{"id":4588,"date":"2025-10-11T18:53:05","date_gmt":"2025-10-11T16:53:05","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=4588"},"modified":"2025-10-13T16:17:10","modified_gmt":"2025-10-13T14:17:10","slug":"4588","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2025\/10\/11\/4588\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>ALS DAS SIEBENB\u00dcRGISCH-S\u00c4CHSISCHE AUF DAS RUM\u00c4NISCHE TRAF&#8230;<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchsommer dieses Jahres habe ich beschlossen, eine Streitschrift zu verfassen. Kein Pamphlet. Keine Schm\u00e4hschrift. Eine kritische Streit-Schrift, der demokratischen Austragung von Kontroversen dienlich.<br \/>\nZum besseren Verst\u00e4ndnis der Zusammenh\u00e4nge hier einige n\u00fctzliche Hintergrundinformationen. Sowohl die Hintergrundinfos als auch die Streitschrift ist selbstredend an meine gesamte Leserschaft gerichtet. Um das Ganze &#8211; Hintergrundinfo und Streitschrift &#8211;  aber richtig verstehen und einordnen zu k\u00f6nnen, sind Basiskenntnisse \u00fcber die eigenartigen rum\u00e4nischen politischen Verh\u00e4ltnisse der letzten Jahre von nicht zu untersch\u00e4tzendem Vorteil.<br \/>\n***<br \/>\nIm Sp\u00e4therbst des Jahres 2024 fanden in Rum\u00e4nien Pr\u00e4sidentschaftswahlen statt. Die Ergebnisse des ersten Wahlgangs wurden vom rum\u00e4nischen Verfassungsgericht annulliert. Begr\u00fcndung: massiver Einfluss aus dem Ausland. Siegreich hervorgegangen ist aus diesem Wahlgang &#8211; oh, Schreck! &#8211; der rechtskonservative Europaskeptiker C. Georgescu. Amtierender rum\u00e4nischer Pr\u00e4sident zu dieser Zeit war Klaus Johannis, ein Siebenb\u00fcrger Sachse aus Hermannstadt. Johannis war mit der Situation sichtlich \u00fcberfordert. In seinem eigenen h\u00f6lzernen und b\u00fcrokratischen Duktus, mit dem er das rum\u00e4nische Volk jahrelang traktiert hat, lie\u00df er nach der Annullierung verlauten, Rum\u00e4nien sei &#8222;stabil, sicher, demokratisch&#8220; und &#8222;nicht in Schwierigkeiten.&#8220; Zudem k\u00fcndigte Johannis an, dass er verfassungsgem\u00e4\u00df Pr\u00e4sident bleiben werde, bis ein Amtsnachfolger vereidigt worden sei und versprach:<br \/>\n&#8222;Ich werde mich als Pr\u00e4sident so einbringen, wie bisher.&#8220; F\u00fcr alle &#8211; also f\u00fcr das Volk und f\u00fcr die politischen Beobachter gleicherma\u00dfen &#8211; durfte diese Aussage nach Realsatire geklungen haben, schlie\u00dflich war Johannis in den vergangenen Jahren als Pr\u00e4sident kaum noch in Erscheinung getreten. Au\u00dfer: er flog ins Ausland, meistens in L\u00e4nder der Dritten Welt. Diplomatisches Ergebnis: f\u00fcr Rum\u00e4nien nahezu Null.