{"id":1049,"date":"2017-08-16T22:09:59","date_gmt":"2017-08-16T19:09:59","guid":{"rendered":"https:\/\/actaseptimana.de\/?p=1049"},"modified":"2017-08-16T22:09:59","modified_gmt":"2017-08-16T19:09:59","slug":"1049-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/actaseptimana.de\/index.php\/2017\/08\/16\/1049-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>500 Jahre Reformationsjubil\u00e4um.<\/p>\n<p>Im letzten Beitrag habe ich einige Betrachtungen \u00fcber das gest\u00f6rte Verh\u00e4ltnis unserer Welt zu Luther angestellt.\u00a0 Dabei ist auch Luthers Antisemitismus kurz zur Sprache gekommen.\u00a0 Zu besch\u00f6nigen ist da nichts:\u00a0 insbesondere der gealterte Luther hat wenig bis gar kein diplomatisches Geschick hinsichtlich des Judentums bewiesen.\u00a0 Von politischer Korrektheit war er genau so weit entfernt wie D. Trump von einem soliden vertrauensw\u00fcrdigen Staatsmann.<\/p>\n<p>Es ist vielerorts in unserer Heimat in Vergessenheit geraten und es wird &#8211; gewollt oder auch nicht &#8211; unter den Teppich gekehrt:\u00a0 der<strong> Israelsonntag<\/strong> im Kirchenjahr der Evangelischen Kirche in Deutschland,\u00a0 der das Verh\u00e4ltnis von Christen und Juden zum Thema hat.\u00a0 Er wird am zehnten Sonntag nach Trinitatis begangen, was meistens auf einen der ersten drei Augustsonntage des jeweiligen Jahres f\u00e4llt.<\/p>\n<p>Es war niemand anders als Martin Luther, der rebellische M\u00f6nch und f\u00fcr viele der verbissene Antisemit, der diesen Tag als Feiertag einsetzte, um sich mit den Juden solidarisch zu erkl\u00e4ren, die an diesem Tag Tischa BeAw (9. Aw) der Zerst\u00f6rung Jerusalems gedenken.\u00a0 Am 9. Aw wurde nach \u00dcberlieferung im Jahr 586 v. Chr. der Erste Tempel durch Nebukadnezar und 70 n. Chr. der Zweite Tempel durch Titus in Schutt und Asche gelegt.\u00a0 Daher geh\u00f6rt der 9. Aw zu den Trauer- und Fastentagen des Judentums.<\/p>\n<p>Der Israelsonntag k\u00f6nnte ein Tag der Solidarit\u00e4t mit dem &#8222;Gottesvolk&#8220; der Juden sein &#8211; ein Tag der Trauer und Bu\u00dfe im Bekenntnis des eigenen individuellen und kollektiven Versagens,\u00a0 auch gegen\u00fcber dem j\u00fcdischen Volk.<\/p>\n<p>Aber Israel war,\u00a0 ist und bleibt ein ganz heisses Eisen. Warum?<\/p>\n<p>An Israel haben sich immer schon und offensichtlich werden\u00a0 auch k\u00fcnftig die Geister scheiden. Warum?<\/p>\n<p>Israel war und ist eine einzigartige geistige,\u00a0 theologische und vor allem geschichtsphilosophische Herausforderung.\u00a0 Warum?<\/p>\n<p>Schier unendlich k\u00f6nnte man weitere israelbetreffende Fragen stellen und das staunende Warum dahinter setzen.\u00a0 Das Ph\u00e4nomen Israel sprengt die Grenzen jeder von Menschen ausgedachten geistigen oder wissenschaftlichen Ann\u00e4herungsversuche.\u00a0 Ob Soziologie, Ethnologie,\u00a0 Biologie, Psychologie oder Theologie:\u00a0 alle erforschen und definieren lediglich einen<strong> einzigen<\/strong> Aspekt der vielschichtigen Wirklichkeit.\u00a0 Sie alle,\u00a0 inklusive die historische Wissenschaft,\u00a0 die ebenfalls au\u00dfer Stande ist,\u00a0 die Geschehnisse der vergangenen vier Jahrtausende in und um das Heilige Land &#8222;dingfest&#8220; zu machen,\u00a0 sind durch die einzigartige Einmaligkeit dessen,\u00a0 was im,\u00a0 am und um das Judentum passiert,\u00a0 gnadenlos \u00fcberfordert.