{"id":1292,"date":"2017-12-09T16:31:26","date_gmt":"2017-12-09T15:31:26","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=1292"},"modified":"2017-12-09T16:31:26","modified_gmt":"2017-12-09T15:31:26","slug":"1292-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2017\/12\/09\/1292-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>In der letzten Zeit wird auff\u00e4llig oft der Name Napoleon Bonaparte erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Es hat mit E. Macron zu tun. Nat\u00fcrlich kann man Napoleon und Macron nicht ernsthaft miteinander vergleichen. Es dr\u00e4ngen sich aber immer wieder Erinnerungen auf an den franz\u00f6sischen Kaiser, sobald man Macrons Statur, seine Ehe mit einer deutlich reiferen Frau und seine Tatkraft, gelegentlich vision\u00e4r veredelt, in Betracht zieht. Napoleons Visionen waren Ausdruck zeitgem\u00e4\u00dfen Denkens und zeitspezifischer Ideale. Sein Denken war unbestritten global, das politische und insbesondere milit\u00e4rische Instrumentarium zur Erlangung seiner Ziele war aus heutiger Sicht weniger lobenswert. Der Denker der (europ\u00e4ischen) Globalisierung Anno 1804 (Kaiserkr\u00f6nung) war offensichtlich ein ausgewiesener Geopolitiker, dessen politische und milit\u00e4rische \u00dcberlegungen keine Grenzen kannten.<\/p>\n<p>Das historische Denken in gro\u00dfen Zusammenh\u00e4ngen war und ist nicht jedermanns Sache.\u00a0 Es l\u00e4\u00dft deshalb tief blicken, wenn man heute Folgendes aus Napoleons Feder liest:<\/p>\n<p>&#8222;China ist ein schlafender Riese. Lasst ihn schlafen. Denn wenn er aufwacht, wird er die Welt bewegen.&#8220;<\/p>\n<p>Wie wahr. Woher diese fast schon geschichtsphilosophische Intuition des Korsen?\u00a0 Es standen den Europ\u00e4ern damals gewiss keine exhaustiven Informationen und kein gesichertes Wissen \u00fcber China bereit.<\/p>\n<p>Zum Unterschied von heute.\u00a0 Alles liegt auf der Hand f\u00fcr alle denkbar leicht abrufbar und gut sichtbar. China ist seit Jahren auf dem Weg in jenes Zeitalter, wo es nicht weniger, als die zentrale Rolle mit globalem Anspruch reklamiert. Mit Reklamieren verbindet man allerdings Get\u00f6se, unwirsches Auftreten, rechthaberisches Getue. Nichts davon bei den Chinesen. Sie produzieren keine weltpolitischen Schlagzeilen.\u00a0 Sie bedienen nicht die auf peinliche Schlagzeilen erpichte euro-amerikanische Presse und \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p>Die westliche Welt labt sich im Sud skandaltr\u00e4chtiger Ereignisse. Der von allen guten Geistern verlassene, in s\u00e4mtlichen Belangen \u00fcberforderte Herr aus dem Weissen Haus ist das gefundene Fressen f\u00fcr die papierene und digitale Pressewelt des Westens.\u00a0 Europa verheddert sich in einer geistigen Welt voller Possen, wo Begriffe wie Nationalismus, Regionalismus, Provinzialismus und weitere Ismen die entscheidenden Debatten beherrschen. Dar\u00fcber hinaus mu\u00df Europa jetzt und in einer nicht \u00fcberschaubaren Zukunft mit Migrationswellen aus Afrika und Asien fertig werden, mit einem historischen Ph\u00e4nomen also, das (west!)europ\u00e4ische V\u00f6lker seit 900 Jahren nicht mehr erlebt haben. Europa wird gen\u00f6tigt sein, klein zu denken und in historischen Niederungen beengt zu handeln.<\/p>\n<p>Es deutet alles darauf hin, dass die Zukunftsmusik im Fernen Osten und im Pazifikraum gespielt wird.<\/p>\n<p>Geschichtstr\u00e4chtige Zeiten waren mindestens drei Jahrtausende dem Mittelmeerraum vorbehalten. Darauf folgte\u00a0 einige Jahrhunderte die globale Hoheit der Atlantik-Anrainer.