{"id":3905,"date":"2024-07-10T17:17:10","date_gmt":"2024-07-10T15:17:10","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=3905"},"modified":"2024-07-10T17:17:10","modified_gmt":"2024-07-10T15:17:10","slug":"3905-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2024\/07\/10\/3905-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>UNGEREIMTHEITEN<\/p>\n<p>Die Szene im Viertelfinalspiel Deutschland-Spanien, da Musiala die Hand des spanischen Wuschelkopfes Cucurella im Elfmeterraum trifft, hat das Zeug, das zu werden, was das Wembley-Tor seit vielen Jahrzehnten bereits ist: ein Kult-Moment des Fu\u00dfballsports. War es ein Elfmeter? War es nicht?<br \/>\nDas sind jene Momente, die sich in das Bewusstsein sportbegeisterter Zeitgenossen einpr\u00e4gen.<br \/>\nDie Fu\u00dfball-Europameisterschaften sind noch im vollen Gange. Es stehen die Halbfinalspiele an.<br \/>\nMit der deutschen Mannschaft darf man getrost zufrieden sein. Gegen die zurzeit agierende spanische Mannschaft den K\u00fcrzeren zu ziehen, ist alles andere denn eine Schande.<br \/>\nGrund zum Debattieren g\u00e4be es zuhauf. Das leidliche Thema VAR geh\u00f6rt ebenso dazu wie die &#8211; gef\u00fchlt &#8211; oft willk\u00fcrlich festgelegte Anzahl der Minuten in der Nachspielzeit.<br \/>\nAuffallend zugenommen hat indes die Qualit\u00e4t der Theatralik nach einem echten oder vermeintlichen Foulspiel. Man kann sich als Zuschauer des Eindrucks nicht erwehren: In dem Augenblick, wo ein Gegner den (meistens) ballf\u00fchrenden Spieler auch nur im geringsten Ma\u00dfe ber\u00fchrt, l\u00f6st diese Ber\u00fchrung im Letzteren einen fast schon automatisierten Reflex des wilden Aufschreiens, des sich Hinschmei\u00dfens und des Hin-und-Her-W\u00e4lzens aus, der, so wie das spontan und meisterhaft ausgef\u00fchrt wird, nur einen Schluss zul\u00e4sst: Dieser Reflex wird akribisch und detailversessen trainiert. Es werden gezielt k\u00f6rperliche und sprachliche Reaktionen trainiert, um den Unparteiischen hinters Licht zu f\u00fchren.<br \/>\nDamit wird dem Fu\u00dfballsport ein B\u00e4rendienst erwiesen. Die moderne Bild\u00fcbertragungstechnik projiziert diese willentlich unfaire Spielweise sekundenschnell auf die Millionen Zuschauerbildschirme. Immer \u00f6fters hinterlassen derartige Bilder einen abt\u00f6rnend schalen Geschmack.<br \/>\nNa ja, sei&#8217;s drum. Unfairness im Sport ist an sich beileibe nichts Neues, das gab es immer. Da unfaires Verhalten aber fr\u00fcher f\u00fcr den Zuschauer eine unwiederholbare Momentaufnahme darstellte und diese somit in seinem Bewusstsein schnellstm\u00f6glich verpuffte, hatte es nicht die Qualit\u00e4t eines erheblichen St\u00f6rfaktors. In der heutigen hypermedialisierten Zeit sieht die Sache indes anders aus. Es st\u00f6ren antrainierte Theatralik und der schamlose Hang, jederzeit unfaire Mittel einzusetzen.<br \/>\nNun gut. Zum Schluss (gegebenenfalls) mehr als eine Randbemerkung:<br \/>\nSeit nahezu einem Jahrhundert geh\u00f6rt Fu\u00dfball &#8211; zumindest in Europa &#8211; zu jenen Ereignissen, die sowohl Individuen als auch ganze Nationen in ihren Bann ziehen. Gro\u00dfe Fu\u00dfballereignisse werden zelebriert, wodurch sie eine nicht zu untersch\u00e4tzende gesellschaftliche Wirkung aus\u00fcben. Vor, w\u00e4hrend und nach dem Ereignis entstehen Blasen, getragen von Emotionen gr\u00f6\u00dfter Intensit\u00e4t. Diese Emotionen sind alles andere denn wertfrei, am allerwenigsten politisch wertfrei. Jedes Fu\u00dfballereignis transportiert Werte. Und diese sind erfreulicherweise nicht selten positive Werte.<br \/>\nAllerdings d\u00fcrfen wir die Augen nicht verschlie\u00dfen, wenn es um &#8211; salopp und besch\u00f6nigend ausgedr\u00fcckt &#8211; Ungereimtheiten geht.<br \/>\nEin guter Freund (und Mentor zugleich) hat mich zu diesem Thema auf einen Artikel in der FAZ aufmerksam gemacht.<br \/>\nZu dem Thema: Ungereimtheiten.<br \/>\nIch zitiere aus der FAZ: &#8222;Eine Europameisterschaft ist eigentlich ein Anachronismus. Seit Jahrzehnten bem\u00fchen sich gl\u00fchende Europ\u00e4er um ein Zusammenwachsen der Nationen auf dem alten Kontinent. Aber seit 1960 lassen sie ihre Fu\u00dfball-Nationalteams alle vier Jahre aufeinander los, feierlich begleitet von Hymnen und Abertausenden Fahnentr\u00e4gern im Namen der nationalen Sache. Und dann wird getreten und gehackt, gebr\u00fcllt und verh\u00f6hnt, beleidigt und bespuckt. Der Niederl\u00e4nder Ronald Koeman nahm 1988 das Nationaltrikot von Olaf Thon und wischte sich damit symbolisch den Allerwertesten ab. Ein Albtraum, nicht nur f\u00fcr Diplomaten. Binnen Sekunden vernichtet eine h\u00e4ssliche Szene, was \u00fcber Jahrzehnte m\u00fchsam aufgebaut wurde, verst\u00e4rkt zumindest schwelende Ressentiments, rei\u00dft zugesch\u00fcttete Gr\u00e4ben auf. Fu\u00dfball kann auch trennen. In ihm steckt eine gewaltige Kraft.&#8220;<br \/>\nAu\u00dferhalb der Stadien und insbesondere auf den R\u00e4ngen w\u00e4hrend der Spiele war das \u00fcberspannte und deshalb anr\u00fcchig-bedenkliche nationale Momentum bei dieser Europameisterschaft 2024 in Deutschland der entscheidend dominierende Faktor.<\/p>\n<p>Wir alle in Europa m\u00fcssen mit diesen Ungereimtheiten leben.<br \/>\nMit den zusammenf\u00fchrenden und den trennenden Augenblicken des Lebens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>UNGEREIMTHEITEN Die Szene im Viertelfinalspiel Deutschland-Spanien, da Musiala die Hand des spanischen Wuschelkopfes Cucurella im Elfmeterraum trifft, hat das Zeug, das zu werden, was das Wembley-Tor seit vielen Jahrzehnten bereits ist: ein Kult-Moment des Fu\u00dfballsports. War es ein Elfmeter? War es nicht? Das sind jene Momente, die sich in das Bewusstsein sportbegeisterter Zeitgenossen einpr\u00e4gen. 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