Was ich noch sagen wollte …

 

Er kann nichts dafür.

Dass er so (und eben nicht anders) herüberkommt und so wahrgenommen wird.

Dass er in sämtlichen sozialen Medien – ob links, „mittig“ oder rechts – nur noch als Lachnummer daherkommt. Fremdscham, zuweilen Aggressionen hervorrufend.

Die Zeit ist reif, (natürlich arglose) Fragen zu stellen: Wie kann man so, wie er ist und daherkommt, politische Karriere machen? Wie schafft er es, auf der Karriereleiter Sprosse um Sprosse zu erklimmen?

Wisst ihr, wen ich da meine? Ich glaube schon. Natürlich!  Den „Shooting-Star“ des bundesrepublikanischen Polit-Zirkus:

Philipp Amthor.

Wie bereits erwähnt: Er kann nun wirklich nichts dafür, dass er „auf eine ganz besondere Art“ von den allermeisten Zeitgenossen wahrgenommen wird.

Aber es sagt viel aus, über die Partei, der er dient und über das Land, das ihn in höheren Sphären des politischen Betriebs beschäftigt. Mit seinen 33 Lenzen hat er es wahrlich weit gebracht. Und das lediglich mit zwei von ihm hervorragend beherrschten Eigenschaften:

Zum einen gehört das unentwegte Nicken nach Oben dazu sowie das „spontane“ Applaudieren, wenn diese Bekundung von den Oberen gewünscht wird. Zum anderen hat er wie kein anderes politisches Nachwuchstalent die Rituale des Parteiapparates verinnerlicht, die als oberste Prinzipien uneingeschränkte Loyalität und das Meiden jedweder falschen Aussage, die nicht dem Wertekanon der wohlfeilen Parteispitze entspricht, beinhalten.

Dieses Phänomen sollte niemanden ins Staunen versetzen. Die Geschichte kann ein langes Lied davon singen.

Seit den Anfängen der Zivilisation ist die Menschheit mit zwei Erscheinungen konfrontiert, die ihr, der Zivilisation, massiv und gravierend zugesetzt haben: Zum einen die unzähligen und üblen kriegerischen Auseinandersetzungen rivalisierender Stämme, Völker und später Nationen, zum anderen die oft unsägliche, rücksichtslos-autoritäre Beherrschung derselben durch eine in den allermeisten Fällen abgehobene Oberschicht. Jahrhundertelang – mindestens aber seit den letzten drei Jahrtausenden! – galt unangefochten das Recht des Stärkeren, und das Starke definierte sich durch Gewalt und militärische Überlegenheit. In diesem Zusammenhang und in diesem Machtgerangel der privilegierten Kaste der jeweiligen historischen Epoche ist nicht zu übersehen, dass sich vor allem skrupellose, narzisstische, gegenüber den Interessen der jeweiligen Bevölkerungsmehrheit völlig ignorante Charaktere durchsetzten. Als Beispiel möge das europäische Mittelalter herhalten. Landesherren entfesselten rücksichtslos Kriege, wenn sie die Chance sahen, auf brachiale Weise ihren persönlichen Herrschaftsbereich zu erweitern. Diesen Machtzielen opferten sie bedenken- und erbarmungslos das Leben ihrer Untertanen. Es war halt eben die damalige Normalität.

Da drängt sich natürlich die ketzerische, gleichwohl rhetorische Frage auf: nur die damalige?

Bekanntlich führte der unaufhaltsame Fortschritt der Waffentechnik dazu, dass die militärischen Auseinandersetzungen immer blutiger und unmenschlicher wurden. Mit diesem bis heute ungebrochenen Trend gerät die menschliche Zivilisation zusehends immer tiefer in eine verhängnisvolle historische Sackgasse. Die Welt marschiert treuherzig und unbeholfen weiter – immer weiter – in dieser Sackgasse, und zwar so lange, wie sie den gewissenlosen Narzissmus der mit tatsächlicher Macht Ausgestatteten und ihrer opportunistischen Mitläufer nicht in den Griff bekommt. Die ungünstigen Persönlichkeitsprofile auf sämtlichen Führungsebenen haben seit Jahrtausenden in unzähligen Fällen zu destruktiven Trends in politischen, wirtschaftlichen und sozialen Bereichen geführt.

Den Begriff „neuzeitliche Demokratie“ konnte kaum jemand ausbuchstabieren, da warnte bereits Thomas Jefferson, der wohl bedeutendste Autor der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, von den Störeinflüssen, welche eine demokratisch-rechtsstaatliche Ordnung unterminieren könnten. Er warnte vor „der Konzentration der Macht“, vor der Tyrannei der Justiz („Despoten im Talar“) und des Staates, er warnte (unglaubliche Weitsicht!) vor einer Banken- und Finanzoligarchie („Ich glaube, dass Bankinstitute gefährlicher für unsere Freiheiten sind als stehende Heere“), vor dauerhafter Staatsverschuldung und vor dem eben erwähnten stehenden Heer.  Staatsverschuldung und Heer – beides sah er als Werkzeuge, um Bürger in Abhängigkeit zu bringen und Kriege zu führen, die nur einer zahlenmäßig kleinen Elite nützen. Kurzum:  Die wirklich ernst zu nehmenden Gefahren für eine demokratische Rechtsordnung werden nicht von außen kommen. Die Gefahren schlummert im Inneren, wenn Bürger apathisch (wohlstandsapathisch in unseren heutigen Zeiten)  werden und eine kleine Elite – ob in Regierung, Justiz oder Banken – unkontrolliert Macht ansammelt.

