{"id":3947,"date":"2024-08-19T11:19:16","date_gmt":"2024-08-19T09:19:16","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=3947"},"modified":"2024-08-19T11:19:16","modified_gmt":"2024-08-19T09:19:16","slug":"3947-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2024\/08\/19\/3947-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>PARIS 2024<\/p>\n<p>Die Olympischen Spiele 2024 sind Vergangenheit.<br \/>\nFrankreich hat Ma\u00dfst\u00e4be gesetzt, die Franzosen haben es klug angestellt. Sie mussten kaum in neue Sportanlagen investieren, es war alles schon da. Nachhaltigkeit, f\u00fcrwahr! Nahezu das ganze ihnen zur Verf\u00fcgung stehende Geld haben sie in das investiert, was ihnen wichtig war: in das Wohlf\u00fchlen der Sportler und das mitrei\u00dfende Verzaubern der Zuschauer vor Ort und nat\u00fcrlich in der ganzen Welt. Ein Volksfest sollte es werden und es wurde ein Volksfest. Sie haben es hinbekommen: die Gratwanderung so unvereinbarer Tatsachen wie &#8222;Offene Spiele&#8220;, Volksfest, die Hauptstadt Paris und mehr als 35000 bewaffnete Polizisten im t\u00e4glichen Einsatz.<br \/>\nEr\u00f6ffnungs- und Abschlussfeier waren nicht von dieser Welt. Und sie waren auch sehr franz\u00f6sisch: kaprizi\u00f6s, rebellisch, dramatisch. Ein Schaulaufen der Sportler vor einer beeindruckenden historischen Kulisse. Es war ein einmalig inszeniertes Miteinander von glanzvoller Vergangenheit und (sehr) bunter Gegenwart. Franz\u00f6sischer Nationalstolz gepaart mit l\u00e4ssig dahin kommender Weltoffenheit. Man kann gespannt sein, was Los Angeles sich einfallen lassen wird. In Paris hat die Seine eine hervorstechende Rolle gespielt. Damit haben die Franzosen mit der Tradition gebrochen, die beeindruckendsten Momente des olympischen Spektakels innerhalb eines Stadions stattfinden zu lassen. L.A. wird mit diesem neuen Ansatz nicht brechen k\u00f6nnen. M\u00f6glichkeiten dazu haben die Amerikaner allemal. Ich tippe darauf, dass diesmal eine K\u00fcstenlandschaft in den Mittelpunkt des einmaligen sportlichen Events r\u00fccken wird.<br \/>\nDie Franzosen haben es meisterlich geschafft, f\u00fcr einen Wimpernschlag der Geschichte der gesamten Welt die eigenen reichlich vorhandenen politischen, sozialen, wirtschaftlichen und klimatischen Probleme vergessen zu machen.<br \/>\nNun ist Olympia pass\u00e9.<br \/>\nUnd die gro\u00dfe Ern\u00fcchterung macht sich breit. So wie nach allen gro\u00dfen Sportevents. Ein Beispiel gef\u00e4llig? Vor zw\u00f6lf Jahren sprang Daniel Craig als James Bond bei der Er\u00f6ffnungsfeier der Olympiade in London aus dem Helikopter. Die Londoner Er\u00f6ffnungsfeier galt bis Paris 2024 als gro\u00dfartigstes Pr\u00e4ludium solcher Veranstaltungen schlechthin. Schon vergessen? Auch Paris 2024 wird unweigerlich verblassen, weil auch f\u00fcr diese Momente des Innehaltens und des tiefen Durchatmens Goethes ewiger &#8222;Augenblick&#8220; gilt, dessen &#8222;Verweilen&#8220; uns Menschen nicht verg\u00f6nnt ist.<br \/>\nApropos Sport. Selten wird \u00fcber Aspekte und Besonderheiten der Kulturgeschichte des Sports sinniert. Dabei reicht die Bindung zwischen Mensch und Sport weit zur\u00fcck in die Geschichte der Menschheit. Allein die Olympischen Spiele gehen mindestens bis ins 8. Jahrhundert vor Christus zur\u00fcck. Die &#8222;kriegerischen Wettk\u00e4mpfe&#8220; waren und sind Konstanten der Geschichte. Eine weitere Konstante der viele tausend Jahre w\u00e4hrender menschlichen Zivilisation sind die &#8222;spielerischen Wettk\u00e4mpfe&#8220;.<br \/>\nWie ist aber der unaufhaltsame und best\u00e4ndige Drang zum spielerischen Wettkampf zu erkl\u00e4ren? Die Kulturgeschichte des Sports bietet hierbei etliche interessante Erkl\u00e4rungsmodelle. So z. B. sieht der Philosoph Peter Sloterdijk im Fu\u00dfballspiel eine &#8222;anthropologische Versuchsanordnung&#8220;. Auf dem Rasen, so Sloterdijk, werde &#8222;das \u00e4lteste Erfolgsgef\u00fchl der Menschheit reinszeniert: mit einem ballistischen Objekt ein Jagdgut zu treffen, das mit allen Mitteln versucht, sich zu sch\u00fctzen&#8220;.<br \/>\nUnd schlussendlich: Woher kommt der Begriff &#8222;Sport&#8220; \u00fcberhaupt?<br \/>\nDer Terminus geht mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit zur\u00fcck ins 13. Jahrhundert. Damals tauchte in der franz\u00f6sischen Sprache das Wort &#8222;desporter&#8220; auf, was man gemeinhin mit &#8222;unterhalten werden&#8220; \u00fcbersetzen kann. In dem Wort steckt aber mehr drin. Die Urspr\u00fcnge von &#8222;desporter&#8220; sind &#8211; wie k\u00f6nnte es auch anders sein! &#8211; im Lateinischen zu suchen. Hier trifft man auf die Bedeutung: &#8222;sich hinwegtragen lassen&#8220;. Wom\u00f6glich auch von den Zw\u00e4ngen des Alltags? Wie zuletzt in Paris?<br \/>\nDiese Unschuld und gute Laune verbreitende \u00dcbersetzung aus dem Lateinischen darf nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass das Wort im Laufe der Jahrhunderte auch den Ursprung hergeben musste f\u00fcr einen ganz anderen Begriff, f\u00fcr einen anderen Tatbestand, der nichts mit Spa\u00df, nichts mit ausgelassener Freude oder einem \u00fcberw\u00e4ltigenden Wohlf\u00fchlsein zu tun hat, sondern mit unermesslichem Leid und grenzenloser menschlicher Tragik, wovon unz\u00e4hlige V\u00f6lker, Minderheiten und Individuen ein schauriges Lied singen k\u00f6nnen:<br \/>\nDEPORTATION.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PARIS 2024 Die Olympischen Spiele 2024 sind Vergangenheit. Frankreich hat Ma\u00dfst\u00e4be gesetzt, die Franzosen haben es klug angestellt. Sie mussten kaum in neue Sportanlagen investieren, es war alles schon da. Nachhaltigkeit, f\u00fcrwahr! 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