<br \/>\nEs kam, wie es kommen musste: Die Oppositionsparteien stellten Anfang 2025 einen Antrag auf Johannis\u00b4 Amtsenthebung. Er kam mit seinem R\u00fccktritt der Abstimmung im Parlament zuvor. Selbst seine eigene Partei, die b\u00fcrgerliche Nationalliberale Partei soll Johannis den Schritt nahegelegt haben. Rum\u00e4nischen Medien zufolge h\u00e4tte der unbeliebte Johannis bei einem Verbleib im Amt im neu entfachten Wahlkampf als Belastung f\u00fcr die Regierungsparteien gegolten. Da kann man es drehen und wenden, wie man will: In einem der entscheidendsten historischen Momente des nachrevolution\u00e4ren Rum\u00e4niens handelte Klaus Johannis alles andere denn mit der in derartigen Krisensituationen gebotenen pr\u00e4sidialen Souver\u00e4nit\u00e4t. Und wer in gro\u00dfen Z\u00fcgen die Historie seiner zehnj\u00e4hrigen Amtszeit kennt, wei\u00df, dass das Fehlen dieser Souver\u00e4nit\u00e4t in den wirren innenpolitischen Monaten Ende 2024 und Anfang 2025 keine Ausnahme war. Johannis hat sich in den 10 Jahren seiner Pr\u00e4sidentschaft alles andere denn mit Ruhm bekleckert. Das ist mitnichten nur meine Meinung. Die absolute Mehrheit ernstzunehmender politischer Beobachter innerhalb und au\u00dferhalb Rum\u00e4niens bescheinigen dem Expr\u00e4sidenten eine unterdurchschnittliche Qualit\u00e4t seines politischen Wirkens.<br \/>\nAlle Beobachter?<br \/>\nNat\u00fcrlich nicht.<br \/>\nEs gibt n\u00e4mlich nicht nur politische Beobachter, sondern auch politisch t\u00e4tige Funktion\u00e4re.<br \/>\nIm M\u00e4rz dieses Jahres erscheint in der Siebenb\u00fcrgischen Zeitung &#8211; sie ist so was wie das Zentralorgan der Siebenb\u00fcrger Sachsen in Deutschland &#8211; ein Artikel aus der Feder des Beauftragten der Bundesregierung f\u00fcr Aussiedlerfragen und nationalen Minderheiten Dr. Bernd Fabritius. Darin wird Johannis als Gl\u00fccksfall f\u00fcr Rum\u00e4nien und f\u00fcr Europa gepriesen. Der Artikel verstr\u00f6mt den Odem von pharis\u00e4erhafter, sch\u00f6nrednerisch-heuchlerischer Lobhudelei. Der Adressat des Artikels: die mit derartigen, durch und durch unkritischen Texten vertrauten Siebenb\u00fcrger Landsfrauen und Landsm\u00e4nner aus Deutschland.<br \/>\nMeine Streitschrift habe ich im Fr\u00fchsommer 2025 an die Redaktion der Siebenb\u00fcrgischen Zeitung geschickt wohl ahnend, dass sie im redaktionellen Papierkorb landen wird. Soviel zu der breiten, toleranten und freigesinnten Meinungsvielfalt, der sich die Redaktion &#8211; vorgeschoben &#8211;  verpflichtet f\u00fchlt.<br \/>\nZu guter Letzt eine weitere Bemerkung: Klaus Johannis wurde im November 2014 zum rum\u00e4nischen Pr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt. Am 26. Dezember 2014 ist in der Onlineausgabe der Siebenb\u00fcrgischen Zeitung ein Artikel von mir erschienen, wo ich &#8211; auf eine sehr pers\u00f6nliche Art &#8211; dieses doch au\u00dfergew\u00f6hnliche Momentum rum\u00e4nischer Geschichte versucht habe, historisch einzuordnen und zu w\u00fcrdigen. Mein Artikel von 2014 und die Streitschrift 2025 bilden eine in sich abgerundete Einheit. Der Artikel 2014 durfte damals \u00fcbrigens erst erscheinen, nachdem eine in der siebenb\u00fcrgischen Szene gut bekannte und vernetzte Person den Daumen zugunsten der Ver\u00f6ffentlichung dezent hochhielt.<br \/>\n***<br \/>\nHier nun meine Streitschrift: <\/p>\n<p>Sollte jemand behaupten, Rum\u00e4nien macht seit Jahren schwere Zeiten durch, den m\u00f6ge die Jahrhunderte alte Geschichte des Landes eines Besseren belehren. Schwere Zeiten waren mit \u00e4u\u00dferst wenigen Ausnahmen die Regel. Immer schon. Seit der Zeit, da die  r\u00f6mischen Legionen des Kaisers Trajan die Donau \u00fcberquert und dakischen Boden betreten haben.