{"id":3686,"date":"2023-07-26T20:41:43","date_gmt":"2023-07-26T18:41:43","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=3686"},"modified":"2023-07-26T20:41:43","modified_gmt":"2023-07-26T18:41:43","slug":"3686-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2023\/07\/26\/3686-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>WER SICH AN DAS ABSURDE GEW\u00d6HNT HAT\u00a0&#8230;<\/p>\n<p>Der Beruf des Journalisten fu\u00dft unter anderem auf der Suche, der Aufnahme, der Sichtung und der Wiedergabe von Informationen. Manche davon interessant und relevant, andere nicht. Je nach Betrachtungsweise und Perspektive.<br \/>\nVon meiner pers\u00f6nlichen Warte aus gesehen sind Informationen, die einen Banater Sportjournalisten betreffen, gut geeignet, einen erhellend-reizvollen Beitrag zu der seit einiger Zeit mit Vehemenz in der deutschen \u00d6ffentlichkeit ausgetragenen Diskussionen bez\u00fcglich des Wahrheitsgehalts medialer Ver\u00f6ffentlichungen zu leisten. Einen Beitrag zu dem von vielen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger unseres Landes als Gleichschaltung der wichtigsten Medienanstalten wahrgenommenen Ph\u00e4nomen.<br \/>\nDie Rede ist von Helmut Heimann, Banater Schwabe, Jahrgang 1952. Ihm ist es gelungen, seine sportjournalistische T\u00e4tigkeit, die er im kommunistischen Rum\u00e4nien begonnen und \u00fcber Jahre erfolgreich ausge\u00fcbt hat, im kapitalistischen Deutschland als Sportjournalist bei BILD ab Fr\u00fchjahr 1991 weiterzuf\u00fchren. Und das ebenfalls mit lobenswertem Erfolg.<br \/>\nHeimanns Stil als Sportreporter ist unverwechselbar. Die relevanten oder eben weniger bedeutsamen Sportinformationen werden eingebettet in ein warmes sprachliches Ger\u00fcst von Kuriosit\u00e4ten, von Erkenntnissen und Einsichten aus vielen anderen Lebensbereichen. Philosophische Reflexionen und Zitate bedeutender Denker und Gestalten der Weltgeschichte durften und d\u00fcrfen in seinen Beitr\u00e4gen niemals fehlen.<br \/>\nDiese feine Art zu Denken und zu Schreiben widersprach selbstredend dem kommunistischen Geist, und es war gewiss kein Zufall, dass die kommunistischen Zensoren Heimann ganz oben in der Liste der St\u00f6renfriede und Unangepassten f\u00fchrten. Heimanns journalistische T\u00e4tigkeit \u00fcberlebte, weil er des \u00d6fteren geschickt Sand in die Argusaugen der Zensoren streute und weil er niemals den Bogen \u00fcberspannt hat.<br \/>\nMehr als belangvoll sind aber f\u00fcr uns seine Erkenntnisse, die er im kapitalistischen Journalismus gesammelt hat. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund. So erw\u00e4hnt er s\u00fcffisant-ironisch die erst vor ca. 13 Jahren aufgetretene Unart, Interviews vor dem Erscheinen autorisieren zu lassen. Jedes Interview, egal ob aus der Politik, Sport, Kultur, Wissenschaft oder Wirtschaft muss vor dem Erscheinen der jeweiligen Presseabteilung vorgelegt werden, die es zurechtstutzt. Autorisierung hei\u00dft dieses Vorgehen, was im Grunde genommen nichts anderes ist als Zensur. Dabei werden brisante Aussagen so entsch\u00e4rft, dass das Interview f\u00fcr den Leser irrelevant und uninteressant wird.<br \/>\nHeimann zitiert Oskar Beck, Sportkolumnist von &#8222;Stuttgarter Zeitung&#8220; und &#8222;Die Welt&#8220;:<br \/>\n&#8222;Was von der Presseabteilung als Interview genehmigt schlie\u00dflich zur\u00fcckkommt, ist schlimmstenfalls ge\u00e4ndert, glattgeschliffen und hochgeh\u00fcbscht. Ein brisantes Interview geht, salopp auf Deutsch gesagt, heutzutage den Weg aller schmutzigen W\u00e4sche &#8211; es wird geschleudert, bis es bl\u00fctenwei\u00df aus der Waschmaschine wieder rauskommt.&#8220; So wurde ein Interview mit dem von uns allen gut bekannten Lukas Podolski gleich an 38(!) Stellen ver\u00e4ndert. Beck vergleicht die Autorisierer mit Fris\u00f6ren: &#8222;Sie frisieren die Interviews mit der Heckenschere.&#8220;<br \/>\nEine \u00e4hnlich treffende Aussage auch vom ehemaligen &#8222;kicker&#8220;-Chef Wolfgang Uhrig: &#8222;Es gilt das gestrichene Wort.&#8220; Und Heimann stellt unumwunden die Gretchenfrage: &#8222;Wo bitte soll also der Unterschied zwischen Zensur im Kommunismus und Autorisierung im Kapitalismus liegen?