{"id":1197,"date":"2017-09-25T21:28:22","date_gmt":"2017-09-25T19:28:22","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=1197"},"modified":"2017-09-25T21:28:22","modified_gmt":"2017-09-25T19:28:22","slug":"1197-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2017\/09\/25\/1197-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>Die Szene ist vielen von uns bekannt.<\/p>\n<p>Einst traf Jesus am Jakobsbrunnen eine f\u00fcr die damalige Zeit eher ungew\u00f6hnlich selbstbewu\u00dfte, kluge Frau aus Sychar. Die beiden kamen &#8211; auch sehr ungew\u00f6hnlich &#8211;\u00a0 ins Gespr\u00e4ch, dabei versorgte die Frau den ersch\u00f6pften und sehr durstigen Mann mit frischem Brunnenwasser.<\/p>\n<p>Auch Jesus schenkte ihr anschlie\u00dfend Wasser. Wasser des Lebens, das ihr zur innerlichen Quelle wurde und so ihre Seele tr\u00f6stete und neu belebte.<\/p>\n<p>Die fast schon surreale Szene kann jeder gut nach vollziehen, der schon mal in einer in sich ruhenden Steinw\u00fcsten-Landschaft auf eine wie auch immer geartete Wasserquelle traf.<\/p>\n<p>Seelsorge par excellence:\u00a0 dem\u00fctig, \u00fcberzeugend, schn\u00f6rkellos, kurz, inhaltsvoll.<\/p>\n<p>Egal, wie man zum christlichen Glauben steht: die obige Szene geh\u00f6rt unstrittig zu den eindrucksvollsten Bildern der geistigen und geistlichen Kulturgeschichte unserer Zivilisation.<\/p>\n<p>Viele Jahrhunderte nach Jesu\u00b4gewaltsamen Kreuzestod bestimmten auf unserem Kontinent weltliche Macht, repr\u00e4sentiert durch die Krone, und geistliche Macht, repr\u00e4sentiert durch die Kurie, gemeinsam das Schicksal aller europ\u00e4ischen V\u00f6lker. Sie befehdeten sich oft auf blutig-grausame Weise, und sie vertrugen sich dann wieder je nach epochenspezifischer Interessenlage. Nicht selten zogen sie prinzipiell an dem selben Strang, die R\u00e4ume des Glaubens und jene der Politik waren alles andere denn scharf getrennt. Nach unz\u00e4hligen und harten Auseinandersetzungen, wo Krone, Kurie und viele beteiligte und unbeteiligte Untertanen unz\u00e4hlige Federn haben lassen m\u00fcssen, ist es der europ\u00e4ischen aufkl\u00e4rerischen Elite gelungen, eine wenn auch nicht messerscharfe so doch deutlich wahrnehmbare Trennung zwischen oben erw\u00e4hnten R\u00e4umen herzustellen.\u00a0 Seit gut 200 Jahren gibt es diese wohltuende Demarkation zwischen weltlicher und geistlicher Macht. Und sie hat sich im Gro\u00dfen und Ganzen f\u00fcr viele Generationen recht wohl bew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Tempi passati &#8211; w\u00fcrde jetzt Joschka Fischer schmunzelnd einwenden.<\/p>\n<p>Die heilige Kuh der Aufkl\u00e4rung &#8211;\u00a0 die saubere Trennung von Staat und Kirche &#8211;\u00a0 ist zum Schlachten freigegeben. Zumindest was Deutschland anbelangt. Das politische Denken macht keinen Halt vor Glaubenssph\u00e4ren. Noch intensiver versucht sich das Religi\u00f6se in das Politische ein zu bringen. Diesem Trend wurde bereits eine \u00a0 Kennzeichnung verpasst:\u00a0 von &#8222;K\u00e4\u00dfmannisierung&#8220; wird neuerdings gesprochen, wobei oft nicht klar unterschieden wird, ob es sich um die K\u00e4\u00dfmannisierung der Politik oder der Kirchen handelt.<\/p>\n<p>Fest steht: die Verk\u00fcndigung des Evangeliums, Jesu\u00b4 Lehre und Individualethik, der transzendentale Moment des menschlichen Daseins, Fragen der Sorte &#8222;Worauf baust du im Leben und im Sterben, wenn es hart auf hart kommt?