcndete:<br \/>\n&#8222;Proletarier aller L\u00e4nder, vereinigt euch!&#8220;<br \/>\nDer andere redlich der Geschichtswissenschaft dienende Engels unserer Tage sieht sich &#8211; wie obige Zeilen es zu veranschaulichen versucht haben &#8211;  einem anderen Ideal verpflichtet.<br \/>\nIch kann beiden Engels bedauerlicherweise nicht mehr als wehm\u00fctig zufl\u00fcstern:<br \/>\n&#8222;Wie wohl ist dem, der dann und wann<br \/>\nsich etwas Sch\u00f6nes dichten kann.&#8220;<br \/>\n(W. Busch)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wird es eine &#8222;Renovatio Europae&#8220; geben? (Teil 2) Der identit\u00e4re europ\u00e4ische Patriotismus spielt in Engels Gedankenkonstrukt unbestritten die erste Geige. Der Historiker hat diesem neuen politischen Konzept auch einen Namen gegeben: Hesperialismus. Ihm schwebt ein Mittelweg vor zwischen einem k\u00fcnftigen neu erwachten Geist des jeweiligen europ\u00e4ischen Nationalstaates und dem anma\u00dfend korsettierenden EU-Zentralismus. 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