TANZ AUF DEM VULKAN

Meine Gedanken kreisen immer noch um die Worte des Stellvertreters Christi auf Erden. (siehe vorigen Beitrag)
Sie wissen schon, was ich meine: „Eine neue Sprache im Stile von Orwell“ habe sich in der westlichen geistigen Hemisphäre entwickelt, die Papst Leo XIV mit unverblümter Klarheit geißelt. Da ist nichts zu beschönigen: Leos Worte sind ein schmerzhafter Paukenschlag für alles, was mit links-woker Ideologie Gassi geht!
Und wir haben da noch die „Causa Günther“, und ich glaube auch diesmal, dass die Leser darüber recht gut informiert sind:
Auf die Frage von Markus Lanz, ob Medien, die den heute in Amt und Würden stehenden Politikern allzu sehr an den Karren fahren, reguliert, zensiert oder gar verboten werden müssten, antwortete der CDU-Ministerpräsident mit einem unzweideutigen: „JA“. Also: Zensur. Ein Unwort in Westeuropa, spätestens seit 1945. Na dann: Willkommen in dem besten Deutschland, das es jemals gegeben hat!
Übrigens: Die neueste Wendung – etliche Tage nach dem erwähnten Interview – die in dieser Causa tragikomischer nicht sein kann: Herr Günther will der deutschen Öffentlichkeit weismachen, dass er obige Überzeugungen nicht als Ministerpräsident, sondern als Privatperson geäußert hat! Da fasst man sich einer Schnappatmung nahe an den Kopf…
Verweilen wir noch etwas bei Herrn MP Günther und betrachten seine Gesinnung im Zusammenhang mit den päpstlichen Worten.
Was ich nämlich erst neulich in Erfahrung gebracht habe: Papst Leo und MP Günther verbindet ihre gemeinsame Religion, beide sind römisch-katholisch. Das wird wohl zur Folge haben, dass der deutsche Ministerpräsident in der nächsten Zeit mit allergrößter Wahrscheinlichkeit einen weiten Bogen um den Vatikan machen wird, sollte er keine besondere Lust verspüren, vom Chef der eigenen Kirche einen Rüffel verpasst zu bekommen. Der geistige Mittelpunkt des hunderte Jahre alten Erzkonservatismus, der Vatikan, soll also einem progressiven deutschen Ministerpräsidenten Nachhilfeunterricht in puncto Meinungsfreiheit erteilen! Ich gebe unumwunden zu:
Geistig und historisch ist das schwer, wirklich schwer einzuordnen!
Sämtliche Generationen der letzten drei bis vier Jahrhunderte wurden ausgiebig über die Sprech- und Denkverbote der katholischen Kirche unterrichtet und auch darüber, dass es zu allen Zeiten progressive geistige Strömungen und unangepasste, unorthodoxe Individuen immerfort gegen diese Verbote einstürmten. Mit Verblüffung stellen wir nun fest:
Die Welt steht kopf! Der Vatikan geriert sich zum Verteidiger der Meinungsfreiheit und die selbsternannten progressiven Kräfte sind jene, die mit Zensur und Verbotsfantasien die Freiheit des Wortes infrage stellen. Man kann es drehen und wenden wie man will: Es geht auch heute – wie ehemals in den Jahrhunderten vor der Aufklärung – nicht um die Wahrheit, sondern lediglich um Macht. Im späten Mittelalter waren die Progressiven in den Augen der allmächtigen katholischen Kirche Häretiker, Finsterlinge, Gotteslästerer. Heute werden all jene, die den Eliten in Politik und Gesellschaft zu nahe treten, im besten Falle zu Populisten erklärt, wenn nicht gleich zu „Feinden der Demokratie“. So wie Herr Günther es bei Lanz getan hat.
Ein Dilemma. Werden unsere definitiv linkslastigen politischen Entscheidungsträger die päpstlichen Worte als einen „Weckruf“ verinnerlichen?
Davon kann man nicht ausgehen.
