{"id":1825,"date":"2018-11-01T21:37:12","date_gmt":"2018-11-01T20:37:12","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=1825"},"modified":"2018-11-01T21:37:12","modified_gmt":"2018-11-01T20:37:12","slug":"1825-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2018\/11\/01\/1825-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>Ich arbeite in der N\u00fcrnberger S\u00fcdstadt. Sie gilt bei Kennern als Multi-Kulti Stadtteil. Seit nunmehr 20 Jahren gehe ich in diesem Stadtteil meiner T\u00e4tigkeit nach. Es hat sich hier viel ver\u00e4ndert. Ende des vorigen Jahrhunderts wohnten in der S\u00fcdstadt viele Arbeiter und ebenso viele Rentner, die die Maschinenbauindustrie der Frankenmetropole nach dem Krieg wieder aufgebaut haben. Siemens, MAN, Bosch, Leistritz und wie sie auch alle hei\u00dfen. Gastarbeiter mitsamt Familien waren auch da. Vor allem von der Balkanhalbinsel aus dem Ex-Jugoslawien.<\/p>\n<p>Inzwischen schrumpft die N\u00fcrnberger Maschinenbauindustrie und mit ihr ihre treue Arbeiterschaft. Die Rentner, die Nachkriegs-N\u00fcrnberg im Schwei\u00dfe ihres Angesichts aufgebaut haben, sterben. Ihren Platz nehmen Personen ein, die ziemlich fremd erscheinen. Insbesondere nimmt die Zahl kopftuchtragender weiblicher Personen zu. Das Bild und die Erscheinung einer Person verarbeitet man mit den Sinnen, dem Intellekt und dem Bauchgef\u00fchl. Beim Anblick kopftuchtragender Frauen mahnt der Intellekt zu Weitl\u00e4ufigkeit und Toleranz. Die Sinne und das Bauchgef\u00fchl sprechen eine andere Sprache.<\/p>\n<p>Wenn man zu jenem Personenkreis geh\u00f6rt, der nicht im Nachkriegsdeutschland sozialisiert wurde, sondern zur gleichen Zeit im \u00f6stlichen Teil unseres Kontinents, dann war man hier aus der fr\u00fchesten Kindheit an kopftuchtragende Personen gewohnt. Es waren ausschlie\u00dflich betagte weibliche Personen, die tief verwurzelt waren in einem entsprechend den sozial-politischen Gegebenheiten erstarrten b\u00e4uerlichen Milieu. Menschen aus dem Osten Europas sind oft in zwei ja sogar in drei Kulturen beheimatet. Entsprechend\u00a0 fokussieren sie\u00a0 Realit\u00e4ten aus diversen Perspektiven. Und fokussieren allemal sch\u00e4rfer als andere, die in einer einzigen Kultur zu Hause sind.\u00a0 Dieses trifft auf viele europ\u00e4ischen V\u00f6lker \u00f6stlich, nord\u00f6stlich sowie s\u00fcd\u00f6stlich von Wien zu. Die osteurop\u00e4ische Nachkriegsgeneration, der ich angeh\u00f6re, fand das Kopftuchtragen bereits ab fr\u00fchester Jugend als ziemlich abartig da nicht europ\u00e4isch, nicht zeitgem\u00e4\u00df, alles andere denn als eine Bereicherung egal welcher Art und somit keineswegs im Einklang mit den damals und auch heute hoch gehaltenen Werte der souver\u00e4n-uneingeschr\u00e4nkten individuellen Freiheiten. Soweit nun das Bauchgef\u00fchl&#8230;<\/p>\n<p>Vor einiger Zeit ging ich in der Mittagspause einkaufen. Zielstrebig, da ich genau wu\u00dfte, wohin und was ich wollte. Schon von weitem sah ich eine Menschenansammlung an einer Stra\u00dfenecke, die ich gut kannte und wo ich in 20 Jahren noch nie eine Menschentraube gesehen habe. Als ich n\u00e4her kam, erkannte ich drei Dutzend unisono schwarz gekleidete, kopftuchtragende Frauen mittleren Alters. Daneben standen zwei Dutzend M\u00e4nner alle in wei\u00dfen Hemden und schwarzen Hosen. Mein Intellekt haderte mit dem Bauchgef\u00fchl. Der Toleranzgedanke versus dem unguten Gef\u00fchl, dass diese Frauen, so, wie sie sich pr\u00e4sentierten, in Westeuropa des 21. Jahrhunderts einfach fehl am Platz waren. Der Unwille und insbesondere das fehlende Bed\u00fcrfnis zur Integration in die sie tragende Gesellschaft waren diesen Frauen ins Gesicht geschnitten. Man sah ja auch nur ihre Gesichter. Alles andere war vollkommen von schwarzem Tuch verh\u00fcllt. Ich erhaschte noch einen Blick in den Toreingang, vor dem alle standen. Im Hinterhof sah man ein schlichtes Geb\u00e4ude, das nach einem Vereinslokal aussah. Einige Frauenblicke trafen mich. Sie waren total uninteressiert und seltsam entr\u00fcckt. Parallelgesellschaft. Die Frauen mit und in ihrer Welt. Ich in meiner. Keine Schnittstellen geschweige denn Schnittmengen.<\/p>\n<p>Apropos:\u00a0 fast h\u00e4tte ich vergessen, zu erw\u00e4hnen, welches Ziel ich eigentlich anstrebte. Zwei Stra\u00dfen weiter hat vor kurzen eine syrische Familie einen kleinen Laden mit typisch orientalischen Leckereien er\u00f6ffnet. Der Sohn der Familie,-er hei\u00dft Tarek-wohl der einzige der Gro\u00dffamilie, der etwas Deutsch spricht, steht von in der fr\u00fch bis am Abend hinter dem Ladentisch. Ich war schon einige Male bei ihm. Vor seinem Laden sieht er mich die Stra\u00dfe\u00a0 \u00fcberqueren und schwingt mit den Armen. Die Begr\u00fcssung ist orientalisch herzlich.<\/p>\n<p>Er zeigt erwartungsvoll auf eine Sch\u00fcssel voller Humus. Ich nicke. In meinem ganzen Leben habe ich keinen besseren Humus gegessen als seinen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich arbeite in der N\u00fcrnberger S\u00fcdstadt. Sie gilt bei Kennern als Multi-Kulti Stadtteil. Seit nunmehr 20 Jahren gehe ich in diesem Stadtteil meiner T\u00e4tigkeit nach. Es hat sich hier viel ver\u00e4ndert. 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