{"id":427,"date":"2017-03-05T16:39:05","date_gmt":"2017-03-05T14:39:05","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=427"},"modified":"2017-03-05T16:39:05","modified_gmt":"2017-03-05T14:39:05","slug":"427-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2017\/03\/05\/427-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>Ratlosigkeit ist ein Kennzeichen unserer Zeit. Wohin das Auge und das Ohr reichen: \u00fcberall &#8211; im Gro\u00dfen wie im Kleinen &#8211; \u00dcberforderung und betretene Hilflosigkeit gegen\u00fcber dem, was unmittelbar um uns und &#8222;drau\u00dfen&#8220; in der weiten Welt vonstattengehen.<\/p>\n<p>Es ist zum einen das unangenehm dumpfe Gef\u00fchl pers\u00f6nlicher Unsicherheit verursacht durch die Verwerfungen der neuen \u00f6konomischen Gegebenheiten. Zu viele Zeitgenossen(innen) &#8211; unerwartet viele sind unserem europ\u00e4ischen Wertesystem zugeh\u00f6rig &#8211; k\u00f6nnen mit den rasanten technologischen Entwicklungen nicht mithalten. Der Geist, die Motivation und die Visionen des Silicon Valley und der inzwischen zahlenm\u00e4\u00dfig massiv angestiegenen Zahl der epigonenhaften Nachahmer auf der ganzen Welt fordern, f\u00f6rdern und beg\u00fcnstigen das kosmopolitische Lebensgef\u00fchl in einer noch nie dagewesen Form:<strong> Kosmopolitismus mit planetarischen Anspruch<\/strong>. Jene, die diese Lebensart verinnerlicht haben und gewillt waren und sind, sich dieser Lebensform\u00a0 zu unterwerfen, sind unangefochten die Gewinner des jetzigen historischen Moments.<\/p>\n<p>Der Rest der Welt &#8211; die Kommunitaristen &#8211; k\u00f6nnen dagegen dem instabilen Moment und der in ihren Augen\u00a0 gef\u00e4hrliches Chaos verhei\u00dfenden Un\u00fcbersichtlichkeit des planetaren Kosmopolitismus wenig Positives abgewinnen. Sie nehmen eine trotzige Abwehrhaltung ein und fl\u00fcchten in bekannte Stabilit\u00e4t versprechende Wertesysteme und -muster. So ist das Erwachen nationaler Gef\u00fchle und insgesamt des Nationalismus in den aufkl\u00e4rerisch-europ\u00e4ischen Gebieten zu verstehen. Viele dachten, die Geister nationalistischen Denkens wurden im Laufe des vorigen Jahrhundert auf dem alten Kontinent f\u00fcr ewig und immer entsorgt. Dem ist offensichtlich nicht so. Das Wiedererwachen nationalgef\u00e4rbten Gedankengutes ist nicht die Ursache sondern Symptom wachsender Instabilit\u00e4t. Nicht zuf\u00e4llig gewann der Nationalismus im Zuge der massiven wirtschaftlichen Verwerfungen durch die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert an Einflu\u00df.<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ische Nachkriegsgeneration hat einen Gro\u00dfteil ihres Lebens in beneidenswert stabiler weltpolitischer Situation verbracht. Es war eine Zeit des wahren Segens gemessen an unz\u00e4hlige europ\u00e4ische Trag\u00f6dien der letzten tausend Jahre.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang ist es nicht unerheblich, auf ein grunds\u00e4tzliches Axiom historischen Denkens hinzuweisen, das die Wertung von geschichtlichen und politischen \u00dcberlegungen um ein Vielfaches erleichtert. Niemand kann z.B. ernsthaft bestreiten, dass ein Gro\u00dfteil der Weltbev\u00f6lkerung und insbesondere die Europ\u00e4er die Jahrzehnte des Kalten Krieges heute, also <strong>im nachhinein,<\/strong> weitestgehend als eine Epoche weltpolitischer Stabilit\u00e4t empfinden. Woraus unschwer oben erw\u00e4hntes Axiom ableitbar w\u00e4re, dass n\u00e4mlich historische Epochen niemals zufriedenstellend beurteilt werden k\u00f6nnen, solange sie nicht als &#8222;abgeschlossen&#8220; gelten. In dem<strong> heutigen<\/strong> historischen Augenblick weiss somit <strong>niemand<\/strong>, ob die richtigen Antworten auf die komplexen Herausforderungen der jetzigen und k\u00fcnftigen Zeiten von Seiten der Anh\u00e4nger des Kosmopolitismus oder jener des Kommunitarismus kommen werden.