{"id":3854,"date":"2024-05-01T11:59:35","date_gmt":"2024-05-01T09:59:35","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=3854"},"modified":"2024-05-01T11:59:35","modified_gmt":"2024-05-01T09:59:35","slug":"3854-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2024\/05\/01\/3854-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>In Teilen der SPD l\u00e4uten leise, aber vernehmbar die Alarmglocken. Einige namhafte Professoren\/innen der Geschichtswissenschaften lassen in einem gemeinsam ver\u00f6ffentlichten Brandbrief kein gutes Haar an der Einstellung der ehrw\u00fcrdigen Partei zum Ukrainekrieg.<br \/>\nIn ihrem Schreiben spielen sie u.a. auf die endg\u00fcltige Kanzlerabsage an, &#8222;Taurus&#8220;-Marschflugk\u00f6rper an das kriegsgebeutelte Land zu liefern. Sodann werten sie die Meinung des Fraktionschefs M\u00fctzenich bez\u00fcglich des &#8222;Einfrierens&#8220; der Kriegshandlungen als eine &#8222;fatale \u00c4u\u00dferung&#8220; und werfen ihm und weiteren Genossen einen &#8222;kurzsichtigen Friedensbegriff&#8220; vor.<br \/>\nDer n\u00e4chste Kritikpunkt der Professorinnen: Das Fehlen einer ehrlichen Aufarbeitung der Fehler, die die SPD in den vergangenen Jahrzehnten in ihrer Russlandpolitik begangen hat.<br \/>\nZitat: &#8222;Vielmehr wird die Tradition der Au\u00dfenpolitik Egon Bahrs nach wie vor unkritisch und romantisierend als Markenzeichen der SPD hochgehalten&#8220;.<br \/>\nStarker Tobak.<br \/>\nBrandts und Bahrs Entspannungspolitik hat in Europa zum Zusammenbruch des von den betroffenen Nationen als sehr schwer zu verdauenden Kommunismus und schlie\u00dflich zur weitgehenden Befriedung des Kontinents inklusive die Deutsche Einheit gef\u00fchrt. Kann denn diese Entspannungspolitik, definiert zeitlich auf weniger als 2 Jahrzehnte und r\u00e4umlich beheimatet im mittel- und osteurop\u00e4ischen Nachkriegseuropa, tats\u00e4chlich &#8222;falsch&#8220; gewesen sein? Kritikw\u00fcrdig? Zweifel sind angebracht.<br \/>\nWir durchleben seltsame Zeiten. Bellizistische Zeiten.<br \/>\nEs herrscht ein Kriegs-Zeitgeist.<br \/>\nDieser Bellizismus weiter Teile insbesondere der westeurop\u00e4ischen Gesellschaften ist &#8211; gelinde ausgedr\u00fcckt &#8211; unertr\u00e4glich.<br \/>\nKaum jemand will mahnende Worte h\u00f6ren, jene z.B. von B. Brecht: &#8222;Ungl\u00fccklich das Land, das Helden n\u00f6tig hat&#8220;.<br \/>\nDie mahnenden Worte von Papst Franziskus, den Frieden als h\u00f6chstes zwischenmenschliches Gut nicht aus den Augen zu verlieren, wurden niedergebr\u00fcllt. Zeitgenossen, die Fragen stellen, werden als def\u00e4tistisch abgestempelt.<br \/>\nFragen wie diese:<br \/>\nWas wird wohl passieren, sollte es den Ukrainern gelingen, die russischen Truppen tats\u00e4chlich zur\u00fcckzudr\u00e4ngen? Zur\u00fcck auf russisches Territorium. Es sieht alles andere denn danach aus, aber rein theoretisch darf diese Frage vorbehaltlos gestellt werden. Verschwinden dann die russischen Truppen mit h\u00e4ngenden K\u00f6pfen in ihren Kasernen? Das w\u00e4re wohl Putins Ende. Wer aber w\u00fcrde ihn beerben? Doch nicht Personen, die mit Friedenstauben in der Hand der Bev\u00f6lkerung<br \/>\nerkl\u00e4ren w\u00fcrden, dass man sich nun geschlagen geben muss, weil der Gegner halt eben st\u00e4rker war. Das ist nicht vorstellbar. Der in weiten Teilen aufgeputschten Bev\u00f6lkerung k\u00f6nnte man eine Niederlage gar nicht zumuten.