&#8220; Dieser Frage folgt -in ganz typischer Heimannscher Manier &#8211; folgende Bemerkung: &#8222;Wer sich an das Absurde gew\u00f6hnt hat, findet sich in unserer Zeit gut zurecht&#8220;, so das Urteil des franz\u00f6sisch-rum\u00e4nischen Literaten E. Ionesco.<br \/>\nNat\u00fcrlich herrscht in Deutschland Meinungsfreiheit. Jeder darf seine Meinung \u00e4u\u00dfern &#8211; muss aber die Konsequenzen in Kauf nehmen. Typisches Beispiel daf\u00fcr: Auf dem H\u00f6hepunkt seiner Karriere erdreiste sich Philipp Lahm, ein Interview zur Transferpolitik seines bayerischen Klubs zu geben, um dann ohne das Wissen der zust\u00e4ndigen Pressestelle der Ver\u00f6ffentlichung zuzustimmen. Unzensiert, pardon unautorisiert, ist das Interview in der &#8222;S\u00fcddeutschen Zeitung&#8220; erschienen. Die Folge: eine Strafe von 50000 Euro. Lahms vorbildliches Verhalten war und ist die ber\u00fchmte Ausnahme von der Regel. Auf der Strecke bleibt das freie und souver\u00e4ne Wort, das von Moralaposteln, Gesinnungsakrobaten und Tugendw\u00e4chtern unterdr\u00fcckt wird.<br \/>\nEs gibt keinen Weg an der Einsicht vorbei: Egal, ob im Kommunismus oder Kapitalismus &#8211; die allermeisten Journalisten wissen haargenau, was sie schreiben d\u00fcrfen und was nicht.<br \/>\nWas Rohtraut Wittstock beim &#8222;Neuen Weg&#8220; (Der &#8222;Neue Weg&#8220; war das &#8222;Neues Deutschland&#8220; der deutschen Minderheit im kommunistischen Rum\u00e4nien) als Eigenzensur bezeichnete, hie\u00df bei J\u00f6rg Dahlmann Schere im Kopf.<br \/>\nAlso dasselbe. Selbstzensur als Stacheldraht von innen.<br \/>\nDahlmann ist als Sportkommentator unvergesslich, das Duo Netzer-Dahlmann: Unerreichbar. &#8222;Ich habe die Zensurschere im Kopf&#8220;, gestand einstens Dahlmann. &#8222;Aber &#8211; zugegeben &#8211; ich lasse sie oft in der Schublade.&#8220; Was ihm zum Verh\u00e4ngnis wurde, als er w\u00e4hrend einer \u00dcbertragung von einem japanischen Bundesligaspieler aus dem &#8222;Land der Sushis&#8220; gesprochen hat. Sein damaliger Arbeitgeber (Sky) wertete diese Formulierung als Rassismus und feuerte Dahlmann fristlos. Der sympathische und \u00fcberaus popul\u00e4re Reporter verstand die Welt nicht mehr: &#8222;Land der Sushis als Pseudonym f\u00fcr Japan ist \u00e4hnlich wie Land der Fjorde f\u00fcr Norwegen. Einige Leute haben daraus einen rassistischen Hintergrund gebastelt. Dass sich manch einer dem Diktat dieser Hasser beugt, macht mich sehr traurig. Es ist ein Sieg &#8222;sozialer Hater&#8220; \u00fcber den freien Journalismus.&#8220; Vierzig Jahre Kommentatorent\u00e4tigkeit waren mit einem Schlag zu Ende.<br \/>\nSprachverbote und Zensur vergiften die geistige Atmosph\u00e4re. Die politische Korrektheit f\u00fchrt mitnichten zu mehr Offenheit und Toleranz, sondern zu Duckm\u00e4usertum, Feigheit und Anpassertum als Vorboten einer ideologiegeschw\u00e4ngerten historischen Epoche.<br \/>\nWenn eine Meinung den Anspruch erhebt, allein wahr zu sein: Das ist Ideologie.<br \/>\nIdeologie l\u00e4sst keine von ihr abweichende Meinung zu. Ideologien wollen Menschen bevormunden und sie in ihrem Geist umerziehen. Sie gaukeln stets vor, im Namen hoher und unumst\u00f6\u00dflich hehrer Ziele zu handeln. S\u00e4mtliche ideologisch transportierten Tendenzen in der Geschichte verfolgten lediglich zwei Ziele: Die Macht \u00fcber die Menschen und die jeweilige Gesellschaft zu erringen und das freie Denken und das freie Wort zu unterdr\u00fccken.<br \/>\nZum essenziellen Wesenskern jedwelcher Ideologie z\u00e4hlen: DIE VERBOTE.<br \/>\nPrincipiis obsta!<br \/>\nUntersch\u00e4tzen wir nicht diese gut bekannte Mahnung eines Gro\u00dfen der antiken Welt!<br \/>\n&#8222;Wehret den Anf\u00e4ngen! Zu sp\u00e4t wird die Medizin bereitet, wenn die \u00dcbel durch langes Z\u00f6gern erstarkt sind.&#8220; (Ovid)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WER SICH AN DAS ABSURDE GEW\u00d6HNT HAT\u00a0&#8230; Der Beruf des Journalisten fu\u00dft unter anderem auf der Suche, der Aufnahme, der Sichtung und der Wiedergabe von Informationen. Manche davon interessant und relevant, andere nicht. Je nach Betrachtungsweise und Perspektive. 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