{"id":4355,"date":"2025-05-24T15:11:24","date_gmt":"2025-05-24T13:11:24","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=4355"},"modified":"2025-05-24T15:11:24","modified_gmt":"2025-05-24T13:11:24","slug":"4355-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2025\/05\/24\/4355-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>Es sind unruhige Zeiten, die wir alle zurzeit erleben. Im chinesischen Kulturkreis wird die Aussage &#8222;Ich w\u00fcnsche dir, dass du interessante Zeiten durchlebst&#8220; alles andere denn gern geh\u00f6rt. Der Angesprochene wei\u00df, dass man ihm mit diesen Worten keineswegs Gl\u00fcck und Zufriedenheit w\u00fcnscht!<br \/>\nWir alle erleben jetzt &#8222;interessante Zeiten&#8220;.<br \/>\nSich in interessanten Zeiten zurechtzufinden, ist keineswegs ein Klacks.<br \/>\nWir werden von allen Seiten mit Informationen zugesch\u00fcttet. Ab und an: zugem\u00fcllt.<br \/>\nWir m\u00fcssen damit zurechtkommen. Einfach ist das nicht.<br \/>\nDie Verbreitung jeder Information ist interessengeleitet, in unseren Tagen mehr denn je. Man sollte sich daher das eherne Axiom jeder Rechtsprechung ins Ged\u00e4chtnis rufen und diesen Grundsatz auch auf die \u00dcbernahme und Verarbeitung von Informationen ausdehnen: &#8222;Audiatur et altera pars.&#8220; <\/p>\n<p>Diesem Grundsatz folgend werde ich im Weiteren einige Meinungen zu den jetzigen globalen wirtschaftlichen und politischen Krisenherden des Herrn Professor Ulrich Blum wiedergeben.<br \/>\nZu seiner Person: Ulrich Blum ist Professor f\u00fcr Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsforschung an der Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg. Seit September 2021 ist er Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des neu gegr\u00fcndeten Deutschen Lithiuminstituts (ITEL).<br \/>\nAuf die Frage: &#8222;Welche Rolle spielte die Ukraine vor dem Niedergang der Sowjetunion&#8220;, erh\u00e4lt man von ihm eine kurze Abhandlung: &#8222;Die Ukraine war eines der wichtigsten Industriezentren der Sowjetunion&#8230; Russland und sp\u00e4ter die Sowjetunion wurden aus dem Donbass-Gebiet heraus industrialisiert. Es existiert ein spannendes Plakat aus dem Jahr 1921, das den Titel &#8222;Donbass, das Herz Russlands&#8220; tr\u00e4gt. Auf diesem Plakat ist eine Karte Russlands abgebildet, und der Donbass ist als Herz dargestellt, das Blut in die russischen Provinzen pumpt. Dieses Plakat verdeutlicht, dass der Donbass unverzichtbar f\u00fcr Russland ist. Damals waren allerdings Seltene Erden und Lithium noch nicht relevant. Die Seltenen Erden kamen erst in den 2000er und Lithium in den 2010er Jahren in unseren Dunstkreis und wurden immer wichtiger. Ich behaupte deshalb, dass der Ukrainekrieg wirtschaftlich eigentlich 1997 losgegangen ist. 1997 wurde das Klimaprotokoll von Kyoto angenommen. Russland war neben S\u00fcdafrika und Indien eines der L\u00e4nder, f\u00fcr die das Kyoto-Protokoll den gr\u00f6\u00dften Genickschlag darstellte. Schauen Sie: Das autokratische Herrschaftsmodell Putins basiert auf dem Verkauf von \u00d6l, Gas und Kohle. Wenn dieser Absatz durch die Dekarbonisierung zusammenbricht, bekommt das russische Gesch\u00e4ftsmodell ein gro\u00dfes Problem. Deshalb war f\u00fcr mich bereits fr\u00fchzeitig absehbar, dass Putin irgendwann die Hand nach den Rohstoffen der modernen Hochtechnologien ausstrecken wird, die vor allem im postsowjetischen Raum liegen. Entgegen allen Stimmen aus dem Westen: Putin handelt zutiefst rational.&#8220;<\/p>\n<p>Es ist inzwischen bekannt, dass die USA und die Ukraine ein Rohstoffabkommen abgeschlossen haben. In beiderseitigem Interesse nat\u00fcrlich. Warum denn haben die Vereinigten Staaten einen solchen Hunger nach Seltenen Erden?