<br \/>\nSeit Menschen-Gedenken ist eine Spannung &#8211; nicht sichtbar, nicht fassbar &#8211; auszumachen vor allem im Geist und in der Seele des rum\u00e4nischen Volkes. Das moderne Rum\u00e4nien, entstanden vor mehr als 100 Jahren aus dem geopolitischen Tr\u00fcmmerhaufen als Nachlass des 1. Weltkrieges, m\u00e4andert seit damals unentwegt zwischen seinen inneren D\u00e4monen und den \u00e4u\u00dferen M\u00e4chten, die alle &#8211; D\u00e4monen und M\u00e4chte gleicherma\u00dfen &#8211; entweder das Land st\u00fcrzen oder st\u00fctzen wollen. Rum\u00e4nien ist stets in der Schwebe zwischen vorhandenem Potenzial und unf\u00e4higer Stagnation, zwischen Traum und Realit\u00e4t, zwischen dem, wie sich die Rum\u00e4nen selbst einsch\u00e4tzen und wie sie von Fremden wahrgenommen werden.<br \/>\nDas Volk hatte immer schon ein liebevolles Verh\u00e4ltnis zum Vaterland. Deshalb schmerzt den Rum\u00e4nen seit Generationen jeder politische Missgriff, jedes l\u00fcgen-behaftete Versprechen, jeder schrille oder ger\u00e4uschlose Missbrauch im \u00f6ffentlichen Raum. Das Volk f\u00fchlt sich immer wieder verraten: vom Staat, von den Politikern, von den Institutionen, ja vom &#8222;System&#8220;, wie die Bev\u00f6lkerung das Ganze schlussendlich bezeichnet.<br \/>\nDas vorherrschende Gef\u00fchl in der rum\u00e4nischen Gesellschaft war und ist seit einem Jahrhundert nicht die Hoffnung, sondern eine m\u00fchselige und ermattende Gemengelage aus Misstrauen und Galgenhumor, aus bitterer Ironie und Resignation.<br \/>\nSeit dem Sturz des Kommunismus verl\u00e4sst ein Teil der Jugend das Land, gut Ausgebildete kehren dem Land den R\u00fccken, die Schulen leeren sich, die Dorfbev\u00f6lkerung vergreist. Die Menschen haben kein Vertrauen mehr in die Justiz, der Begriff der Meritokratie ist mit einem unheilvollen Bann belegt, die B\u00fcrokratie gedeiht und der Staat behandelt die B\u00fcrger allzu oft als Feinde, seltenst als den Souver\u00e4n.<br \/>\nF\u00fcr das Ausland ist Rum\u00e4nien ein Paradoxon: ein Land mit einmaliger Kulturlandschaft, aber mit unsichtbarer Pr\u00e4senz auf der internationalen B\u00fchne; eine flexible Wirtschaft, aber chaotisch gemanagt; ein gastfreundliches Volk, aber mit schwacher diplomatischer Repr\u00e4sentanz.<br \/>\nDie Interessen jener, die sich dem Land gegen\u00fcber halbwegs wohlgesonnen verhalten, sind strategischer Natur. F\u00fcr die Vereinigten Staaten ist Rum\u00e4nien ein williger Br\u00fcckenkopf in unmittelbarer N\u00e4he des russischen Imperiums. Die Amerikaner kritisieren aber Rum\u00e4niens politische Inkoh\u00e4renz und das heuchlerische Mimen von Reformen. Die EU ihrerseits h\u00e4lt das Land unter strenger Beobachtung, Rum\u00e4nien ist zwar unmissverst\u00e4ndlich im Klub der erlesenen Europ\u00e4er, aber noch lange nicht auf dem Podest.