<\/p>\n<p>Wohin man blickt: von \u00fcberall prasseln aktionistische Vorschl\u00e4ge auf uns nieder. Der Umgang mit den beherrschenden Themen Migration und Fl\u00fcchtlinge spaltet Familien, Freundschaften und die Gesellschaft insgesamt. In solchen Momenten sind k\u00fchle N\u00fcchternheit und historisch-analytisches Denken von Vorteil. Damit wird das Problem nicht gel\u00f6st, aber so ein Denken bewahrt vor \u00dcbertreibungen. Denn sowohl Bef\u00fcrworter von geschlossenen wie auch jene von offenen Grenzen neigen allzu sehr dazu, die positiven oder negativen Folgen der Migration unaufh\u00f6rlich zu \u00fcbertreiben.<\/p>\n<p>Migration ist ein uraltes humanes Ph\u00e4nomen. Migration gibt es seit eh und je und es wird sie immer geben, solange unterschiedliche menschliche Gesellschaftsformen gleichzeitig nebeneinander existieren. Somit ist es klug, Migration als nat\u00fcrliches und unvermeidliches Ph\u00e4nomen der Geschichte anzuerkennen. Das bedeutet allerdings nicht, sich diesem Geschehen schicksalhaft und tatenlos zu unterwerfen. Wir sollen uns nichts vormachen: offene, liberale und vor allem reiche Gesellschaften werden auch in Zukunft eine Sogwirkung aus\u00fcben und dementsprechend eine erhebliche Einwanderung erfahren, ob sie wollen oder nicht. Die Migrationsmuster m\u00fcssen allerdings erkannt, schonungslos offengelegt, klug und interessenkonform gelenkt werden. Die Frage ist blo\u00df: konform wessen Interessen?<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: um Migrationsbewegungen unter den heutigen historischen Bedingungen einzud\u00e4mmen, muss der Prozess der wirtschaftlichen Liberalisierung r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden. Au\u00dferdem m\u00fcssten die Arbeitsm\u00e4rkte einer strengen Regulierung unterworfen werden. Das w\u00e4re alles machbar, allerdings w\u00fcrde das Wohlstandsniveau eines betr\u00e4chtlichen Teils unserer Zeitgenossen merklich sinken.<\/p>\n<p>Der, der das wirklich will, &#8222;m\u00f6ge den ersten Stein werfen&#8220;.<\/p>\n<p>Vor 25 Jahren hat ein Spruch Geschichte geschrieben. Er wird &#8211; sinngem\u00e4\u00df stets abgewandelt &#8211; immer wieder dann verwendet, wenn man etwas auf den Punkt bringen will. Ich versuche mich auch darin:<\/p>\n<p><strong>It`s the Kulturkampf, stupid<\/strong>!<\/p>\n<p>Es geht heute um die Deutungshoheit \u00fcber k\u00fcnftige soziale und politische\u00a0 Entwicklungen. Kosmopolitismus oder Kommunitarismus? Wie soll, wie wird unser Europa in der nahen und auch weiten Zukunft aussehen? Wer wird auf dem alten und jetzt auch offensichtlich erm\u00fcdeten und sichtlich \u00fcberforderten\u00a0 Kontinent ideologisch, ethnisch, religi\u00f6s das Sagen haben?<\/p>\n<p>Es gab ihn schon mal: den Kulturkampf. In einer anderen Welt und in einem ganz anderen Zusammenhang. Unsere Welt hat eindeutig auch einen, den eigenen nat\u00fcrlich,\u00a0 man muss nur genau hinsehen und hinh\u00f6ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ratlosigkeit ist ein Kennzeichen unserer Zeit. Wohin das Auge und das Ohr reichen: \u00fcberall &#8211; im Gro\u00dfen wie im Kleinen &#8211; \u00dcberforderung und betretene Hilflosigkeit gegen\u00fcber dem, was unmittelbar um uns und &#8222;drau\u00dfen&#8220; in der weiten Welt vonstattengehen. 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