{"id":2166,"date":"2019-05-30T12:34:22","date_gmt":"2019-05-30T10:34:22","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=2166"},"modified":"2019-05-30T12:34:22","modified_gmt":"2019-05-30T10:34:22","slug":"2166-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2019\/05\/30\/2166-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>In jenen Staaten, wo demokratische Verh\u00e4ltnisse relativ jung sind, &#8211; historisch also weniger als 10 Generationen auf dem Buckel haben &#8211; hat die Demokratie geschichtsphilosophisch gesehen geringe Chancen, sich &#8222;ewig&#8220; zu halten.<br \/>\nDemokratische Gepflogenheiten m\u00fcssen &#8222;ins Blut&#8220; \u00fcbergehen. So wie bei den Engl\u00e4ndern. Ich bin \u00fcberzeugt: das, was wir mit dem Brexit im englischen Parlament seit Monaten erleben, ist zu einem Drittel Polittheater. Es wird eine Show abgezogen. Aber die restlichen zwei Drittel sind unverf\u00e4lschtes demokratisches Gebaren. Wenn also demokratieaffine Gesinnung nicht ins Blut \u00fcbergeht, f\u00fchren dem System innewohnenden geistigen Verwerfungen zu einer unausweichlichen Erstarkung sowohl der extremen linken als auch der extremen rechten Flanke.<br \/>\nAuthentische demokratische Verh\u00e4ltnisse werden sich in Osteuropa in absehbarer Zeit nicht herausbilden.<br \/>\nIn Westeuropa sind antidemokratische Tendenzen f\u00fcr alle gut sichtbar auf dem Vormarsch. Ab einer bestimmten geschichtlichen Entwicklungsstufe \u00fcberfordert die Demokratie\u00a0 mehr Menschen, als sie gl\u00fccklich macht. Das demokratische Miteinander setzt ein hohes Ma\u00df an diszipliniertem Verhalten voraus: unter anderem ein sich Zur\u00fccknehmen in vielen Belangen zugunsten der Mehrheit. Zugunsten der ANDEREN. Je \u00e4lter die (noch nicht wirklich ins Blut vorgedrungene) Demokratie wird und je machtvoller \u00e4u\u00dfere unvorhergesehene Ereignisse das Staatsgef\u00fcge strapazieren, umso mehr erodiert das systemtragende disziplinierte Verhalten der Einzelnen.<br \/>\nHier m\u00fc\u00dfte eine konsequent unnachgiebige Verfolgung klarer, unzweideutiger Bildungsideale einsetzen. Das alles ist heute in unserer Heimat &#8211; darunter verstehe ich die westeurop\u00e4ischen Landstriche &#8211; eindeutig nicht vorhanden und gar nichts deutet auch nur ansatzweise in eine Richtung der Erneuerung, einer gutgemeinten R\u00fcckbesinnung oder \u00fcberhaupt eines Ernstnehmens des Problems.<br \/>\nNun eine Bemerkung zu Deutschland: zum einen driftet die Gesellschaft auseinander, die Mitte d\u00fcnnt aus. Zum anderen erstarken naturgem\u00e4\u00df die R\u00e4nder. Die R\u00e4nder, die offenbar schon gar keine R\u00e4nder mehr sind. Die Gr\u00fcnen und die AfD haben die Deutungshoheit der R\u00e4nder an sich gezogen. Es deutet sich an, dass k\u00fcnftig eine dieser Parteien in unserem Lande eine gewichtige politische Rolle zugewiesen bekommt.<br \/>\nLiberale Ordnungen sind letztendlich wider die menschliche Natur, weil die Menschen zuallererst Ordnung und Sicherheit suchen. Zu keiner Zeit und in keiner Gesellschaft verschwindet das Verlangen nach einer starken Hand, die diese Sehns\u00fcchte befriedigen k\u00f6nnte. Auch dann nicht, wenn Rechte und Freiheiten beschnitten werden. Schlie\u00dflich darf in diesem Zusammenhang die Tatsache nicht unerw\u00e4hnt bleiben, dass sich der Glaube als pure Illusion herausgestellt hat, dass\u00a0 wachsender Wohlstand ein automatisches Bed\u00fcrfnis nach Demokratie heraufbeschw\u00f6rt.<br \/>\nVorausschauend und nur von einer streng liberalen Warte aus gesehen ist es relativ Schnuppe, welcher der oben erw\u00e4hnten Parteien die entscheidende politische Rolle zufallen wird: wir d\u00fcrfen jetzt schon davon ausgehen, dass damit Zeiten des Abgesangs auf demokratisches Leben und liberales Denken eingel\u00e4utet werden.<br \/>\nTotalit\u00e4re Momente &#8211; gewi\u00df, anf\u00e4nglich harmlos als Wolf im Schafspelz daher kommend &#8211;\u00a0 sind als Prinzip des politischen Machtbegriffs und des politischen Gestaltungswillens beiden Parteien, den Gr\u00fcnen und der AfD, inh\u00e4rent.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In jenen Staaten, wo demokratische Verh\u00e4ltnisse relativ jung sind, &#8211; historisch also weniger als 10 Generationen auf dem Buckel haben &#8211; hat die Demokratie geschichtsphilosophisch gesehen geringe Chancen, sich &#8222;ewig&#8220; zu halten. 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