&#8220; spielen bei den Kirchen kaum noch eine Rolle.\u00a0 Aber in der politischen \u00d6ffentlichkeit wollen sie das gro\u00dfe Wort f\u00fchren. Sie sind an der Rettung der Seelen nicht mehr interessiert. Nur noch an der Rettung der ganzen Welt. Deshalb ist den Kirchen ihre eigene Kohlendioxyd-Gesamtbilanz besser bekannt als das Evangelium. Auch ist offenkundig, dass die meisten der nicht unbedeutenden Kirchenleute politisch gebunden sind. Als Parteimitglieder.<\/p>\n<p>Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland und Landesbischof in Bayern, ist Mitglied der SPD. Ein Malheur ist das keineswegs.\u00a0 Nur: h\u00f6rt man ihn sprechen und folgt man seinen Gedanken, kann man nicht umhin, zu der \u00dcberzeugung zu gelangen, dass Gott derselben altehrw\u00fcrdigen deutschen Partei angeh\u00f6rt wie der Herr Ratsvorsitzender. Ohnehin ist die politische Ausrichtung der Evangelischen Kirche dem linken Spektrum zu zuordnen. Oft dem \u00e4u\u00dferen linken Spektrum.\u00a0 Klare Positionierung. Muss das sein?\u00a0 Darf das sein?<\/p>\n<p>Das deutsche Kirchenoberen-Duo Bedford-Strohm und Kardinal Reinhard Marx f\u00fchlt sich im politischen Raum heimischer und somit wohler als im geistlichen.\u00a0 Als beide, Marx im Kardinalsgewand, Bedford-Strohm mit Lutherrock, vor einem Jahr auf dem Tempelberg in Jerusalem ihre Kreuze ablegten &#8211; um,\u00a0 wie sie im nachhinein erkl\u00e4rten,\u00a0 niemanden zu provozieren &#8211; war das der bisherige H\u00f6hepunkt eines christlich abartig degenerierten Verhaltens.\u00a0 Ein klarer Fall f\u00fcr Fremdsch\u00e4men. Wenn du wei\u00dft, dass das Kreuz Jesu jemanden provoziert, dann hast du konsequenterweise an jenem Ort nichts zu suchen. Nichts.<\/p>\n<p>Apropos Luther. Er war alles andere denn unpolitisch. Er konnte und durfte sich angesichts dessen, was er in Europa los getreten hat, dem Politischen gar nicht entziehen. Niemals kamen bei ihm aber Zweifel auf, worauf es letztendlich ankommt. &#8222;Seine Kirche&#8220; durfte sich zwar zum politischen Tagesgeschehen \u00e4u\u00dfern, aber sie hat keinen Augenblick das Transzendentale und folgerichtig Jesus als das Gravitationszentrum des christlichen Glaubens aus dem Blickfeld verloren. Es sind Welten, die die heutigen Kirchen von jener des Reformators trennen. Weite Welten. Wie viel weiter sind wir dann von der Jakobsbrunnen-Szene?<\/p>\n<p>Als die beiden deutschen Kirchenoberen ihre Kreuze in Jerusalem ablegten, hat sich Luther dreimal im Grabe gedreht.<\/p>\n<p>Selbstredend wissen wir nicht, was Jesus in jenem Augenblick gedacht hat. Welches Bild ist ihm durch den Kopf gegangen?\u00a0 Ein bestimmtes?\u00a0 Oder: gar keines?<\/p>\n<p>Eher noch,\u00a0 denke ich,\u00a0 fl\u00fcsterte er leise vor sich hin &#8211;\u00a0 indes auf seine einmalig liebevolle Art tief seufzend &#8211;\u00a0 die uns allen Menschen leidlich bekannten, gleichzeitig besch\u00e4menden Worte:<\/p>\n<p>&#8222;Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Szene ist vielen von uns bekannt. Einst traf Jesus am Jakobsbrunnen eine f\u00fcr die damalige Zeit eher ungew\u00f6hnlich selbstbewu\u00dfte, kluge Frau aus Sychar. Die beiden kamen &#8211; auch sehr ungew\u00f6hnlich &#8211;\u00a0 ins Gespr\u00e4ch, dabei versorgte die Frau den ersch\u00f6pften und sehr durstigen Mann mit frischem Brunnenwasser. Auch Jesus schenkte ihr anschlie\u00dfend Wasser. 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