\u00a0 Eine erneute Verlagerung des politischen Weltmittelpunktes, diesmal in den Pazifikraum, w\u00e4re in der Menschheitsgeschichte somit kein \u00fcberraschender historischer Moment.\u00a0 Die Art und die rasante Geschwindigkeit der R\u00fcckkehr Chinas in die Weltpolitik ist aber nahezu einmalig in der Menschheitsgeschichte.<\/p>\n<p>China will den Westpazifik und es wird sich diesen geographischen Raum unbestritten als strategischen Vorhof sichern. Dieses Land missioniert aber nicht politisch.\u00a0 Das unterscheidet es &#8211; zumindest bislang &#8211; von den anderen m\u00e4chtigen Akteuren der Weltgeschichte: das katholische Spanien vor einem halben Jahrtausend, die kommunistische Sowjetunion und die von der res publica durchdrungenen Vereinigten Staaten. China setzt lediglich auf seine wirtschaftliche Macht. Und die l\u00e4\u00dft sich sehen.<\/p>\n<p>China setzt auf den Einkauf. Auf den strategischen Einkauf. Die &#8222;neue Seidenstra\u00dfe&#8220;\u00a0 ist ein au\u00dfen- und geopolitisches Projekt, das in der Geschichte der Zivilisationen seinesgleichen sucht. Das Projekt ist ohnehin die einzig existierende seri\u00f6se geopolitische Strategie unserer Zeit. Die Spannweite dieses wirtschaftspolitischen Vorhabens reicht von der K\u00fcste des S\u00fcdchinesischen Meeres bis weit westw\u00e4rts nach Wei\u00dfrussland und Polen.<\/p>\n<p>Die Chinesen setzen au\u00dferdem \u00fcber alle Ma\u00dfen auf Zukunfttechnologie: sie wollen KI-Weltmarktf\u00fchrer sein, jene Informatiksparte, die es in sich hat. Soweit mir bekannt, verhalten sich k\u00fcnstliche Intelligenz und Datenschutz westeurop\u00e4ischen Standards zueinander wie Feuer und Wasser. Das Trainieren von KI-Algorithmen vertr\u00e4gt keinen Datenschutz. W\u00e4re damit Europa in der technologischen Sackgasse?<\/p>\n<p>Die Chinesen haben zur Zeit dem Westen gegen\u00fcber ein Ass im \u00c4rmel, das in der Menschheitsgeschichte immer ausschlaggebend war. Dieses Land bietet seinem Volk die berechtigte Hoffnung und die Zuversicht, dass das Morgen besser ist als das Heute. Chinas wirtschaftspolitisches Modell beeindruckt die Welt, weil eine ideologisch und historisch verrufene Partei das Riesenreich fest, entschlossen und erfolgreich im Griff hat, weil die gesamte Gesellschaft jugendhaft-spritzig, fleissig und erfolgsgierig wirkt. Sie blicken zur\u00fcck auf mehrere tausend Jahre alte Geschichte. Entsprechend kann die chinesische Volksseele gar nicht anders, als denken in ewig langen Zeitr\u00e4umen mit dem unvermeidlich dazugeh\u00f6rigen Auf und Ab. Jetzt ist eindeutig mal wieder das Auf an der Tagesordnung.<\/p>\n<p>Die wirtschaftliche Macht auf Erden wollen sie erobern. Ob sie auch eine kulturelle bzw. milit\u00e4rische Hegemonie erstreben, ist eher unwahrscheinlich. Es w\u00e4re nicht im Geiste des Konfuzianismus und Taoismus, die dieses ferne Reich noch immer geistig entscheidend pr\u00e4gen und sie auch in ihre neue Zukunft begleiten.<\/p>\n<p>Dem Westen wird jetzt augenscheinlich, dass er einem Irrtum aufgesessen ist:\u00a0 jenem Hirngespinst, dass unser wirtschaftliches System und das dazugeh\u00f6rige politische Konstrukt der Demokratie der Endpunkt des historischen Werdegangs der Menschheit bedeuten. Bei dem kleinen Korsen mit dem bemerkenswerten geopolitischen Gesp\u00fcr kam bekanntlich der Hochmut vor dem Fall. Wie wird es unserer Zivilisation ergehen?<\/p>\n<p>Dem Westen bleibt lediglich die Hoffnung,\u00a0 dass Chinas strategisches Denken ein im Wesentlichen friedvolles sein wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der letzten Zeit wird auff\u00e4llig oft der Name Napoleon Bonaparte erw\u00e4hnt. Es hat mit E. 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