EN PASSANT … (2)
Gestern habe ich in meinem Beitrag die deutsche Hauptstadt erwähnt. Das Wahlergebnis steht fest, es ist unter zweifelsfreien demokratischen Kuratelen zustande gekommen. Das Ergebnis ist klar. Die Folgen sind es keineswegs.
Das politische Leben in unserem Lande ist seit geraumer Zeit voll von politischen Slogans. Hier eine Auswahl:
Wehret den Anfängen! Nie wieder ist jetzt! Wer schweigt, stimmt zu! Gegen das Vergessen! Erinnern heißt handeln!
Als mir diese – und andere – Slogans heute durch den Kopf gingen, wachte plötzlich die Erinnerung an jenes historische Berlin-Momentum auf, das mit der deutschen Hauptstadt schicksalhaft zusammen gewachsen ist und wohl keines weiteren Kommentars bedarf:
„Vor zweitausend Jahren war der stolzeste Satz, den ein Mensch sagen konnte: Ich bin ein Bürger Roms. Heute ist der stolzeste Satz, den jemand in der freien Welt sagen kann: Ich bin ein Berliner. Wenn es Menschen in der Welt geben sollte, die nicht verstehen oder nicht zu verstehen vorgeben, worum es heute in der Auseinandersetzung zwischen der freien Welt und dem Kommunismus geht, dann können wir ihnen nur sagen, sie sollen nach Berlin kommen. (…) Es gibt Leute, die sagen, dem Kommunismus gehöre die Zukunft. Sie sollten nach Berlin kommen. Und es gibt wieder andere in Europa und in den anderen Teilen der Welt, die behaupten, man könne mit dem Kommunismus zusammenarbeiten. Auch sie sollen nach Berlin kommen. Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger dieser Stadt West-Berlin und deshalb bin ich als freier Mann stolz, sagen zu können: ICH BIN EIN BERLINER.“
P.S. Ich weiß, dass die folgende andächtig-fragende Feststellung weder „politisch korrekt“ noch redlich noch irgendetwas Ähnliches in diesem Sinne ist oder sein kann. Sie ist nichts anderes als das meinem jetzigen Gemütszustand entsprungene Menschliche, das allzu Menschliche:
Sind irgendwelche nennenswerten Unterschiede auszumachen zwischen jenem, der obige Worte vor 400.000 Berlinern gesprochen hat und der Politikergeneration, die uns heute die Welt erklären und unsere Zukunft gestalten will?