Der linke Zeitgeist erodiert, er passt nicht mehr in unsere Zeit. Das spüren die Linken und sie schlagen um sich wie immer in der Geschichte, wenn die Mächtigen des jeweiligen historischen Moments ihren Abgesang vor Augen hatten. Progressiv sein hieß früher, innerlich Fanfarenklänge eines künftigen verheißungsvollen Zeitalters erklingen zu lassen. Kritik an den Herrschenden war ein Kennzeichen der Aufklärung und galt immer schon als hehre linke Tugend. Aber auch linke Selbstkritik gehörte lange Zeit zu den wesenhaften Qualitäten linken Denkens. Das ist aber für die neuen Eliten anscheinend undenkbar. Heute sind die Linken rückwärtsgewandte Marionetten ihrer eigenen bräsigen Ideologie. Vor Jahrzehnten war Linkssein erfüllt von intellektuellem Glanz – zumindest in Westeuropa. Heute versprühen sie Kleingeistigkeit und eine triste Verbohrtheit.
Linkes Gedankengut und das süße Gift sozialistischer Versprechungen sind indes unausrottbar.
Es existiert ein eher unbekanntes Buch eines russischen Mathematikers und Philosophen verfasst in den Zeiten des Kalten Krieges: „Der Todestrieb in der Geschichte“. Igor Schafarewitsch hieß der auch über die Grenzen der damaligen UDSSR bekannte Mathematiker. Für ihn sind sozialistische und kommunistische Ideen nichts anderes als geistige Angelpunkte des merkwürdigen menschlichen Strebens zur Selbstvernichtung, sozusagen eine Form des freudschen Todestriebes, deren Gefahr insbesondere darin besteht, dass sie sich hinter Ansprüchen auf soziale Gerechtigkeit und Wissenschaftlichkeit versteckt.
Spätestens Ende der 70-er Jahre des vorigen Jahrhunderts haben die (gelegentlich!) Austern schlürfenden und Champagner genießenden Linken Westeuropas erkannt, dass die Proletarier in den eigenen Ländern – dem existentiellen Elend durch den enormen wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt entronnen – alles andere denn Lust auf linksrevolutionäres Gebaren verspürten. Daraufhin verlagerte sich der Fokus des linken ideologischen Gerassels auf die Gesellschaften in den ehemaligen europäischen Kolonien und anderen Gebieten, wo einstens europäischer (Un)Geist wehte. Kultstatus erlangten somit Typen wie Mao, Che Guevara und Fidel Castro. Diese Jungs und ihre weltrettenden Ideenkonstrukte sind nun wiederum Schnee von gestern auch und vor allem deshalb, weil ihre Vorstellungen sich nicht nur nicht im menschlichen Alltag bewährt haben, sondern an wirtschaftlicher und sozial-politischer Torheit und Absurdität nicht zu übertreffen waren.
Linkes Gedankengut ist also unausrottbar und so zieht die internationale linke Karawane unaufhaltsam weiter auf der Suche nach neuen Opfer. In den Businessplänen der heutigen linken und woken Aktivisten spielen seit geraumer Zeit arabische und Sub-Sahara-Migranten die erste Geige des in diesem ideologischen Kontext so wichtigen Opferdaseins.

Schafarewitsch, der russische Mathematiker, der stalinistische Zeiten bewusst erlebt hat, wusste, worüber er schrieb:
Sozialistisches und kommunistisches Ideengut entsteht immer dann und dort, wo Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Unfreiheit herrschen. Aber er wusste auch:
In dem Augenblick, da Sozialisten und Kommunisten den Alltag der Menschen und deren gesellschaftliches Zusammenleben organisieren dürfen und sollen, verkünden und bewirken sie ungleich größere Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Unfreiheit.
Geschichte wiederholt sich fortwährend, immerzu anders verpackt und anders dargeboten und natürlich mit stets neuen Protagonisten.

Nicht selten gebärdet sich das jeweils dargebotene historische Spektakel wie ein Tanz auf dem Vulkan.