\u00a0 Die einzig verbliebene Erkl\u00e4rung dieses \u00dcberfragtseins ist somit,\u00a0 dass die Herangehensweise s\u00e4mtlicher wissenschaftlicher Methoden an dieses Ph\u00e4nomen zumindest fragw\u00fcrdig ist,\u00a0 oder &#8211; aus verschiedensten Gr\u00fcnden &#8211; weitere Aspekte einfach ignoriert und au\u00dfer Acht l\u00e4sst.\u00a0 So k\u00f6nnten z.B. Aspekte au\u00dfer Acht gelassen werden,\u00a0 weil der Zeitgeist oder die politische Korrektheit es erfordern.<\/p>\n<p>Ich gebe zu bedenken:\u00a0 dem Zeitgeist und dem political correctness sich zu unterwerfen,\u00a0 ihm sogar zu huldigen,\u00a0 sollte jeden nachdenklich stimmen.\u00a0 Im Dritten Reich hatte es nichts gegeben, was politisch korrekter war,\u00a0 als jemanden als Juden zu beschimpfen.\u00a0 Jeder, der kommunistische Verh\u00e4ltnisse erlebt hat, wei\u00df, dass nichts politisch korrekter war,\u00a0 als \u00fcber westeurop\u00e4isches Sein und seinem demokratischen Geist zu schimpfen gepaart mit scheinheiliger Speichelleckerei gegen\u00fcber den Machthabern.\u00a0 Drastisch ausgedr\u00fcckt ist political correctness nichts anderes als eine Hure der Zeit,\u00a0 die sich den jeweiligen politischen Umst\u00e4nden geschmeidig und anstandslos anpasst.<\/p>\n<p>Ich bekenne freim\u00fctig,\u00a0 dass ich nicht im Stande bin,\u00a0 dem Ph\u00e4nomen Israel auch nur ann\u00e4hernd gerecht zu werden.\u00a0 Ich widersetze mich aber dem Zeitgeist,\u00a0 der von mir fordert,\u00a0 dass ich Aspekte au\u00dfer acht lasse,\u00a0 die nicht zu leugnen und obendrein gr\u00fcndender Bestandteil unserer westlichen Zivilisation sind.\u00a0 Welche Vernunft gebietet mir,\u00a0 die Stimme von geistig harmlosen aber von einem reinen Glauben beseelten Wanderprediger zu ignorieren, von denen S\u00e4tze stammen &#8211;\u00a0 wie in Fels gemei\u00dfelt &#8211;\u00a0 die von keinen historischen Geschehnissen\u00a0 grunds\u00e4tzlich jemals widerlegt worden sind?\u00a0 Welche Vernunft gebietet mir,\u00a0 S\u00e4tze wie die folgenden leichtfertig als M\u00e4rchenstunde abzutun:<\/p>\n<p>&#8222;Jerusalem ist ein Taumelbecher und ein Laststein f\u00fcr alle V\u00f6lker,\u00a0 die sich wund rei\u00dfen, wenn sie ihn beseitigen wollen.&#8220;\u00a0 Oder: &#8222;Bevor das Volk Israel aufh\u00f6rt zu existieren,\u00a0 werden Sonne, Mond und Sterne vergehen.&#8220; Genauer und selbstbewu\u00dfter kann eine an die Zukunft gerichtete Botschaft &#8211;\u00a0 sie stammt \u00fcbrigens vom Propheten Sacharja &#8211;\u00a0 nicht sein!<\/p>\n<p>Woher aber diese selbstbewu\u00dfte Klarheit?\u00a0 Woher diese f\u00f6rmlich zu sp\u00fcrende unanfechtbare Gewissheit?<\/p>\n<p>Es sind Fragen, die besch\u00e4ftigen.\u00a0 Fragen,\u00a0 die eigentlich niemals ignoriert werden d\u00fcrften.\u00a0 Allein schon deshalb nicht, weil die Geschichte, aufgefasst als historischer Bogen \u00fcber mindestens drei Jahrtausende,\u00a0 sie niemals zu widerlegen vermocht hat.<\/p>\n<p>Darum kann ich nicht anders,\u00a0 als mich zu weigern,\u00a0 dem augenscheinlich geistig Verg\u00e4nglichen<strong> mehr<\/strong> Glauben zu schenken als dem offensichtlich Unverg\u00e4nglichen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>500 Jahre Reformationsjubil\u00e4um. 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