All diese weitblickenden Warnungen Jeffersons wurden in den letzten 250 Jahren – mal mehr, mal weniger – aber in den meisten Fällen vorsätzlich ignoriert. Und seitdem ein amerikanischer Historiker das „Ende der Geschichte“ postuliert hat, befinden sich die westlichen Demokratien auf dem halben Weg einer Rolle rückwärts in die Autokratie, indem der Entstehung undemokratischer Machtstrukturen inmitten ihrer Rechtsordnung untätig-phlegmatisch zugesehen wird. Zu diesen Strukturen gehören u.a. privilegierte, undurchschaubare Finanzsysteme, gleichfalls privilegierte Konzernoligopole und ein weltumspannendes Informationssystem, das gleichermaßen von einem Oligopol dominiert wird, nämlich dem der mächtigen Nachrichtenagenturen. Nicht zu vergessen in dieser summarisch gehaltenen Aufzählung: die Geheimdienste und das jeweilige Militär. Sie stellen teilautonome, dezidiert mit autokratischen Zügen versehene Machtzellen innerhalb der demokratischen Gesellschaften dar.

Wir haben es hier mit einem demokratisch nicht legitimierten Wildwuchs von Machtstrukturen zu tun. Die seit einigen Jahrzehnten bestehende faktische Geldherrschaft hat uns inzwischen ein gesellschaftliches Ambiente beschert, das die Propagandisten einer militaristischen und große Konzerne begünstigenden Politik mit lukrativen Posten belohnt, wogegen der Mittelstand, die Selbständigen und all jene, die tagtäglich die unersetzliche Mühe aufbringen, das reibungslose Funktionieren unserer Gesellschaft zu gewährleisten, auf vielfältige Art an den Rand gedrängt werden. Wer sich also diesem Kurs anpasst, schwimmt im Strom des Opportunismus und natürlich des Zeitgeistes. Wer Wahrheit und Fairness sucht, wird meist auf eine diskret-unauffällige Weise beiseite gedrängt.

Es ist nicht mehr zu übersehen: Das dauerhafte Ignorieren der Mahnungen Jeffersons und seiner Mitstreiter hat unsere Zivilisation in die aktuellen militärischen Konflikte geführt. Diese Konflikte dienen ausschließlich den Interessen einer zahlenmäßig verschwindend geringen internationalen Elite, und das enorme Eskalationspotential dieser Konflikte wird von den Medien und von der Politik auf eine Weise ignoriert und heruntergespielt, die in höchstem Maße hanebüchen und unverantwortlich ist.

Grund zum Jubeln haben – wie zu allen Zeiten – jene, die das gegenseitige Abschlachten auf dem „Kriegspfad“ überhaupt ermöglichen. Heute sind das die Rüstungskonzerne. Dabei ist die enge Verflechtung des transnationalen Finanzimperiums mit dem Militärisch-Industriellen Komplex (MIC) hervorzuheben. Bereits während des Ersten Weltkrieges hatte namentlich die Großbank J.P. Morgan die jahrhundertealte Praxis, Ländern Rüstungskäufe auf Kreditbasis zu ermöglichen, in kriegsentscheidende Dimensionen gesteigert. So wurden bereits vor gut 100 Jahren die Grundlagen dafür gelegt, dass Rüstungsgeschäfte und militärische Konfliktverwaltung sowie das Heraufbeschwören neuer Konflikte und Interventionen sich zu den profitabelsten Geschäftsmodellen überhaupt mauserten.  Den fälligen Preis bezahlt … Der geneigte Leser möge den Satz nach bestem Wissen und Gewissen vervollständigen!

Und es gibt den berühmten „Drehtüreffekt“: Dieser sorgt dafür, dass der interessengetriebene Automatismus sämtliche Komponenten obiger Systeme koordiniert einschließt. So wechseln nicht wenige hohe Offiziere in die Rüstungsindustrie, deren Umsätze sie im Zuge ihrer Militäreinsätze zuvor gepusht haben. Personen aus der Rüstungsindustrie werden dafür in politische Posten gehoben, wo sie ihren Ex-Arbeitgebern staatliche Aufträge bescheren. Dieses System arbeitet uhrwerkartig und bar jeder zentralen Koordination an der Verschleppung und Neuschaffung von Konflikten.

Und der Bürger?

Und die angeblich Bürgerinteressen vertretende Politik?

Sie – der Bürger und die Politik – sind natürlich nicht zu unterschätzende Faktoren in dem obigen Konstrukt. Aber der Bürger ist unzuverlässig, von demokratischem Gedankengut überfordert und oft aufmüpfig. Und die Politik ist bekanntlich seit jeher rückgratlos. Also schützt sich das System vor der gewiss leicht nachvollziehbaren Ablehnung durch den Bürger dadurch, dass die Politik in eine Polarisierung von zwei miteinander verfeindeten Lager, Konservative und Linke, getrieben wird, wo diese ihren jeweiligen ideologischen Energiestau hemmungslos (unter anderem auch in weltbewegenden Sonntagsreden!) entladen und kanalisieren dürfen.

Als Ergebnis gut durchdachter, polarisierender Medieneinflüsse nehmen sich Linke und Konservative als erbitterte Gegner oder gar Feinde wahr, während es quer über nahezu alle Parteigrenzen hinweg narzisstische und verantwortungsferne Fassadendemokraten, die ihren Narzissmus regelmäßig zur Tränke führen müssen, eine Politik verwalten, die einer Gegenwart und leider auch einer Zukunft in Frieden, Freiheit und authentischer Rechtsstaatlichkeit im Wege stehen.

Der „Strandkorb-Bubi“ ist ein winziges aber typisches und dadurch unerlässliches Rädchen in diesem System.

Aber ach, er kann doch nichts dafür …