{"id":2820,"date":"2020-11-25T18:26:06","date_gmt":"2020-11-25T17:26:06","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=2820"},"modified":"2020-11-25T18:26:06","modified_gmt":"2020-11-25T17:26:06","slug":"2820-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2020\/11\/25\/2820-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>Der gro\u00dfe Blonde im Wei\u00dfen Haus ist ergraut. Von Gram verzehrt.<br \/>\nSo wollen uns die Medien weismachen. Es k\u00f6nnte tats\u00e4chlich was dran sein.<br \/>\nGame over.<br \/>\nSeine Hinterlassenschaft ist ein blutendes Land, eine besch\u00e4digte Demokratie, eine unklare Zukunft.<br \/>\nEr war kein kluger Boss: Klug sein bedeutet unter anderem die Wahrheit so auszusprechen, dass sie nicht zerst\u00f6rt, sondern aufbaut. Es ist vielen von uns bewusst: Der gro\u00dfe Blonde ist nicht die Ursache des Niedergangs demokratischer Usancen, sondern die unmittelbare Folge davon.<br \/>\nDemokratisches Selbstverst\u00e4ndnis war und ist ein zartes Pfl\u00e4nzchen. Es wurde im Laufe der Geschichte oft zertreten, herausgerissen und auch verbrannt. Indes: Bis dato ist dieses zarte Gesch\u00f6pf nicht totzukriegen.<br \/>\nUnd das wird eine Weile auch so bleiben. Gleichwohl: Risiken und Bedrohungen sind an allen Ecken und Enden auszumachen. Eine der wirkm\u00e4chtigen Gefahren lauert aber im Bereich des Individuellem schlechthin. Sozusagen im Herzen eines jeden von uns.<br \/>\nIn einer Demokratie bestimmen wir alle, wie demokratisches Selbstverst\u00e4ndnis letztendlich zum Ausdruck kommt. Wie das so immer\u00a0 in der Geschichte gewesen ist: wenn der Mensch sich zur entscheidenden Instanz und dem allein g\u00fcltigen Ma\u00dfstab aufschwingt, wird alles, auch dieses Selbstverst\u00e4ndnis, seines edlen urspr\u00fcnglichen Innersten beraubt.<br \/>\nDer Begriff Demokratie n\u00e4mlich hat ein nicht zu untersch\u00e4tzendes pseudonymisches Potenzial. Er ist eigentlich eine Deckbezeichnung f\u00fcr Strukturen der kalten Machtaus\u00fcbung, die man sofort verwerflich f\u00e4nde, wenn man sie beim wahren Namen riefe. Als da w\u00e4ren: Plutokratie, Phobokratie, Fiskokratie und insbesondere Oligokratie. Letzterer Begriff ist das gro\u00dfe Betriebsgeheimnis politischer Strukturen, die sich als demokratisch ausgeben. &#8222;Hoi Oligoi&#8220; hei\u00dfen im Altgriechischen die wenigen.<br \/>\nDie Welt &#8211; daran ist nicht zu deuteln &#8211; war und ist oligokratisch organisiert, sie geh\u00f6rt den wenigen, nicht den vielen. Demokratien machen da keine Ausnahme.<br \/>\nDer gro\u00dfe Blonde hat das wie kaum ein anderer Zeitgenosse verinnerlicht und in die politische Realit\u00e4t umgesetzt.<br \/>\nUnter seinem Regiment hat das zarte Pfl\u00e4nzchen ma\u00dflos gelitten. Die Zukunft des Pfl\u00e4nzchens steht auf der Kippe. Nichtsdestotrotz: Auf die Selbstheilungskr\u00e4fte demokratischer Gesinnung ist jedenfalls (noch!) Verlass. Man kann das allerdings auch anders interpretieren. N\u00e4mlich zynisch:<br \/>\nPolitik war und ist in den meisten Gesellschaften und zu allen Zeiten ein Sumpf. Bekanntlich l\u00e4sst das Ph\u00e4nomen Sumpf abrupte Bewegungen seltenst zu&#8230;<br \/>\nDemokratische Gesinnung lebt wie so vieles im menschlichen Dasein vom Prinzip des Trial-and-Error. Sie ist dazu verurteilt, sich permanent zu ver\u00e4ndern, ansonsten droht das Versinken in Ritualen. Demokratie lebt von der Rechtstreue und Disziplin ihrer B\u00fcrger. Noch mehr aber von ihrer Frustrationstoleranz.<br \/>\nWas den gro\u00dfen Blonden anbelangt:<br \/>\nHoffentlich taucht er f\u00fcr immer ein in die milde D\u00e4mmerung der Geschichte.<br \/>\nUnd wir alle, die ihn erlebt haben, werden ihn wom\u00f6glich nur in einem etwas skurrilen Kontext in Erinnerung behalten:<br \/>\nIm Zusammenhang mit dem zeitlosen Charme der Dummheit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der gro\u00dfe Blonde im Wei\u00dfen Haus ist ergraut. Von Gram verzehrt. So wollen uns die Medien weismachen. Es k\u00f6nnte tats\u00e4chlich was dran sein. Game over. Seine Hinterlassenschaft ist ein blutendes Land, eine besch\u00e4digte Demokratie, eine unklare Zukunft. 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