{"id":1853,"date":"2019-02-15T19:16:39","date_gmt":"2019-02-15T18:16:39","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=1853"},"modified":"2019-02-15T19:16:39","modified_gmt":"2019-02-15T18:16:39","slug":"1853-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2019\/02\/15\/1853-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>Italien ist in der letzten Zeit im Fokus. Im Fokus europ\u00e4ischer Politik. \u00c4hnlich wie vor einigen Jahren Griechenland. Italien ist zum Bad Boy mutiert. Fr\u00fcher l\u00e4chelte man \u00fcber Berlusconis Italien. Heute wird Italien, wegen den politischen Hitzk\u00f6pfen, die jetzt das Sagen haben,\u00a0 fast schon als ein failed state angesehen.<\/p>\n<p>Nun: ich g\u00f6nne mir, als ein aufrichtiger Liebhaber dieses Landes, einige Gedanken dazu zu \u00e4u\u00dfern. Es sind Gedanken, die mich seit einiger Zeit bewegen und sie beziehen sich nur bedingt auf die jetzige politische Konstellation.<br \/>\nItalien war, ist und bleibt ein Sehnsuchtsland. F\u00fcr Engl\u00e4nder und Deutsche sowieso. Mit Italien verbindet jeden aufrichtigen Europ\u00e4er ein tiefes Herkunftsgef\u00fchl: das Bewu\u00dftsein, die pr\u00e4genden Bilder und Begriffe, die Kategorien der Wissenschaft, der Kunst und des geregelten Zusammenlebens von dort zu haben. Und auch das geh\u00f6rt zu Italien: der Mangel an Effizienz und die hohe Kunst der Krisenbew\u00e4ltigung, die oft nicht mehr als Illusionstheater ist.<br \/>\nSelbstredend ist \u00fcber dieses Land unendlich viel geschrieben worden, unz\u00e4hlige B\u00fccher auch in den letzten Jahrzehnten. Es sind einige Gr\u00fcnde, die mich pers\u00f6nlich immer wieder \u00fcber den Brenner f\u00fchren. Eines dieser subjektiv eingef\u00e4rbten Motive liegt in der einmaligen Vergangenheit dieses Landes. Der italienische Stiefel wurde wie kaum ein anderes europ\u00e4isches Land viele dutzende Male von teils unbedeutenden teils nachhaltigen\u00a0 Invasionen heimgesucht.\u00a0 Somit trifft man sp\u00e4testens nach jeder Stra\u00dfenecke auf Historisches. Auf Relikte, die mitunter 2500 Jahre zur\u00fcckreichen und nat\u00fcrlich auf zahllose Spuren des letzten Jahrtausends.<br \/>\nDabei ist Italiens Geschichte von Landschaft zu Landschaft grundverschieden. Was die deutschen Gebiete anbelangt unterscheiden sie sich voneinander in ihrer Entstehungsgeschichte,\u00a0 ihrer Entwicklung und kulturellen Pr\u00e4gung. Die\u00a0 nicht zu \u00fcbersehende Verschiedenheit zwischen Ostfriesland und der Oberpfalz w\u00e4re so ein klassisches Beispiel. Sie ist aber nahezu l\u00e4cherlich gegen\u00fcber des kontrastvollen Unterschieds zwischen Nord- und S\u00fcditalien. Zwischen der Lombardei und Sizilien. Oder Venetien versus Kalabrien. Da sind nun wirklich Welten dazwischen. Diese Regionen haben in Wahrheit nichts Gemeinsames und kaum Verbindendes. Au\u00dfer dem von oben oktroyierten Nationalstaat, der 1860 zustande kam. Viele Stimmen haben damals vor diesem weitreichenden Schritt gewarnt, und die Stimmen, die die italienische Einigung als Humbug betrachten, sind seit 150 Jahren nie wirklich erloschen. Wohlgemerkt: es handelt sich ausschlie\u00dflich um &#8222;italienische Stimmen&#8220;, nicht um fremde.<br \/>\nIm Jahr 1899 schrieb Giustino Fortunato, einer der Kl\u00fcgsten der damaligen politischen Kaste, nicht umsonst habe &#8222;ein anderer, und dieser andere war mein Vater!, gesagt, die Einheit Italiens sei eine S\u00fcnde gegen die Geschichte und gegen die Geographie.&#8220;<br \/>\nZur gleichen Zeit bemerkte ein Piemontese im Gespr\u00e4ch mit dem franz\u00f6sischen Romancier Ren\u00e9 Bazin in eindrucksvoller Bildhaftigkeit: &#8222;Unser Land ist viel zu langgestreckt, Signore. Der Kopf und der Schwanz werden einander nie ber\u00fchren, aber falls doch, wird der Kopf den Schwanz bei\u00dfen.&#8220;<br \/>\nWenn man sich etwas intensiver mit italienischer Geschichte besch\u00e4ftigt , wenn man das Land mit offenen Augen und interessiertem Blick bereist, wird man auch heute immer wieder daran erinnert, dass die vor mehr als 150 Jahren milit\u00e4risch herbeigef\u00fchrte Einigung Italiens wom\u00f6glich tats\u00e4chlich eine S\u00fcnde gegen die Geschichte und Geographie des Landes war.<br \/>\nDie Einigung war nicht vom Schicksal vorherbestimmt. Sie wurde mit Gewalt herbeigef\u00fchrt. Der geistige \u00dcberbau dieses Unterfangens war die Idee des Risorgimento. Wie sich sp\u00e4ter relativ schnell herausstellte, war alles sehr idealistisch gedacht und in den Augen vieler Realisten bis zum heutigen Tage eben jene S\u00fcnde gegen die Geschichte und Geographie der Apenninischen Halbinsel.<br \/>\n&#8222;Ich wei\u00df nicht, was soll es bedeuten&#8230;&#8220;, dass mich diese S\u00fcnde an eine andere S\u00fcnde erinnert, die in den letzten Jahren im Begriff ist, begangen zu werden.<br \/>\nEs geht um die hehre europ\u00e4ische Idee. F\u00fcr sich eine der gro\u00dfartigsten Visionen, die Europa je gedacht hat.<br \/>\nNur: so, wie dieser an sich wundervolle Traum in den letzten Jahren von der \u00d6konomie, von einem b\u00fcrokratischen Moloch und insbesondere von dem geldpolitischen Fetisch her gedacht und teils verwirklicht wird, ist er in meinen Augen ebenfalls eine S\u00fcnde. Diesmal gegen die Geschichte und Geographie unseres Kontinents.<br \/>\nEine S\u00fcnde im Gro\u00dfen \u00e4hnlich wie die italienische S\u00fcnde im Kleinen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Italien ist in der letzten Zeit im Fokus. Im Fokus europ\u00e4ischer Politik. \u00c4hnlich wie vor einigen Jahren Griechenland. Italien ist zum Bad Boy mutiert. Fr\u00fcher l\u00e4chelte man \u00fcber Berlusconis Italien. Heute wird Italien, wegen den politischen Hitzk\u00f6pfen, die jetzt das Sagen haben,\u00a0 fast schon als ein failed state angesehen. 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