<br \/>\nProf. Blum antwortet auch hier wort- und kenntnisreich: &#8222;Die Amerikaner haben gro\u00dfe Probleme mit der eigenen Produktion von Lithium und Seltenen Erden. Eines der bedeutendsten Bergwerke f\u00fcr Seltene Erden in den USA befindet sich im kalifornischen Mountain Pass. Dort haben sie bei der Gewinnung die Schwierigkeit, dass das Material radioaktiv ist. Das ist nicht einfach zu bergen. Das Unternehmen Molycorp hat zweimal dichtgemacht, da es im Vergleich zu China zu kostenintensiv produzierte, unter anderem wegen der Radioaktivit\u00e4t. China hatte dadurch seinen Marktanteil Anfang des Jahrtausends auf \u00fcber 90 Prozent erh\u00f6ht und damit praktisch die gesamten Wertsch\u00f6pfungsketten ins Land gezogen. Darauf basiert heute seine globale Dominanz bei kritischen Rohstoffen. Deswegen sind die USA sehr interessiert an anderen Quellen. Die Amerikaner werden alles daransetzen, die Dominanz Chinas zu brechen. Die Chinesen haben auch aktuell einen enormen Einfluss auf die Preisbildung. Sie verf\u00fcgen \u00fcber 48 Prozent der weltweiten Reserven. Im Vergleich: Die USA verf\u00fcgen gerade einmal \u00fcber 11 Prozent der Reserven. Die Amerikaner m\u00f6chten den Europ\u00e4ern die Seltenen Erden vor der Nase wegschnappen, auch um die im Wahlkampf versprochene Reindustrialisierung des Landes zu forcieren. W\u00e4hrend wir uns in Europa aus dem Elfenbeinturm \u00fcber Trump lustig machen, m\u00fcssen wir feststellen, dass er im Gegensatz zur EU absolut rational agiert&#8220;.<\/p>\n<p>Bei der Frage nach eben diesem Agieren der EU im globalen Konflikt um Rohstoffe platzt dem Herrn Professor beinahe der Kragen:<br \/>\n&#8222;Ich bin als geopolitisch denkender Mensch fassungslos \u00fcber den Dilettantismus der Europ\u00e4ischen Union und unserer eigenen Bundesregierung. Wir schlafen regelrecht. Ich verstehe nicht, warum westeurop\u00e4ische Staaten nicht schon viel fr\u00fcher Rohstoff- und Entwicklungsabkommen mit den Ukrainern geschlossen haben, um m\u00f6glichst viele europ\u00e4ischen Firmen dorthin zu locken &#8211; eine Absichtserkl\u00e4rung gab es ja 2021. Europa bezieht zurzeit 98 Prozent der Seltenen Erden und 97 Prozent des Batterie-Lithiums aus China. Beides ist f\u00fcr die Energiewende und die technologische Transformation unverzichtbar. Die Folge ist eine massive Abh\u00e4ngigkeit. Die EU kann ihren Critical Raw Materials Act einstampfen, wenn sie nicht endlich ihre eigenen Interessen vertritt&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;It\u00b4s the economy, stupid&#8220;! &#8211; der ber\u00fchmte Wahlslogan Bill Clintons hat nichts von seiner G\u00fcltigkeit eingeb\u00fc\u00dft. Der Slogan bezog sich auf den Zustand der eigenen Wirtschaft der USA von damals und sollte im Wahlkampf Durchschlagskraft entfalten.<br \/>\nDer Slogan hat sich seit der Zeit verselbst\u00e4ndigt und wird in mannigfachen Zusammenh\u00e4ngen verwendet. Er kann z.B. Verwendung finden, etwa zur Untermauerung folgender Binsenwahrheit:<br \/>\nWirtschaftliche \u00dcberlegungen und Zw\u00e4nge geh\u00f6rten immer schon zu den Hauptursachen kriegerischer Auseinandersetzungen.<br \/>\n F\u00fcr Prof. Blum steht f\u00fcr das 21. Jahrhundert eines bereits fest:<br \/>\n&#8222;Der weltweite Kampf um die politische Hegemonie wird auch ein Kampf um kritische Rohstoffe sein.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es sind unruhige Zeiten, die wir alle zurzeit erleben. Im chinesischen Kulturkreis wird die Aussage &#8222;Ich w\u00fcnsche dir, dass du interessante Zeiten durchlebst&#8220; alles andere denn gern geh\u00f6rt. Der Angesprochene wei\u00df, dass man ihm mit diesen Worten keineswegs Gl\u00fcck und Zufriedenheit w\u00fcnscht! Wir alle erleben jetzt &#8222;interessante Zeiten&#8220;. Sich in interessanten Zeiten zurechtzufinden, ist keineswegs&hellip; <a href=\"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2025\/05\/24\/4355-2\/\" class=\"more-link\">Weiterlesen <span class=\"screen-reader-text\"><\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[18],"class_list":["post-4355","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-einsichten"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4355","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4355"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4355\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4355"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4355"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4355"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}