<br \/>\nRum\u00e4nien ist ein zutiefst gespaltenes Land. Es gibt zwei koexistierende Welten, die sich wenig zu sagen haben: eine b\u00e4uerlich-l\u00e4ndliche, die verarmt und verlassen ist, die mit einer christlich-humanen Einstellung daherkommt und eine urbane, mit der restlichen Welt vernetzte Schicht, agil und gesch\u00e4ftig aber in weiten Teilen erschreckend oberfl\u00e4chlich. Die Rum\u00e4nen m\u00f6gen sich untereinander, aber sie verstehen sich nicht mehr. Einige glauben dem Westen, andere f\u00fcrchten ihn. Einige beten f\u00fcr den Sieg des Globalismus, andere singen das Lied des Protektionismus. Das Heil erwarten viele von der Politik, andere wieder von Gott.<br \/>\nRum\u00e4nien hat eine beneidenswerte geopolitische Lage, ist aber nicht imstande, sie auch gekonnt und ad\u00e4quat zu nutzen. Das Land wird um seine Naturlandschaften beneidet, ist aber bis heute nicht in der Lage, sie touristisch zu vergolden. Au\u00dferhalb der Grenzen w\u00e4chst eine Generation heran, die das Land &#8211; mit dem, was sie insbesondere in Westeuropa gelernt hat &#8211; weiterbringen k\u00f6nnte, sofern man sie ernsthaft, redlich und ohne Falsch zur\u00fcck ins Land rufen w\u00fcrde.<br \/>\nDen rum\u00e4nischen Politikern fehlt es an Visionen, am ausgepr\u00e4gtesten ist bei ihnen allein der Selbsterhaltungsinstinkt. Nach drei Jahrzehnten demokratischen Staatswesens wissen die Rum\u00e4nen noch immer nicht recht, was sie sein m\u00f6chten: ein Volk von Malochern im Dienste anderer, oder ernstzunehmende Gestalter z. B. eines regionalen Wirtschaftsmarktes? Wollen sie einer der wichtigsten europ\u00e4ischen Getreidelieferanten sein, oder ein logistisches Anh\u00e4ngsel fremder M\u00e4chte?<br \/>\nRum\u00e4nien leidet nicht an Ressourcenmangel, sondern an einem Kurs- und Richtungsmangel. Das Land hat keinen Mangel an humanen Ressourcen, von qualifiziertem Personal, sondern es leidet darunter, dass dieses menschliche Kapital von den Politikern und anderen Entscheidungstr\u00e4gern nicht ad\u00e4quat wahrgenommen und gef\u00f6rdert wird. Es fehlt nicht an Potenzial, es fehlt letztendlich an kollektiver Courage.<br \/>\nSeit ein paar Monaten ist neue Aufregung im Lande angesagt. Die Pr\u00e4sidentschaftswahl, die Ende 2024 aus sehr undurchsichtigen Gr\u00fcnden kassiert worden ist, war ein Paradebeispiel eines weitgehend undemokratischen R\u00e4nkespiels. Staatspr\u00e4sident zu dieser Zeit: Klaus Johannis. Es steht schlecht um das Vertrauen der Bev\u00f6lkerung in den Staat und seinen Institutionen. Von der politischen Kaste kommen nichts als hohle Versprechungen und sinnentleerte Slogans, die Politiker sind haupts\u00e4chlich damit besch\u00e4ftigt, sich Privilegien zu verschaffen und diese zu sichern. Ein Wechsel der politischen Einstellungen und Priorit\u00e4ten w\u00e4ren dringend vonn\u00f6ten, es ist h\u00f6chste Zeit f\u00fcr die Interessen der Bev\u00f6lkerung einzutreten und nicht in selbstverliebten Endlosschleifen unentwegt nur am eigenen Image zu feilen.<br \/>\nWas Rum\u00e4nien seit drei Jahrzehnten am dringendsten ben\u00f6tigt, ist eine allumfassende moralische Neukonfiguration und ein Reset aller gesellschaftlich relevanten Priorit\u00e4ten. Und das nicht mit Sonntagsreden, sondern mit Individuen, die Macht und Machtaus\u00fcbung nicht als Privileg, sondern als ehrenvolle Verantwortlichkeit definieren und leben. Es geht schlie\u00dflich um Wahrheiten und um mutige, verantwortungsbewusste B\u00fcrger, die vorbehaltlos das benennen, was schief l\u00e4uft, um unverz\u00fcglich daran zu gehen, die so erkannte und benannte Schieflage zu reparieren und instand zu setzen.