{"id":2051,"date":"2019-03-02T17:03:22","date_gmt":"2019-03-02T16:03:22","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=2051"},"modified":"2019-03-02T17:03:22","modified_gmt":"2019-03-02T16:03:22","slug":"2051-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2019\/03\/02\/2051-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Der Untergang der westlichen Mittelschicht ist das gro\u00dfe schmutzige Geheimnis der Globalisierung.&#8220;<br \/>\nDer Satz stammt aus der Feder eines Franzosen: Christoph Guilluy.<br \/>\nAuffallend: es gibt &#8211; soweit mir bekannt &#8211;\u00a0 keine deutschen \u00dcbersetzungen seiner B\u00fccher. Hm&#8230;Und seine Thesen sind provokant. Er bezieht sich in seinen Werken auf die jetzigen Verh\u00e4ltnisse in der franz\u00f6sischen Gesellschaft. Das Meiste ist mit unbedeutenden Abstrichen auf ganz Westeuropa \u00fcbertragbar.<br \/>\nDie westeurop\u00e4ischen Gesellschaften sind unter den Auswirkungen der Globalisierung im Zerfall begriffen, weil die kosmopolitisch und postnational denkende Elite nur noch herablassend-sp\u00f6ttisch auf die Mittelschicht herabschaut. Insbesondere auf die untere Mittelschicht. Diese soziale Schicht h\u00e4lt sich mitunter krampfhaft an den Werten des Nationalstaats, sie ist eher immigrationskritisch, dabei wird von der Oberschicht der Versuch unternommen, durch die entfernt an Orwell erinnernde politische Korrektheit sie sprachlos, ja mundtot zu machen.<br \/>\nOhne der Mittelschicht fehlt der Klebstoff, der die Gesellschaft zusammenh\u00e4lt. Den augenscheinlichen Hinweis auf diesen Zerfall bietet uns der Niedergang des traditionellen Parteiensystems in nahezu s\u00e4mtlichen L\u00e4ndern Westeuropas. In Frankreich hat ein Funke Massen ohne aber vor allem mit gelben Westen in Wallung gebracht. Eine disparate Masse hat die Stra\u00dfen besetzt, eine Masse ohne Klassenbewu\u00dftsein, ohne Organisation, auch ohne wirkliche F\u00fchrung. Der Demos. Dieser Demos wird von den Eliten str\u00e4flich untersch\u00e4tzt.<br \/>\nAuch in Deutschland. Die Stra\u00dfe war und ist nicht der Ort des deutschen politischen Aufbegehrens. Aber viele in unserem Lande sp\u00fcren intuitiv, dass sich die Gesellschaft spaltet, und wenn der Gegensatz zwischen Populismus und Elitismus un\u00fcberbr\u00fcckbar wird, dann droht fr\u00fcher oder sp\u00e4ter die Aufl\u00f6sung der Gesellschaft. In unserem Lande gibt es, allen voran in den Gro\u00dfst\u00e4dten, eine Oberschicht, die die kulturelle Hegemonie aus\u00fcbt und \u00fcber die soziale, politische und wirtschaftliche Deutungshoheit verf\u00fcgt. Diese Elite ist seit Jahren im Begriff, die anderen da unten, den unteren Teil der alten Mittelschicht abzustempeln: die Uninformierten, die Bornierten, die Unaufgekl\u00e4rten. Die Populisten halt. Die kosmopolitischen Eliten beleidigen unentwegt die eigene Bev\u00f6lkerung. Die werden als &#8222;Pack&#8220; abgestempelt, im Franz\u00f6sischen &#8222;les deplorables&#8220;. Die Beklagenswerten. Die Erb\u00e4rmlichen. Diese Elite &#8222;bunkert&#8220; sich kulturell ein, sie versucht sich den Zw\u00e4ngen, die ihr der Nationalstaat noch auferlegt &#8211; auch im Sinne gesamtgesellschaftlicher Verantwortung &#8211; zu entziehen, indem sie sich mit transnationalem Gedankengut identifiziert. Und diese Oberschicht ist folgerichtig im Begriff, einen historisch fundamentalen Fehler zu begehen: diese &#8222;Abgeh\u00e4ngten&#8220;, insbesondere auch quantitativ, zu untersch\u00e4tzen. Die noch intakte zusammen mit der bereits abgeh\u00e4ngten unteren Mittelschicht bilden gewi\u00df die Mehrheit noch, und es wird auf Dauer nicht funktionieren, was definitionsgem\u00e4\u00df nicht funktionieren kann: eine Demokratie ohne Volk.<br \/>\nWoran erkennt man nun die ersten Anzeichen einer gef\u00e4hrlichen gesellschaftlichen Spaltung? Die sich selbst zur f\u00fchrenden Elite Ernannten &#8222;verschanzen&#8220; sich in St\u00e4dten, wo der Quadratmeter Wohnfl\u00e4che von gef\u00fchlt unter 10 Prozent der Bev\u00f6lkerung bezahlt werden kann. Zu Recht macht Guilluy darauf aufmerksam, dass die von diesen Eliten propagierten &#8222;offene Gesellschaften&#8220; die gr\u00f6\u00dften Fake News der letzten zwei Jahrzehnte sind. Offene Gesellschaften f\u00fcr die Oberschicht, ja! Die Angeh\u00f6rigen dieser Schicht sind bekanntlich \u00fcberall auf der Welt zu Hause.<br \/>\nUnd der Rest?<br \/>\nF\u00fcr die gibt es Angela Merkels &#8222;Wir schaffen das&#8220;. Es ist fast schon m\u00fc\u00dfig, darauf hinzuweisen, dass die Neuank\u00f6mmlinge alles andere denn in die Oberschicht wandern. F\u00fcr ihre Integration sind die Abgeh\u00e4ngten, die Bornierten, die Erb\u00e4rmlichen entscheidend.<br \/>\nUnd genau diese entscheidenden sozialen Schichten werden von den Eliten westlicher Demokratien vergessen &#8211; so Guilluys Meinung, der darin einen Verrat am eigenen Volk sieht.<br \/>\nStarker Tobak. Es sind eher politisch rechts verortete Individuen, die sich solcher Argumentation bedienen.<br \/>\nNur: Guilluy kommt von ziemlich weit links, marxistisches Denken ist ihm alles andere denn wesensfremd.<br \/>\nSahra Wagenknecht und ihre Bewegung &#8222;Aufstehen&#8220; lassen gr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Der Untergang der westlichen Mittelschicht ist das gro\u00dfe schmutzige Geheimnis der Globalisierung.&#8220; Der Satz stammt aus der Feder eines Franzosen: Christoph Guilluy. 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