Wenn der Bezug zur Wirklichkeit verloren geht, ist alles möglich.
(Hannah Arendt)

Das erste Opfer in einem Krieg ist immer die Wahrheit.
Nicht Beteiligte. Mittelbar Beteiligte. Eindeutig Beteiligte.
Unmittelbar nach Ausbruch der Kriegshandlungen stehen alle oben erwähnten Protagonisten mit der Wahrheit auf Kriegsfuß.
Es war immer so. Es kann aus gut nachvollziehbaren Gründen auch gar nicht anders sein.
Die Bevölkerung der europäischen Staaten mäandert seit Februar 2022 erratisch durch den von den eigenen Politikern und Medien dargebotenen Informationsdschungel und -chaos zum Verlauf des Ukrainekonflikts.
Die europäischen Nationen sind voll bei Sinnen: Sie wollen Frieden.
Eine nicht vernachlässigbare Anzahl europäischer Politiker: Wollen keinen Frieden.
Nach fast vier Kriegsjahren wissen diese Politiker leider nicht mehr, wo vorne und hinten ist.
Sie gaukeln ihrer Bevölkerung vor, dass sie wissen, was sie tun, dass sie auf der richtigen Seite der Geschichte sind, dass sie das Heft des Handelns fest in ihren Händen halten.
Es stellt sich spätestens in diesem Herbst 2025 heraus, dass sie lediglich politisch verzwergte Zaungäste historischer Entwicklungen sind, und dass sie von niemandem mehr in dieser Welt ernst genommen werden. Sie sind willkommene Zaungäste, da sie dafür, dass sie den Geschehnissen auf dem Spielfeld beiwohnen dürfen, mehr als ein fürstliches Eintrittsgeld bezahlen, dafür allerdings hemmungslos und schamlos tief in die Taschen der eigenen Bevölkerung greifen.
Ich spreche von einer Politikergeneration, die auf dem Wege ist, Europa in den Ruin zu treiben. Es sind heute insbesondere vier Gestalten, die stellvertretend für diese Generation stehen: das Trio Fatale Macron, Merz, Starmer und die Dame an der Spitze der Europäischen Union. Sie stolpern seit Beginn des unsäglichen Konflikts von einer falschen Entscheidung zur anderen. „Der Kaiser ist ja nackt“! Jeder halbwegs klardenkende Europäer sieht diese nackte Wahrheit, die politischen Spitzen Europas ficht das alles nicht an.
Mit Vollgas weiter in Richtung Abgrund.
Begonnen hat das Trauerspiel mit einer eklatanten Fehleinschätzung: Europa hat es nicht verstanden oder wollte es partout nicht verstehen, dass der Ukrainekrieg ein Stellvertreterkonflikt war und ist. Die Ukraine war von Anfang an restlos abhängig von amerikanischen Polit-Einflüsterern, vom amerikanischen Geld, amerikanischer Militärausrüstung und speziell von den alles entscheidenden Geheimdienstinformationen, ohne die die Ukraine keine drei Wochen hätte überleben können.
Die zweite – wohl folgenschwerste – Fehleinschätzung: Dass die Ukraine imstande wäre, die russischen Truppen zurückzudrängen, ja noch mehr als das, nämlich nicht weniger als Russland konventionell zu besiegen und die russischen Machthaber zu einem demütigenden Friedensschluss zu zwingen. Lassen wir uns das auf der Zunge zergehen:
Es sollte nicht mehr und nicht weniger als mit konventionellen Waffen eine Atommacht besiegt werden! Also, etwas genauer: mit Drohnen!
Das nennt man Versagen auf der gesamten Linie. Verantwortlich dafür: Das Trio Fatale und die Spitze der EU. Herrn O. Scholz sollte man hierbei keineswegs vergessen. Der Krieg – das darf hierbei nicht außer Acht gelassen werden – hat eine tragische Vorgeschichte, wobei Schuld und Verantwortung alles andere denn klar, deutlich und für alle nachvollziehbar verteilt sind.