<br \/>\nDie gesellschaftliche Sanierung kann nicht den sogenannten Eliten \u00fcberlassen werden, das hat niemals funktioniert. Auch ist kein Verlass auf fremde Hilfe, egal aus welcher Richtung sie k\u00e4me. Erneuerung kann gelingen, wenn sie aus jeder Ecke des Landes sprie\u00dft und jede Rum\u00e4nin und jeden Rum\u00e4nen in- und au\u00dferhalb der Landesgrenzen beseelt.<\/p>\n<p>Warum eigentlich habe ich mir die M\u00fche gemacht, all das aufzuschreiben als eine Art Quintessenz vieler lesenswerter Artikel, die seit geraumer Zeit in den rum\u00e4nischen und ausl\u00e4ndischen Medien kursieren?<br \/>\nEs hat zum einen etwas mit Ex-Pr\u00e4sident Johannis zu tun zum anderen mit dem Artikel des Herrn Dr. Fabritius in der Siebenb\u00fcrgischen Zeitung Anfang M\u00e4rz d.J. unter dem Titel:<br \/>\n&#8222;Gl\u00fccksfall f\u00fcr Rum\u00e4nien und f\u00fcr Europa.&#8220;<br \/>\nUnser Landsmann Klaus Johannis kam vor gut 10 Jahren in das Amt des rum\u00e4nischen Pr\u00e4sidenten wie derweil &#8211; Verzeihung um den saloppen Vergleich! &#8211; die Jungfrau zum Kind, also auf wundersame Weise. Den Sieg verdankte Johannis nahezu ausschlie\u00dflich der tiefen, rational in keinster Weise begr\u00fcndbaren Sehnsucht des rum\u00e4nischen Volkes nach deutscher Ordnung und deutschen Tugenden, der Sehnsucht nach einem anderen Geist im politischen Getriebe Rum\u00e4niens als jener meisterhaft vor mehr als hundert Jahren von Caragiale beschriebene. Nur und nur diese &#8211; alles andere denn rationale und mit realen Chancen des Gelingens behaftete &#8211; Sehnsucht katapultierte Johannis in das h\u00f6chste Amt des Staates.<br \/>\nDa der Verwirklichung dieser unz\u00e4hlige Jahrzehnte alten politischen Desiderate des Volkes all das entgegenwirkt, was ich in den obigen Zeilen aufzuzeigen versucht habe, hatte unser Landsmann zu keinem Augenblick seiner Pr\u00e4sidentschaft die Chance gehabt, Substantielles im rum\u00e4nischen politischen Getriebe zu \u00e4ndern. Aber genau das war des Rum\u00e4nen illusorische Hoffnung.<br \/>\nAls Pr\u00e4sident hat Klaus Johannis von Anfang an die EU-genehme Saite der rum\u00e4nischen Politik bespielt und sich damit immer mehr &#8211; gef\u00fchlt &#8211; einem Drittel der Bev\u00f6lkerung entfremdet. In den letzten drei Jahren dominierte in weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung eher die Entt\u00e4uschung \u00fcber ihren Pr\u00e4sidenten, weil er in der sich immer mehr polarisierenden Gesellschaft einseitig Partei ergriff f\u00fcr die elit\u00e4r-globalisierungsfreundlichen Schichten und die unz\u00e4hligen rum\u00e4nischen &#8222;Hillbilly-Familien&#8220; vor den Kopf stie\u00df. Man kann sich des leisen Verdachts nicht erwehren, dass Herr Johannis in den letzten Jahren seiner Amtszeit eine eigene, lediglich die pers\u00f6nliche Zukunft fokussierende Agenda vefolgte und folgerichtig auch das letzte Quantum pr\u00e4sidialer Neutralit\u00e4t aufgegeben hat. Man m\u00f6ge sich blo\u00df an die vermessene Idee des Pr\u00e4sidenten erinnern, NATO-Generalsekret\u00e4r werden zu wollen.