{"id":3528,"date":"2022-12-12T20:34:44","date_gmt":"2022-12-12T19:34:44","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=3528"},"modified":"2022-12-12T20:34:44","modified_gmt":"2022-12-12T19:34:44","slug":"3528-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2022\/12\/12\/3528-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>Die Fussball-WM ist im vollen Gange.<br \/>\nSie hat holprig begonnen, weil der politische Blickwinkel den fu\u00dfballerisch-sportlichen Moment ins Abseits bef\u00f6rdert hat. Deutschland steht blamiert da. Aber nur fu\u00dfballerisch.<br \/>\nAnsonsten sind die deutschen Spieler (welt)meisterlich, wenn es darum geht, sich f\u00fcr die Vermittlung politischer Inhalte einspannen zu lassen. Erneut blickte die Welt verbl\u00fcfft und etwas verst\u00f6rt auf Deutschland. Schon wieder deutsche Alleing\u00e4nge. Erst recht soll die Welt am deutschen Wesen genesen, das saugt der Deutsche offensichtlich mit der Muttermilch auf. Kleine Anmerkung: Nicht unbedingt &#8222;der Deutsche&#8220;, sondern zu allen Zeiten die jeweils \u00fcber die Deutungshoheit herrschende &#8222;deutsche Elite&#8220;. Man kann nur den Kopf sch\u00fctteln: Diese generations\u00fcbergreifende Anma\u00dfung, stets davon \u00fcberzeugt zu sein, dass man auf der richtigen Seite der Geschichte steht. In den letzten 150 Jahren waren lediglich die gut vier Jahrzehnte zwischen dem totalen Desaster von 1945 und dem Mauerfall 1989, die relativ frei von deutscher Anma\u00dfung waren.<br \/>\nSei es drum.<br \/>\nEigentlich wollte ich den Blick auf ein ganz anderes Ph\u00e4nomen lenken.<br \/>\nEs gibt kaum einen Fu\u00dfballspieler, der nicht t\u00e4towiert ist. Dabei ist unschwer zu erkennen: Es geht nicht um kleinfleckige Kunstwerke. Nein. Bei den allermeisten sind Hals und beide Arme voll t\u00e4towiert, also jene K\u00f6rperteile, die beim Spieler (garantiert fernsehtauglich) gut sichtbar sind. Diese Kunstwerke erf\u00fcllen eine Rolle. Sie vermitteln Botschaften.<br \/>\nUnd sie beschr\u00e4nken sich nat\u00fcrlich nicht nur auf sportliche K\u00f6rper.<br \/>\nIn den postmodernen Gesellschaften, in denen in s\u00e4mtlichen Lebensbereichen K\u00fcnstlichkeit vorherrscht, ist alles, was einen Hauch von Nat\u00fcrlichkeit suggeriert, h\u00f6chst willkommen. Nur ist die moderne Zeitgenossin und freilich auch der Zeitgenosse jedwelcher Nat\u00fcrlichkeit entfremdet. Der K\u00f6rper ist der sichtbarste Leidtragende dieser Entfremdung. Sportliche, kosmetische, chirurgische und schlie\u00dflich digitale Be- und \u00dcberarbeitung des individuellen K\u00f6rpers sind hoch im Kurs.<br \/>\nNirgendwo also ist diese Entfremdung sichtbarer als an den zahllosen entstellten K\u00f6rpern: Entstellt durch Kosmetik und insbesondere durch plastische Chirurgie. Diese moderne K\u00f6rperinszenierungstendenz ist hochgradig aufgesetzt und aus diesem Grunde stets nahe der L\u00e4cherlichkeit.<br \/>\nEine Portion Authentizit\u00e4t versus dieser albernen K\u00fcnstlichkeit versucht der moderne Mensch durch T\u00e4towierung und Piercing zu erzielen.<br \/>\nTattoos und Piercing sind als symbolische Attit\u00fcden der gedanklichen und religi\u00f6sen Urspr\u00fcnglichkeit &#8222;wilder&#8220; V\u00f6lker entsprungen. In unserer europ\u00e4ischen Zivilisation wurden sie dann in fr\u00fcheren Zeiten zum Gedankengut und zur Ausdrucksform sozialer Randgruppen. Diese authentische urw\u00fcchsige Kunst- und Schmucktechnik archaischer V\u00f6lker wirkt auf dem K\u00f6rper unsportlicher und biederer Wohlstandsb\u00fcrger nur noch albern, ja grotesk.<br \/>\nMittels beabsichtigtem Primitivismus soll vordergr\u00fcndig Individualit\u00e4t und Authentizit\u00e4t herbeigezaubert werden.<br \/>\nTattoos und Piercing waren einst gelebte Zeichen von k\u00f6rperlich-erotischer Potenz, von Kampf und Sieg. Sie waren martialische Zeichen von vergangenen, mannhaften Kriegerkasten. Und sie waren unmissverst\u00e4ndlicher Ausdruck kultischer Hervorhebung bin\u00e4rer Geschlechtlichkeit.<br \/>\nUnd jetzt und heute?<br \/>\nSie dienen f\u00fcr degenerierte postmoderne Wohlstandsb\u00fcrger, f\u00fcr Diverse und Tolerante als unzweifelhaft missgl\u00fcckte Mittel einer obsz\u00f6nen Selbstinszenierung.<br \/>\nDer Versuch, das Pers\u00f6nlichste, was ein Individuum besitzt, n\u00e4mlich seinen K\u00f6rper, ganz individuell durch die oben erw\u00e4hnten Kunst- und Schmucktechniken zu gestalten, endet in einer stumpfsinnigen Normierung.<br \/>\nUnd eben diese nivellierende Normierung f\u00fchrt letztendlich zu dem Verlust jener einmaligen Identit\u00e4t, die es attestieren und beglaubigen soll. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Fussball-WM ist im vollen Gange. Sie hat holprig begonnen, weil der politische Blickwinkel den fu\u00dfballerisch-sportlichen Moment ins Abseits bef\u00f6rdert hat. Deutschland steht blamiert da. 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