{"id":1265,"date":"2017-10-29T14:26:15","date_gmt":"2017-10-29T13:26:15","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=1265"},"modified":"2017-10-29T14:26:15","modified_gmt":"2017-10-29T13:26:15","slug":"1265-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2017\/10\/29\/1265-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<hr \/>\n<p>&#8222;Die Verse durchwandern in einem einzigen Bild- und Sprachklang gewordenen Gedanken den ganzen Kosmos&#8220;.<\/p>\n<p>Dieser Satz stammt von einer bekannten Goethe-Kennerin. Ich pers\u00f6nlich deute den Satz folgenderma\u00dfen: ein in sich perfekt ruhender Gedanke umrankt in einem unnachahmlichen Wohlklang das gesamte vom Menschen erfassbare Universum.<\/p>\n<p>Es handelt sich um eines der gelungensten Gedichte der Weltliteratur.<\/p>\n<p>Im September 1780 schreibt Goethe &#8211; mit Bleistift &#8211; an die Holzwand einer Jagdaufseherh\u00fctte nahe Ilmenau im Th\u00fcringischen folgende Verse:<\/p>\n<p>\u00dcber allen Gipfeln<\/p>\n<p>Ist Ruh.<\/p>\n<p>In allen Wipfeln<\/p>\n<p>Sp\u00fcrest du<\/p>\n<p>Kaum einen Hauch;<\/p>\n<p>Die V\u00f6glein schweigen im Walde.<\/p>\n<p>Warte nur, balde<\/p>\n<p>Ruhest du auch.<\/p>\n<p>September 1780. Goethe ist 31 Jahre alt.<\/p>\n<p>Im August 1831, ein halbes Jahr vor seinem Tod, besucht Goethe erneut diese H\u00fctte. Er liest seine Verse. Tr\u00e4nen kullern \u00fcber seine Wangen. Eine anwesende, ihn begleitende Person vernimmt Goethes wehm\u00fctige, sanfte, kaum h\u00f6rbare Worte: &#8222;Ja, warte nur, balde ruhest du auch!&#8220;<\/p>\n<p>Die beiden Szenen in der unscheinbaren Jagdh\u00fctte \u00fcberbr\u00fccken ein halbes Jahrhundert. Die Kulisse ist schlicht, die handelnde Person ein genialer Sch\u00f6pfergeist. Das, was die beiden Szenen verbindet, kann menschlicher nicht sein.<\/p>\n<p>Soweit das Literaturgeschichtliche.<\/p>\n<p>Im Zusammenhang mit diesen Versen gibt es auch was Heiteres. Es geht letztlich um das leidige Thema der literarischen \u00dcbersetzungen und Nachdichtungen.<\/p>\n<p>1902 \u00fcbertr\u00e4gt ein Goethe-Verehrer obiges Nachtlied ins Japanische.<\/p>\n<p>1911 \u00fcbertr\u00e4gt ein franz\u00f6sischer Verehrer japanischer Lyrik die Verse vom Japanischen ins Franz\u00f6sische. Damit aber nicht genug. Ein deutscher Bewunderer fern\u00f6stlicher Lyrik &#8222;\u00fcbersetzt&#8220; den franz\u00f6sischen Text erneut ins Deutsche. Und das klingt dann so:<\/p>\n<p>Stille ist im Pavillon aus Jade.<\/p>\n<p>Kr\u00e4hen fliegen<\/p>\n<p>Stumm zu beschneiten<\/p>\n<p>Kirschb\u00e4umen im Mondlicht.<\/p>\n<p>Ich sitze<\/p>\n<p>Und weine.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Die Verse durchwandern in einem einzigen Bild- und Sprachklang gewordenen Gedanken den ganzen Kosmos&#8220;. Dieser Satz stammt von einer bekannten Goethe-Kennerin. Ich pers\u00f6nlich deute den Satz folgenderma\u00dfen: ein in sich perfekt ruhender Gedanke umrankt in einem unnachahmlichen Wohlklang das gesamte vom Menschen erfassbare Universum. Es handelt sich um eines der gelungensten Gedichte der Weltliteratur. Im&hellip; <a href=\"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2017\/10\/29\/1265-2\/\" class=\"more-link\">Weiterlesen <span class=\"screen-reader-text\"><\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[22],"class_list":["post-1265","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-goethe"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1265","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1265"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1265\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1265"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1265"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1265"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}