<br \/>\nDie Rum\u00e4nen w\u00fcnschten sich vor 10 Jahren eine mit deutschen Tugenden ausgestattete, \u00fcber alles kleinliche Parteigez\u00e4nk erhabene neutrale politische Pers\u00f6nlichkeit, die mit einigen realit\u00e4tsnahen Visionen der rum\u00e4nischen Gesellschaft mit neuen Impulsen befreiende, noch unbeschrittene aber gangbare Wege er\u00f6ffnen h\u00e4tte sollen.<br \/>\nHerr Johannis hat sich dem &#8222;Polit-Zirkus&#8220; (Zitat Herr Dr. Fabritius) nicht nur nicht entzogen, er hat ihn zwar nicht bef\u00f6rdert, aber auch in keinster Weise an den Pranger gestellt. Er ist durch und durch Parteisoldat der National-Liberalen geblieben und ist folgerichtig im schlammig-glitschigen Werkraum des rum\u00e4nischen Politikbetriebs steckengeblieben, dessen Schmierstoff von den skrupellos-manipulativen und opportunistischen Seilschaften geliefert wird. Offenbar konnte und wollte der so zu h\u00f6chsten W\u00fcrden gelangte Siebenb\u00fcrger Sachse diesem so gearteten politischen Raum gar nicht entkommen, weil er sich wohl unter anderem auch dar\u00fcber bewu\u00dft war, dass er nicht der geborene, charismatisch und rhetorisch beschlagene F\u00fchrertypus geschweige denn der vision\u00e4re Stratege war.<br \/>\nKlaus Johannis hat sich bem\u00fcht. Nennenswerte, unverzeihliche Fehler sind ihm nicht unterlaufen. Gro\u00dfe W\u00fcrfe sind ihm aber auch nicht gelungen.<br \/>\nAuf keinen Fall, Herr Dr. Fabritius, kann davon ausgegangen werden, &#8211; wie Sie das in ihrem Artikel formuliert haben &#8211; dass Klaus Johannis in geschichtlicher Nachbetrachtung als einer der bedeutendsten Pr\u00e4sidenten des postrevolution\u00e4ren Rum\u00e4niens vermerkt bleiben wird.<br \/>\nDie k\u00fcnftigen rum\u00e4nischen Historiker werden schlicht verzeichnen, dass Anfang des 21. Jahrhunderts ein Siebenb\u00fcrger Sachse in das h\u00f6chste Staatsamt gew\u00e4hlt wurde. Er war stets bem\u00fcht, das Richtige zu tun, hat aber keine erw\u00e4hnenswerten Impulse f\u00fcr ein anders geartete Rum\u00e4nien, als das man dieses Land seit Jahrhunderten kennt, geliefert.<br \/>\nZu mehr wird es in den ernst zu nehmenden Geschichtsb\u00fcchern nicht reichen.<\/p>\n<p>\u00dcber die zu erwartenden Kernpunkte des k\u00fcnftigen Urteils, das seri\u00f6se und weisungsungebundene s\u00e4chsische Historiker in der nahen und fernen Zukunft \u00fcber Klaus Johannis als \u00f6ffentliche Person und somit Vertreter des Siebenb\u00fcrger Sachsentums &#8211; Letzteres insbesondere im geistigen Sinne verstanden! &#8211;  f\u00e4llen werden, schweige ich mich vorsorglich und diplomatisch-bedacht aus.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ALS DAS SIEBENB\u00dcRGISCH-S\u00c4CHSISCHE AUF DAS RUM\u00c4NISCHE TRAF&#8230; Im Fr\u00fchsommer dieses Jahres habe ich beschlossen, eine Streitschrift zu verfassen. Kein Pamphlet. Keine Schm\u00e4hschrift. 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