Erst haben unsere westeuropäischen Politiker die fetten Jahre Europas verstreichen lassen und haben nichts in Infrastruktur und Abschreckung investiert. Dann ließen sie sich einspannen in die strategisch motivierten Spielchen der Biden-Administration in puncto NATO-Erweiterung gegen Osten. Geködert wurde die Ukraine mit der höchst preiswürdigen politischen Idee, dass das Land der weiten Steppen und der hanebüchenen Korruption eigentlich zu dem Westen gehöre.
Das alles hat dem Russen übel aufgestoßen. Nachdem auch das letzte warnsignalmäßige Ersuchen des Kreml an die Amerikaner und an die NATO, von ihren politischen und militärischen Absichten der NATO- und EU-Erweiterung Abstand zu nehmen, nichts gefruchtet haben, platzte Putin der Kragen und er gab grünes Licht für den völkerrechtswidrigen Überfall auf die Ukraine. Ja, völkerrechtswidrig. Aber: Was heißt das schon in den Augen echter oder vermeintlicher Weltmächte? Zur Erinnerung: Irak… Lybien… Davor Serbien/Kosovo. Alles völkerrechtsgerechte Angriffe mit blütenweißer Weste?
Wer die russische Geschichte der letzten 300 Jahre kennt, weiß, dass Moskau, insbesondere seit dem napoleonischen Überfall Anfang des 19. Jahrhunderts, auf jede echte oder vermeintliche politische oder militärische Bedrohung ihrer langgezogenen und militärstrategisch aufgrund geografischer Gegebenheiten sehr verwundbaren Westgrenze äußerst empfindlich reagiert. Seit Peter dem Großen denkt und handelt Russland in weltpolitischen Kategorien.
Zunächst ging es im 19. Jahrhundert darum, sich in Europa gegen Preußen, gegen die Habsburger und das Osmanische Reich durchzusetzen. Alsdann verabschiedete sich Russland nach der Niederlage im 1. Weltkrieg und dem diesem Desaster folgenden Sieg der Kommunisten für zwei, drei Generationen aus den geopolitischen Ränkespielen, um dann als strahlender Sieger über Nazideutschland den europäischen militärischen und politischen Realitäten ihren diesmal für die Völker Osteuropas desaströsen Stempel wieder aufzuzwingen. Russland, damals Sowjetunion, war ein weiteres Mal am Ziel: bestimmender geopolitischer Akteur im Weltmaßstab.
Der Zusammenbruch des kommunistischen Systems hat Russland tief ins Mark erschüttert. Das politische Vermächtnis des smarten Gorbatschow führte Russland wieder in die weltpolitische Bedeutungslosigkeit. Das konnte keineswegs lange gut gehen, da das nationalrussische Selbstverständnis anders gepolt ist. Putin ist lediglich das Werkzeug dieses Selbstverständnisses. Seit er an der Macht ist, will er Russlands Einflusszonen vom Baltikum über die Ukraine bis Georgien wieder zurück haben.
Ob es uns Europäern passt oder nicht: So ist Russland.
Und das nicht erst seit gestern. Seit Peter dem Großen. Seit 300 Jahren.
Russland ist eine Heimsuchung – das hat seinerzeit schon Karl Marx postuliert. Es gibt zwei Möglichkeiten, einer Heimsuchung entgegenzutreten. Entweder man bekämpft sie bis zur totalen psychischen und physischen Ausmerzung oder aber man arrangiert sich mit ihr. Die erste Variante wurde erstmals von einem genialen französischen Feldherrn, das zweite Mal von einem deutsch-österreichischen Möchtegern-Feldherrn versucht. Beide Versuche endeten in das, was mit dem Begriff Katastrophe nur annähernd und höchst wohlwollend umschrieben werden kann. Dem normalen Menschenverstand folgend wäre somit ein Arrangement die einzig vernünftige Lösung. Herausragende Staatsmänner, die etwas von geopolitischer Strategie und der hohen Kunst der Diplomatie verstanden, haben in den letzten 200 Jahren diesen vernünftigen Weg beschritten: Fürst von Metternich, Otto von Bismarck, Henry Kissinger.
