{"id":2294,"date":"2019-08-29T21:09:31","date_gmt":"2019-08-29T19:09:31","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=2294"},"modified":"2019-08-29T21:09:31","modified_gmt":"2019-08-29T19:09:31","slug":"2294-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2019\/08\/29\/2294-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>Vielen ist der Ausspruch &#8222;Geschichte wiederholt sich nicht&#8220; wohlbekannt. Ich konnte diesem Satz nie ohne Abstriche beipflichten, das habe ich auch immer wieder in fr\u00fcheren Beitr\u00e4gen so unterstrichen.<br \/>\nIn der Geschichte erkenne ich unschwer rote F\u00e4den: eigen sind solchen roten F\u00e4den eine gewisse nat\u00fcrliche Kontinuit\u00e4t sowie eine nicht zu ignorierende Wiederholungsneigung einzelner historischer Abl\u00e4ufe.<br \/>\nHeute ist der Nahe und Mittlere Osten wieder einmal im Fokus der Weltpolitik. Allerdings sollte man sich bewu\u00dft machen, dass diese Gebiete nicht zum ersten Mal im Mittelpunkt des Weltgeschehens stehen. Sie standen bereits einige Jahrhunderte vor Christi Geburt im Brennpunkt der damaligen noch recht bescheidenen Weltgeschichte. Und jedes Mal betrafen diese weltbewegenden Ereignisse auch das zahlenm\u00e4\u00dfig unbedeutende j\u00fcdische Volk, bei dem ein\u00a0 roter, ja sogar dunkelroter Geschichtsfaden mehr als offensichtlich zu Tage tritt.<br \/>\nGewiss: thematisch ist das ein \u00fcberaus heisses Eisen. Man erleidet leicht Brandwunden, wenn man sich der Geschichte dieses hei\u00dfen Eisenst\u00fcckes widmet.<br \/>\nIch nehme sie in Kauf.<br \/>\nBevor Griechen und vor allem R\u00f6mer es in drei Jahrhunderten geschafft haben, den j\u00fcdischen Staat auszul\u00f6schen und nahezu die Gesamtheit des Volkes in alle Himmelsrichtungen zu zerstreuen, war Babylon ca. ein halbes Jahrtausend fr\u00fcher an der gleichen Stelle mit sehr \u00e4hnlichen Ambitionen. Geographisch und grob geopolitisch gesehen erstreckte sich der Kern des babylonischen Reiches auf dem jetzigen Gebiet des Iraks sowie Teile des heutigen westlichen Irans. Babylon l\u00f6ste gut 600 Jahre v.Ch. die \u00e4gyptische Oberhoheit \u00fcber jene Gebiete ab, die in unseren Zeiten von Israel, Libanon, Jordanien und Syrien eingenommen werden. Zweifelsohne: ein m\u00e4chtiges Reich.<br \/>\nDas j\u00fcdische Volk wagt einen zaghaften Widerstand, der von den Babylonier dazu genutzt wird, s\u00e4mtliche Landstriche zu verw\u00fcsten und etliche Tausend Juden nach Babylon &#8222;zu verfrachten&#8220;. Diese erste Verbannung entfacht bei den Juden einen noch st\u00e4rkeren Widerstandswillen, der nat\u00fcrlich erneut gebrochen wird. Der gro\u00dfe Nebukadnezar r\u00fcckt pers\u00f6nlich heran und l\u00e4\u00dft das Land systematisch verw\u00fcsten. Viel Volk flieht &#8222;hinauf&#8220; nach Jerusalem. Im Winter des Jahres 587 v.Ch. wird Jerusalem eingeschlossen. Eine grauenhafte Hungersnot bricht aus. Monate sp\u00e4ter f\u00e4llt die Stadt. Sinnloses Morden und Hinrichtungen \u00fcberall. Alles Volk, soweit es zu greifen ist, wird nach Babylon verschleppt. Vier Tage dauert die anschlie\u00dfende Zerst\u00f6rung Jerusalems: H\u00e4user, Tempel, Pal\u00e4ste werden verbrannt. Stadt und Land: ein Tr\u00fcmmerhaufen. Elegien, dem Propheten Jeremia zugeschrieben, weinen \u00fcber diesen Untergang. Noch heute, gut 2500 Jahre sp\u00e4ter, werden diese Elegien am 9. Ab, den Tischa be`Ab, in den Synagogen der Welt gebetet. (Ganz nebenbei: welches uns bekannte Volk hat ein solches oder zumindest \u00e4hnliches Geschichtsbewusstsein?)