{"id":2258,"date":"2019-08-04T17:44:06","date_gmt":"2019-08-04T15:44:06","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=2258"},"modified":"2019-08-04T17:44:06","modified_gmt":"2019-08-04T15:44:06","slug":"2258-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2019\/08\/04\/2258-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>So genau wei\u00df ich nicht mehr, wann alles begonnen hat.<br \/>\nAu\u00dfer Frage steht aber, dass Berlusconi zu den ersten seiner Zunft geh\u00f6rte, der dem bis dahin weitestgehend ernsthaft betriebenen Politgesch\u00e4ft das Seichte des Showbusiness aufoktroierte. Man schmunzelte \u00fcber den kleinen Italiener, \u00fcber seine \u00f6ffentlichen Auftritte. Man verzieh ihm seine zum Fremdsch\u00e4men tauglichen Eskapaden. Das politische Gesch\u00e4ft, bis dahin von Konventionen durchdrungen, erfuhr durch Berlusconi eine von nicht wenigen fast wohltuend empfundene Auflockerung.<br \/>\nViele Jahre sp\u00e4ter geht uns ein Licht auf. Berlusconi verk\u00f6rperte die Morgenr\u00f6te eines neuen Politikverst\u00e4ndnisses. Die berlusconische Art, Politik zu gestalten, ist heute so gut wie Normalit\u00e4t. Der gro\u00dfe Blonde aus \u00dcbersee trampelt und twittert seit drei Jahren s\u00e4mtliche mehr oder weniger sinnvollen Verhaltensregeln ernsthafter Politik nieder. Auch der italienische M\u00f6chtegerndiktator Salvini wirbelt mit schauspielerischem Talent ebenfalls viel Staub auf, genau so wie es vor ihm der echte Schauspieler Beppe Grillo getan hat.<br \/>\nEs nimmt \u00fcberhand: das politische Geschehen als Show zu inszenieren. Offensichtlich war Berlusconi seiner Zeit einige Jahre voraus. Peu \u00e1 peu kriegen sowohl die ungefestigten als auch die gefestigten Demokratien einen neuen politischen Anstrich. Das Ernsthafte in der Politik ist nicht mehr wirklich gefragt. In einem der gr\u00f6\u00dften osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern spielt ein Schauspieler mit Bubigesicht in einer erfolgreichen Fernsehserie die Rolle seines Lebens: die des Staatspr\u00e4sidenten. Und ehe er sich\u00b4s versieht, wird er bei der n\u00e4chstbesten Gelegenheit vom Volke mit \u00fcberw\u00e4ltigender Mehrheit\u00a0 zum wahrhaftigen Pr\u00e4sidenten des Landes gew\u00e4hlt. Es ist wie im M\u00e4rchen: \u00fcberaus wohltuend f\u00fcr die Volksseele.<br \/>\nNun hat es auch die ehrw\u00fcrdigste Demokratie der Welt erwischt: einen am\u00fcsanteren Premierminister als Big Boris haben die Briten &#8211; zumindest die letzten drei Jahrhunderte &#8211; gewi\u00df nicht gehabt. Ein rechter Clown soll er sein, der Trump Europas. Ein Kasper also. Seine Partei hat ihn mit bemerkenswerter Mehrheit zum Leader gew\u00e4hlt. Man w\u00fcrde meinen, es stimmt alles hinten und vorne nicht. Oder doch?<br \/>\nTrends, die zuerst in den USA in Erscheinung treten, tauchen regelm\u00e4\u00dfig mit etwas Verz\u00f6gerung\u00a0 in Europa auf. So wie vielen US-Amerikanern geht der aalglatte Politikbetrieb der letzten Jahrzehnte auch manchen Europ\u00e4ern so ziemlich auf den Senkel. Europas B\u00fcrger suchen etwas, was einen Hauch von Authentizit\u00e4t\u00a0 verspricht. Sie \u00fcbertragen politische Verantwortung an Personen, die auf Sprachregelungen und politische Korrektheit pfeifen. Im Falle des tolpatschig wirkenden Boris J. auch an eine Person mit erfrischendem Humor und ungek\u00fcnstelter Selbstironie.<br \/>\nSomit bewegt sich Europa weg vom &#8222;demokratischen Heldenepos&#8220;, das dem franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten vorschwebt. Alles erinnert ein wenig an einen anderen Briten: Thomas Carlyle, von Haus aus Historiker und Philosoph, der schon vor nahezu 200 Jahren folgendes festhielt:<br \/>\n&#8222;Die Demokratie ist die Verzweiflung dar\u00fcber, dass es keine Helden gibt, die dich regieren; und Befriedigtsein dar\u00fcber, dass man sich mit ihrem Fehlen abfinden mu\u00df.&#8220;<br \/>\nMacrons Ruf nach dem demokratischen Heldenepos ist bereits Ausdruck des aufkommenden Gef\u00fchls von Gram. Der recht altert\u00fcmliche Begriff Gram ist zu Unrecht aus unserem Wortschatz verschwunden. Leid und Betr\u00fcbnis, Last und Tr\u00fcbsal sind allesamt eng verwobene Bausteine im \u00dcberbegriff Gram.<br \/>\nPolitiker der alten Schule haben allen Grund, sich zu gr\u00e4men: die Infantilisierung der Politik schreitet in den westlich gepr\u00e4gten Demokratien mit deutlich erkennbaren Schritten voran. Deutschland ist davor auch nicht gefeit.<br \/>\nAls einer, der in Franken lebt, pl\u00e4diere ich folgerichtig daf\u00fcr, dass bei k\u00fcnftig anstehenden Wahlen Volker Hei\u00dfmann als bayerischer Ministerpr\u00e4sident ernsthaft in Betracht gezogen werden soll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So genau wei\u00df ich nicht mehr, wann alles begonnen hat. Au\u00dfer Frage steht aber, dass Berlusconi zu den ersten seiner Zunft geh\u00f6rte, der dem bis dahin weitestgehend ernsthaft betriebenen Politgesch\u00e4ft das Seichte des Showbusiness aufoktroierte. Man schmunzelte \u00fcber den kleinen Italiener, \u00fcber seine \u00f6ffentlichen Auftritte. Man verzieh ihm seine zum Fremdsch\u00e4men tauglichen Eskapaden. 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