Bei der Erwähnung solcher Politiker höre ich bereits, wie die Meute des woken Zeitgeistes regelrecht aufheult. Solche Männer sind schließlich nichts anderes als verabscheuungswürdige Vertreter der weißen, heterosexuellen und damit zutiefst toxischen Männlichkeit. Darüber hinaus floss in ihren Adern noch überflüssigerweise blaues oder jüdisches Blut. Das setzt natürlich dem Fass die Krone auf. Ob es uns Europäern gefällt oder nicht: Die Regel Nummer eins in der Weltpolitik war zu allen Zeiten das, was auch heute noch unumstößliche Normativität besitzt:
Macht kommt von Stärke, nicht von Moral.
Bei den heutigen in Europa hochgehaltenen diplomatischen Gepflogenheiten zeigt man postkoloniale Selbstverachtung und natürlich: Haltung. Am besten feminine Haltung. Realismus ist pfui. Gesinnung hui.
Die Spitze der EU und das Trio Fatale glauben mit der innigen Hingabe wahrer Moralisten an den Frieden im Osten Europas unter den Bedingungen westlicher Demokratie.
Der Kaiser ist ja nackt! Nur ist keiner da, der sich traut, diese triste Wahrheit auszusprechen. Außer Viktor Orban. Der aber wird in Brüssel wie ein Aussätziger behandelt.
Europas jetzige politische Kaste hat sich in eine fatale strategische und diplomatische Sackgasse hineinmanövriert. Europa kann der Ukraine unter keinen Umständen zum militärischen Sieg über Russland verhelfen. Das ist so gewiss wie das Amen in der Kirche. Die EU hat wider jede Vernunft sämtliche direkten Kanäle des politischen Dialogs mit Moskau gekappt und wird in der gesamten Welt als nicht ernst zu nehmender Gesprächspartner im Ukrainekonflikt wahrgenommen.
Die Ukraine ist – Stand heute – nicht mehr in der Lage, ernsthaft militärisch Widerstand zu leisten. Russland kann definitiv nicht mehr aus den besetzten Gebieten zurückgedrängt werden und Trumps Amerika setzt, sichtbar für die gesamte Welt, ganz andere Prioritäten. Die USA halten den Großkonflikt um die Vorherrschaft im Pazifik mit China seit Längerem für wichtiger als den Bruderkrieg in Europa. Und deshalb wollen sie dem ein Ende setzen, koste es, was es wolle.
Die EU und viele europäischen Politiker stehen an der Seitenlinie tief verletzt in ihrer Eitelkeit, da unfähig wegen Fahrlässigkeit und Mangel an Spielgeschick ins Spielgeschehen einzugreifen. Das Trio Fatale ist bemitleidenswert: Alle drei haben zu Hause bei der eigenen Bevölkerung nichts mehr zu melden, dafür aber plustern sie sich auf der Weltbühne auf. Bei Keir Starmer wird auf der Insel seit Längerem offen über seine politische Zukunft spekuliert. Nicht ob er von seinen Labour-Leuten gestürzt wird, sondern wann und von wem. Frankreichs kleiner Napoleon ist nichts anderes mehr als ein gerupfter gallischer Hahn und der deutsche Kanzler hat im Rekordtempo den Großteil seiner Wähler verprellt und betrogen und regiert nur noch von linken und kommunistischen Gnaden. Den Europäern ist ihr geopolitischer Kompass abhandengekommen. Zu verdanken haben sie das ihrer eigenen Stümperhaftigkeit: Weil Denken in interessengeleiteten Kategorien toxisch sei und die Zukunft sowieso feministischer Außenpolitik gehöre. Die EU und ihre Politiker verwechseln Strategie mit Moralismus und Diskurs mit Macht, sie sind gefangen in der eigenen realitätsfremden Rhetorik und gezwungen, die Folgen eines Konflikts zu bewältigen, den sie in keinem Augenblick verstanden haben und den sie zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise kontrollieren konnten.

Und die europäischen Nationen?
Es dämmert ihnen, dass der Preis, den sie bezahlt und noch zu bezahlen haben, ihnen und ihrem Kontinent weder Frieden noch nennenswerte Sicherheit geschweige denn Ansehen und Wertschätzung in der Welt eingebracht hat.