<br \/>\nRussland war und ist eine (geopolitische) Heimsuchung. Eine durch und durch autokratische. Seit drei Jahrhunderten versucht Russland seine Staatsziele und Einflusszonen zu sichern ohne jegliche R\u00fccksichtnahme weder der eigenen Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcber noch dem nahezu immer als feindlich empfundenen Ausland. Das, was russische Machthaber seit Peter dem Gro\u00dfen tun, hat mit internationalen Rechtsnormen nicht das Geringste zu tun, sie huldigen einer uneingeschr\u00e4nkten Machtpolitik und man konnte und kann sie davon nicht abhalten. Sie w\u00e4hnen sich im Recht.<br \/>\nDas taten sie aber alle: S\u00e4mtliche gro\u00dfen Imperien der Geschichte haben sich weder um Recht noch um Moral geschert.<br \/>\nHeute ist es &#8211; siehe die USA, China und Russland &#8211; nicht anders.<br \/>\nDie blutige Konfrontation auf den ukrainischen Schlachtfeldern kann keinen Sieger hervorbringen. Je l\u00e4nger dieser Krieg dauert, umso schwieriger wird es f\u00fcr die Beteiligten, gesichtswahrend dem Morden ein Ende zu setzen.<br \/>\nIm Moment gibt es niemanden auf Erden, der einen Ausweg aus der vertrackten Situation skizzieren k\u00f6nnte. Fakt aber ist, dass die bisher angewandten Strategien in eine Sackgasse gef\u00fchrt haben. Folgerichtig sind neue \u00dcberlegungen und Wege dringend notwendig.<br \/>\nDie Gedanken der Bef\u00fcrworter des &#8222;Sieges um jeden Preis&#8220; kann man nachvollziehen. Viele denken und handeln nach der Maxime: nie wieder &#8222;M\u00fcnchen 1938&#8220;. Ja, da ist was dran. Und trotzdem m\u00fcssen sie sich den Vorwurf gefallen lassen:<br \/>\nSie kennen die unmenschlich-grausamen Kriegsbedingungen nicht und propagieren ihre \u00dcberzeugungen aus der sicheren Entfernung vom grauenhaften Geschehen. Das darf unverbl\u00fcmt als Balkon-Bellizismus genannt werden.<br \/>\nChris Hedges, ein US-Journalist, der jahrzehntelang aus Kriegsgebieten berichtete, hat ein Buch geschrieben:<br \/>\nTHE GREATEST EVIL IS WAR.<br \/>\nIm Schlusskapitel schreibt er: &#8222;Ich trage den Tod in mir. Den Geruch von verwesten und aufgedunsenen Leichen. Die Schreie der Verwundeten. Die Schreie der Kinder. Den Klang der Sch\u00fcsse. Die ohrenbet\u00e4ubenden Explosionen. Die Angst. Den Gestank von Kordit. Die Dem\u00fctigung, die entsteht, wenn man sich dem Terror ergibt und um sein Leben bettelt. Der Verlust von Kameraden und Freunden. Und dann die Nachwirkungen. Die lange Entfremdung. Die Gef\u00fchllosigkeit. Die Albtr\u00e4ume. Den Schlafmangel. Die Unf\u00e4higkeit, sich mit allen Lebewesen zu verbinden, selbst mit denen, die wir am meisten lieben. Das Bedauern. Die Absurdit\u00e4t. Die Verschwendung. Die Sinnlosigkeit. Nur die Gebrochenen und Verst\u00fcmmelten kennen den Krieg. Wir bitten um Vergebung. Wir suchen Erl\u00f6sung. Wir tragen dieses schreckliche Kreuz des Todes auf dem R\u00fccken, denn das Wesen des Krieges ist der Tod, und die Last des Krieges gr\u00e4bt sich in unsere Schultern ein und frisst unsere Seelen auf.(&#8230;) Er verl\u00e4sst uns nie&#8220;.<br \/>\nEs sind viele Beteiligte, die ein Interesse an diesem Krieg haben.<br \/>\nDer Konflikt ist ein Schlagabtausch konkurrierender, global agierender M\u00e4chte. In ihrem Weltbild gibt es keine Skrupel und kein Mitleid.<br \/>\nSolange sich ihre Interessenlage nicht \u00e4ndert, wird der Tod weder die Ukrainer noch die Russen auf den blutgetr\u00e4nkten Feldern der Ukraine verschonen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Teilen der SPD l\u00e4uten leise, aber vernehmbar die Alarmglocken. 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