{"id":2792,"date":"2020-10-31T17:25:40","date_gmt":"2020-10-31T16:25:40","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=2792"},"modified":"2020-10-31T17:25:40","modified_gmt":"2020-10-31T16:25:40","slug":"2792-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2020\/10\/31\/2792-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>MAUERN EINREISSEN<\/p>\n<p>&#8222;In der linken Xenophilie \u00e4u\u00dfert sich weniger der Gedanke der Toleranz als der verklemmte deutsche Selbstha\u00df, der den Fremden nur deshalb willkommen hei\u00dfe, damit sich die Verh\u00e4ltnisse endlich in der ber\u00fchmten faschistoiden Kenntlichkeit zeigten.&#8220; (frei nach Botho Strau\u00df)<br \/>\nDas Zitat ist willk\u00fcrlich gew\u00e4hlt: Es ist mir sozusagen \u00fcber den Weg gelaufen.<br \/>\nDas Thema ist aber ein Dauerrenner und von hartn\u00e4ckiger Aktualit\u00e4t. Welche sind die roten F\u00e4den des deutschen Selbstverst\u00e4ndnisses der letzten 70 Jahre?<br \/>\nUferlos, endlos und unbegrenzbar ist dieses Thema. Es ist ein weites geistiges Feld, woran sich unz\u00e4hlige kluge K\u00f6pfe abgearbeitet haben.<br \/>\nEin neues gesellschaftliches Ph\u00e4nomen ist in der westlichen und entsprechend auch in der deutschen Welt zu verzeichnen: Bilderst\u00fcrmer und Denkmalvernichter.<br \/>\nZerst\u00f6ren. Erinnerung ausradieren. B\u00fcrger getrieben von hehren Weltverbesserungs\u00fcberzeugungen und -fantasien.<br \/>\nNat\u00fcrlich darf sich jede Generation an Vergangenem und vermeintlich Verbl\u00fchtem abarbeiten. Aber jene, die w\u00fcten und zerst\u00f6ren, m\u00fcssen sich den Folgen ihres Handelns stellen: Jede Zerst\u00f6rung, jede noch so unbedeutende, revolution\u00e4re Handlung wirkt destabilisierend, r\u00fcttelt an Grundfesten, die von vergangenen Generationen m\u00fchsam errichtet und verteidigt wurden. Solche Aktionen richten oft mehr Schaden an, als vermeintlich augenf\u00e4llige Missst\u00e4nde behoben werden.<br \/>\nIch kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Rufe immer schriller werden, die eine radikale Unterh\u00f6hlung s\u00e4mtlicher stabilisierender Traditionen verlangen. Ja, das ewige Motiv: Tradition. Allein schon der Begriff, bar jeden Inhalts, war und ist f\u00fcr s\u00e4mtliche jungen Generationen ein tiefrotes Tuch. Es gab wohl nie, in keiner Epoche, eine Jugend, die in der Tradition ein Bewahren einer lodernden Flamme statt der Anbetung von erkalteter Asche gesehen h\u00e4tte.<br \/>\nIn einem lediglich verhaltenen Ton gebe ich zu Bedenken: Hinter den Mauern, die unsere Ahnen &#8211; alle Ahnen, nicht nur die deutschen &#8211;\u00a0 in ihrer Weisheit errichtet haben, warten wom\u00f6glich mehr Schrecken, als wir absehen k\u00f6nnen. Nichts ist so popul\u00e4r, wie das Einrei\u00dfen von Mauern. Jede Generation tut das auf eigene Gefahr: nach dem Vorgang des Zerst\u00f6rens gleitet man oft ahnungslos \u00fcber d\u00fcnnes Eis, doch unter der kaum tragf\u00e4higen d\u00fcnnen Schicht, im kalten dunklen Wasser, lauern die Monster.<br \/>\nEs f\u00e4llt den Deutschen seit dem Ende der 50-er Jahre des vorigen Jahrhunderts nicht schwer, Mauern einzurei\u00dfen. Dabei ist keineswegs die ber\u00fchmteste aller Mauern der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhundert gemeint. Wenn die Deutschen Spuren des Alten sehen, bereitet es ihnen sofort Unbehagen.<br \/>\n&#8222;Die Deutschen haben nach 1945 eine Geschichtskultur der<strong> befreienden Abkehr<\/strong> entwickelt. Sie sind nun immer gegen Militarismus und Autoritarismus. Die meisten anderen Gesellschaften haben eine Kultur der <strong>affirmativen<\/strong> <strong>Erinnerung<\/strong>&#8220; schreibt Andreas R\u00f6dder, einer der oben erw\u00e4hnten zeitgen\u00f6ssischen klugen K\u00f6pfe.<br \/>\nUnd es hei\u00dft bei ihm weiter: &#8222;Die Rechte leidet am Identit\u00e4tswechsel der Deutschen und versucht, ihn r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen. Die andere Seite, die moralisierende Linke, treibt die &#8222;Therapie&#8220; durch vollst\u00e4ndige Abkehr von der eigenen Tradition immer weiter. &#8222;Nie wieder Deutschland&#8220;. Wer das sagt, radikalisiert diese deutsche Tradition des Identit\u00e4tswandels. Es gibt eine deutsche Mitte, die sprachlos ist und die Hosen voll hat. Sie steht zwischen der Sakralisierung der Diversit\u00e4t der Linken und der Sehnsucht nach Homogenit\u00e4t auf der rechten gesellschaftlichen Seite&#8220;.<br \/>\nDa ist was dran an dem Bonmot:<br \/>\nDen ganzen \u00c4rger macht nicht das, was wir nicht wissen, sondern das, was wir sicher zu wissen glauben, obwohl es gar nicht zutrifft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>MAUERN EINREISSEN &#8222;In der linken Xenophilie \u00e4u\u00dfert sich weniger der Gedanke der Toleranz als der verklemmte deutsche Selbstha\u00df, der den Fremden nur deshalb willkommen hei\u00dfe, damit sich die Verh\u00e4ltnisse endlich in der ber\u00fchmten faschistoiden Kenntlichkeit zeigten.&#8220; (frei nach Botho Strau\u00df) Das Zitat ist willk\u00fcrlich gew\u00e4hlt: Es ist mir sozusagen \u00fcber den Weg gelaufen. 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