<br \/>\nZur\u00fcck nun zum Schicksal des j\u00fcdischen Volkes: ihr Staat ist vernichtet, Hauptstadt und Tempel in Tr\u00fcmmer. Das Land entv\u00f6lkert und ver\u00f6det. Die noch lebenden Menschen gefangen, vermindert, zersprengt.<br \/>\nNichts ist mehr da. Und doch ist noch ALLES da: die geistige Kraft.<br \/>\nUnd abermals und auch dieses Mal ganz nebenbei: hierin liegt eindeutig seit gut 3000 Jahren der sehr individuelle rote Faden der Geschichte des j\u00fcdischen Volkes.<br \/>\nDieser Faden ist in der Zeit der schicksalhaften Begegnung der r\u00f6mischen Zivilisation mit der j\u00fcdischen Welt auch gut erkennbar. Es geschieht bekannterweise ganz was \u00c4hnliches. Das Ende dieses Zusammensto\u00dfes hat der bekannte Historiker Theodor Mommsen so zusammengefasst: &#8222;Wenn die Legionen Jerusalem zerst\u00f6ren konnten, das Judentum selbst konnten sie nicht zerst\u00f6ren.&#8220; Klar erkennbar ist auch in diesem Falle die eingangs erw\u00e4hnte Wiederholungsneigung historischer Abl\u00e4ufe.<br \/>\nSo reiht sich in die keineswegs automatische oder gesetzm\u00e4\u00dfige aber doch auff\u00e4llige Neigung auch die jetzige geopolitische und milit\u00e4risch-strategische Situation ein, die sich in den letzten Jahren im Nahen und Mittleren Osten herausgebildet hat. Nat\u00fcrlich kann man die geopolitische Gro\u00dfwetterlage von heute in dieser Region mit jener zur Zeit Nebukadnezars nicht wirklich miteinander vergleichen.<br \/>\nUnd trotzdem: die T\u00f6ne aus jenen Gebieten, die einst Babylon beherrschte, insbesondere aber aus der Hauptstadt eines sp\u00e4ter entstandenes m\u00e4chtigen Reiches in dieser Region, in Richtung Israel, sind mit dem Geist, aus dem heraus Nebukadnezar dann zur Tat schritt, nicht wesentlich wesensfremd. Das m\u00e4chtige und milit\u00e4risch enorm starke babylonische Reich &#8222;verspeiste&#8220; gen\u00fcsslich das zahlenm\u00e4\u00dfig kleine und milit\u00e4risch l\u00e4cherlich schwache j\u00fcdische Volk. Der Geist, der damals Babylon leitete, ist seit einer ganzen Weile wieder in dieser Weltregion\u00a0 pr\u00e4sent.<br \/>\nHeute, 2500 Jahre sp\u00e4ter, gestaltet sich die Situation indes anders. Die &#8222;Nachkommen&#8220; Nebukadnezars und insbesondere die des anderen gro\u00dfen Reiches ostw\u00e4rts des Euphrat und Tigris w\u00e4ren gut beraten, dem S\u00e4belrasseln keine Taten folgen zu lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielen ist der Ausspruch &#8222;Geschichte wiederholt sich nicht&#8220; wohlbekannt. Ich konnte diesem Satz nie ohne Abstriche beipflichten, das habe ich auch immer wieder in fr\u00fcheren Beitr\u00e4gen so unterstrichen. In der Geschichte erkenne ich unschwer rote F\u00e4den: eigen sind solchen roten F\u00e4den eine gewisse nat\u00fcrliche Kontinuit\u00e4t sowie eine nicht zu ignorierende Wiederholungsneigung einzelner historischer Abl\u00e4ufe. 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