{"id":4045,"date":"2024-12-25T15:57:58","date_gmt":"2024-12-25T14:57:58","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=4045"},"modified":"2025-05-28T14:56:11","modified_gmt":"2025-05-28T12:56:11","slug":"4045-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2024\/12\/25\/4045-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>DIE MENSCHEN LIEBTEN DIE FINSTERNIS MEHR ALS DAS LICHT<\/p>\n<p>&#8222;Es begab sich aber zu der Zeit&#8230;&#8220;<br \/>\nNein, nein!<br \/>\nIch will nicht wirklich den Eingangssatz des 3 Kapitels des Lukasevangeliums zitieren, sondern einen B\u00fcrgermeister zu Worte kommen lassen, der seinen Bericht auch so \u00e4hnlich h\u00e4tte beginnen k\u00f6nnen wie der Apostel Lukas, den, gemeint ist der B\u00fcrgermeister, die meisten von uns nachvollziehbarerweise nicht kennen:<br \/>\n&#8222;Da ist es geschehen, dass die Stadt mit allen ihren Einwohnern in die H\u00e4nde und Gewaltsamkeit ihrer Feinde gerathen(&#8230;)Da ist nichts als Morden, Brennen, Pl\u00fcndern, Peinigen, Pr\u00fcgeln gewesen. Insonderheit hat ein Jeder von den Feinden nach vieler und gro\u00dfer Beute gefragt. Wenn dann eine solche Partei in ein Haus gekommen, und der Herr etwas zu geben vermocht gehabt, hat er sich und die Seinigen so lang salviren und erhalten k\u00f6nnen, bis eine andere, die auch was haben wollen, wieder angekommen(&#8230;)Unter welcher w\u00e4hrenden W\u00fctherei dann, und da diese so herrliche, gro\u00dfe Stadt, die gleichsam eine F\u00fcrstinn im ganzen Lande war, in voller brennender Gluth und solchem gro\u00dfen Jammer und unaussprechlicher Noth und Herzeleid gestanden, sind mit gr\u00e4ulichem \u00e4ngstlichen Mord- und Zetergeschrei viel tausend unschuldige Menschen, Weiber und Kinder kl\u00e4glich ermordet und auf vielerhand Weise erb\u00e4rmlich hingerichtet worden, also da\u00df es mit Worten nicht genugsam kann beschrieben und mit Thr\u00e4nen beweint werden(&#8230;)<br \/>\nEs hat aber diese tr\u00fcbselige Zeit nicht viel \u00fcber zwei Stunden lang in der Stadt gew\u00e4hret, indem durch den unversehens zusto\u00dfenden Wind das Feuer(&#8230;) dergestalt \u00fcberhand genommen, da\u00df um 10 Uhr Vormittags alles im Feuer gestanden, und um 10 Uhr gegen die Nacht die ganze Stadt, zusammen mit dem sch\u00f6nen Rathhause und allen Kirchen und Kl\u00f6stern, v\u00f6llig in der Aschen und Steinhaufen gelegen(&#8230;)<br \/>\nAlso hat man diese weitber\u00fchmte, vornehme Stadt und Zierde des ganzen Landes in einem Tage in Feuer und Rauch aufgehen und ihre \u00fcbrig gebliebenen Einwohner mit Weib und Kindern gefangen vor dem Feinde hintreiben gesehen, da\u00df das Geschrei, Weinen und Heulen gar weit ist geh\u00f6rt und die Lohe und Asche von der Stadt bis in Wanzleben, Egeln und weiter Orte durch den Wind verf\u00fchret worden(&#8230;)<br \/>\nBelangend die Anzahl der Erschlagenen und Umgekommenen in der Stadt, weil nicht allen das Schwert, sondern auch das Feuer viel Menschen aufgefressen, kann man dieselbe nicht eigentlich wissen, denn nicht allein bald nach dieser erb\u00e4rmlichen Ein\u00e4scherung der General Tilly die verbrannten Leichname und sonst Erschlagenen von den Gassen, W\u00e4llen und andern Pl\u00e4tzen auf Wagen laden und in\u00b4s Wasser der Elbe fahren lassen, sondern man hat auch fast ein ganzes Jahr lang nach der Zeit in den verfallenen Kellern viel todte K\u00f6rper zu 5,6,8,10 und mehr, die darin erstickt und befallen gewesen, gefunden und weil die, so auf den Gassen gelegen, sehr vom Feuer verzehrt und von den einfallenden Geb\u00e4uden zerschmettert gewesen, also man oft die St\u00fccken mit Mistgabeln aufladen m\u00fcssen, wird Niemand die eigentliche Summam benennen k\u00f6nnen(&#8230;) Die abgestorbenen Leichname, so vor das Wassethor hinaus in die Elbe gef\u00fchrt worden, haben, weil an dem Orte alle Wege ein Kr\u00e4usel oder Wirbel ist, nicht bald hinwegflie\u00dfen k\u00f6nnen oder wollen, also da\u00df viele da lange herumgeschwommen, die theils die K\u00f6pfe aus dem Wasser gehabt, theils die H\u00e4nde gleichsam gen Himmel gereckt und dem Anschauer ein fast grausam Spectakel gegeben haben, davon denn viel Geschw\u00e4tzes gemacht worden, gleich als h\u00e4tten solche todte Leute noch gebetet, gesungen und zu Gott um Rache geschrieen(&#8230;)&#8220;<br \/>\nGrausame Zeiten. Unvorstellbares Leid. Rohe, brutale, entmenschlichte Gewalt.<br \/>\nDer Apostel Johannes, wohl Jesu` liebster Freund, schrieb:<br \/>\n&#8222;Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde(&#8230;) Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren b\u00f6se&#8220;.<br \/>\nMagdeburg Anno 1631. Was sich am 20. Mai 1631 in Magdeburg abspielte, geh\u00f6rt zu den dunkelsten Kapiteln der Menschheitsgeschichte schlechthin. Obiger Text entstammt einer Chronik des Magdeburger B\u00fcrgermeisters Otto Guericke(1602-86)<br \/>\nMagdeburg Anno 1945. Eine nahezu totale Vernichtung der Stadt durch alliierte Bombardements am 16. Januar 1945<br \/>\nMagdeburg Anno 2024. Unz\u00e4hlige trauernde und weinende Magdeburger wenige Tage vor Weihnachten, dem Tag, da die Geburt &#8222;des Lichts dieser Welt&#8220; alle Jahre gefeiert wird.<br \/>\n&#8222;Die Menschen liebten die Finsternis&#8230;&#8220;<br \/>\nWarum DU? Warum immer wieder DU, oh Magdeburg? <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DIE MENSCHEN LIEBTEN DIE FINSTERNIS MEHR ALS DAS LICHT &#8222;Es begab sich aber zu der Zeit&#8230;&#8220; Nein, nein! Ich will nicht wirklich den Eingangssatz des 3 Kapitels des Lukasevangeliums zitieren, sondern einen B\u00fcrgermeister zu Worte kommen lassen, der seinen Bericht auch so \u00e4hnlich h\u00e4tte beginnen k\u00f6nnen wie der Apostel Lukas, den, gemeint ist der B\u00fcrgermeister,&hellip; <a href=\"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2024\/12\/25\/4045-2\/\" class=\"more-link\">Weiterlesen <span class=\"screen-reader-text\"><\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[17],"class_list":["post-4045","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-deutschland"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4045","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4045"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4045\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4406,"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4045\/revisions\/4406"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4045"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4045"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4045"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}